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Von der Verkehrsaufgabe zur Anlagenplanung
#1 Von der Verkehrsaufgabe zur Anlagenplanung
Hallo zusammen,
wenn man eine Anlage plant, geht man meistens den Weg von der Raumanalyse (wo habe ich wieviel Platz) über den Streckenentwurf (wie verläuft die Strecke) hin zur Detailplanung der betrieblichen Möglichkeiten (u.a. welche Möglichkeiten von Gleisanschlüssen habe ich). Sicherlich gibt es da noch viele andere Aspekte (Stichwort Brokkoli).
Bei mir war das nicht anders.
Nun zum Thema: Würde man die Verkehrsaufgabe an den Anfang stellen, ergäbe sich eine völlig andere Anlage. Im Garten könnte dies eine Kompostbahn sein. Rasenschnitt usw. müsste von der Quelle der Entstehung zum Komposthaufen gefahren werden. Die fertige Erde zurück in den Garten. Es kann natürlich auch eine fiktive Aufgabe auf einer Innenanlage in H0 sein. Beispiele gibt es genug (z.B. Kohlenbahn).
Ich möchte mal die Diskussion anregen, ob das jemand so konsequent gemacht hat und ob es Vorteile gegenüber der oben genannten Planungsmethode bringt.
Gruß
Thomas
Hi Thomas @Bonsaibahner,
Du bekommst hier alles: und sei es einen etwas hochwertigeren Transport in, wer hätte das gedacht, Kesselwagen.
Zitat
Im Garten
könntest Du ja auch, statt Erde vor- und zurück zu schaufeln, Gäste bewirten - oder nur einfach genießen, während die Bahn ihre Kreise dreht bzw. ihr point-to-point-Strecken fährt.
Schöne Woche wünsch' ich,
Reiner
Bei mir war die Reihenfolge etwas anders.
Am Anfang standen die Idee und der Wille, eine Meterspurbahn (1:45) im Harz zu schaffen, die in Braunlage an die Südharzbahn anschließt und über den ganzen Harz bis nach St. Andreasberg und Sieber geht.
Damit ergab sich fast von selbst, was zu transportieren sein würde: Holz aus den Wäldern, Steine aus den Steinbrüchen, Schwerpat aus mind. einer Schwerspatgrube. Dazu die Rohstoffe für die Gießerei und der übliche Mist vom Kleinvieh: Baustoffe, Hausbrandkohle, Schnittholz ab Sägewerk, Holzschliff ab Schleiferei, Säfte ab Mosterei etc. etc.
Der erste Raum, der zur Verfügung stand, war so klein, dass nur ein kurzer Ausschnitt dieser Bahn realisiert werden konnte. Der zweite Raum, der infolge Hauskauf nach zwei Jahren zur Verfügung stand, war schon erheblich größer und konnte 2/3 der gewünschte Bahn aufnehmen. Und schließlich der nochmals größere dritte Raum war dann groß genug, die geplante Bahn komplett zu realisieren. Die jeweilige Form der Anlage und der Streckenverlauf ergaben sich aus Größe und Grundriss der Räume (nur der erste Raum war rechteckig). Wichtigstes Designkriterium war immer das Prinzip der absoluten Nähe (PAN).
Gruß
Otto
Moin,
bei mir war es auch eher wie bei Otto. Ich habe mir ein Ziel gegeben (Bhf. Wildbad in Epoche 2/3, möglichst maßstäblich mit Strecke und Anschließer) und dann geschaut, was ich bei den gegebenen Randbedingungen umsetzen kann. Das Ladegut (Stückgut, Holz, örtliche Versorgung ...) ergibt sich dann von alleine.
Der Weg vom Transportbedarf zur Anlage funktioniert mMn nur bei Freelance-Anlagen, da erst einmal die Randbedingungen geschaffen oder gewählt werden müssen (Ortschaften, Geschichte, Landschaft). Aber das ist dann auch nicht anders als bei Anlagen nach Vorbild.
Grüße
Jürgen
Natürlich stand am Anfang überhaupt einen Platz zu finden, was in der Entscheidung gipfelte, einen kompletten Raum frei zu machen. Dazu wurde der Job von Desktop- auf Laptop-Arbeit umgestellt. Ab dann wurde es exotisch. Mir ging es von Anfang an um Atmosphäre und Perspektiven. Ich hatte einfach Bilder im Kopf...
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Das Selbstkreieren eines Betriebsmittelpunkts habe ich irgendwann aufgegeben und bin schließlich über den Gleisplan von Gedern gestolpert - im Prinzip die Eierlegendewollmilchsau des platzbegrenzten Modellbahners. Dazu wurden so viele ländliche Betriebsstellen erfunden, wie sich unter Beibehaltung der Weitläufigkeit unterbringen ließen. Das Betriebskonzept entstand erst im Nachgang. Da es aber einen historischen Kern gab, ging es auf. Einzig der Wunsch nach mehr Flexibilität bei den Wagenreihungen, realen Beladungszuständen und noch mehr Abwechslung durch weitere Betriebsstellen, wird in naher Zukunft zu einer Erweiterung meiner Anlage führen.
Gruss, iwii
#6 RE: Von der Verkehrsaufgabe zur Anlagenplanung
Hmmmmm
also ich weiß nicht so recht, ob bei diesem Ansatz wirklich eine grundlegend neue Anlage herauskommt. So, wie wir das Hobby angehen, sind ja Thema und Transportaufgabe inherent miteinander verknüpft.
Spannend könnte das allerdings werden, wenn man so herum die Themenwahl angeht.
Otto hat halt gesagt, er will Harz, und daraus haben sich Steine, Holz und Erz ergeben.
Wenn man zuerst sagt, daß man eine Kohlenbahn haben will, kann man danach im Ruhrgebiet, bei der Graz-Köflacher Bahn oder der Sächsischen Kohlenbahn landen.
Möglicherweise habe ich das ja tatsächlich so gemacht?
Ich wollte von Anfang an, also zumindest seit 2018, eine Industriebahn mit Hafen.
Diese erfüllt die Verkehrsaufgaben "Anschluß der Betriebe an das überregionale Schienennetz" und "Anschluß der Betriebe an den Hafen". Die Verkehrsaufgabe "Personenverkehr" habe ich von Beginn an ausgeschlossen.
Die konkrete Verortung habe ich dabei tatsächlich zwischendurch geändert, von einer fiktiven Stadt in Holstein zum Südwesten Berlins. Dabei habe ich sowohl die bereits gebauten Anlagenteile als auch viele Wünsche für noch geplante Gleisanschließer genauso beibehalten, wie vor dem Wechsel, weil sich die gewünschten Verkehrsaufgaben ja eben nicht geändert hatten.
Gruß
Alex
Moin,
ich hänge das Thema einmal an einem Zitat aus Wikipedia auf:
Zitat
Nach Stachowiak lassen sich Modelle durch drei grundlegende Merkmale charakterisieren:[6]
Abbildungsmerkmal: Modelle sind Abbildungen natürlicher oder künstlicher Originale. Sie stellen ein bestimmtes Objekt oder System dar. Was und wie wird abgebildet?
Verkürzungsmerkmal: Modelle sind immer vereinfachte Darstellungen und erfassen nur die für einen bestimmten Zweck relevanten Eigenschaften oder Aspekte eines Originals. Wie verkürzt wird das Was abgebildet?
Pragmatismusmerkmal: Modelle erfüllen eine spezifische Funktion. Sie sind für bestimmte Zwecke, Benutzergruppen und Zeiträume entwickelt und auf diese begrenzt. Für wen, für welchen Zeitraum und für welchen Zweck wird das Was abgebildet?
https://de.wikipedia.org/wiki/Modell
Abbildungsmerkmal: Das ist sowohl bei Nachbau als auch bei Freelanceanlagen gegeben.
Verkürzungsmerkmal: Es geht um die relevanten Aspekte des Originals. Hier kommt mMn die Intention des Erbauers zum Tragen. Im Grunde reichen da auch ein paar Gleise um z.B. Transport zu zeigen. Anderen, wie mir z.B. ist auch der Aspekt der Abbildung einer historischen Szenerie wichtig. Theoretisch könnte man hierbei auch experimentelle Archäologie z.B. unter der Frage, wie wurden Abläufe in Bahnhöfen durchgeführt, verstehen.
Pragmatismusmerkmal: Das ist mMn auch ein wichtiger Punkt. Für wen baue ich ? Für mich, Bedienergruppen oder evtl. auch für Zuschauer ?
So ist die von Otto proklamierten Ansprüche an eine gute Anlage, wie
Zitat
- Identität
- Aufgabe/Funktion
- Betriebliche Konzeption
- Realismus/Glaubwürdigkeit
- Atmosphäre
Quelle: Blaues Buch 2, S. 108
unter den oben genannten Aspekten nur eine Möglichkeit, Modelle zu verstehen. Es gibt noch ganz andere Möglichkeiten, eine Modellbahn zu kreieren. Im Extremfall können das Blechgleise im Oval sein. Auch hier gibt es eine "Transportaufgabe". Warum braucht es diese Kriterien, um eine "gute Anlage" zu bewerten ? Das ist eine persönliche (und ehrenwerte) Einstellung. Mir geht es ähnlich. Auch ich lege ähnliche Maßstäbe an, was für mich interessant ist. Aber brauche ich Gebäude und Landschaft für Transportaufgaben ? MMn nicht zwingend. Im Gegenteil, befreit von dem "Drumrum" und unter Einsatz von Phantasie kann ich doch viel einfacher immer neue Situationen schaffen. Der Extremfall ist der Teppichbahner. Sind das schlechte Anlagen ? Ich denke nein, sie stehen unter einem anderen Aspekt. Ist nicht die Freude am eigenen Tun das Entscheidende ? Sich hierüber Klarheit zu verschaffen, ist aus meiner Sicht wichtig.
Ich möchte mir nichts vormachen. Für mich sind die von Otto genannten Aspekte ebenfalls wichtig. Nicht weniger wichtig ist mir die Faszination an der Recherche, dem Lernen, der Erweiterung meiner Fähigkeiten, der Planung unter gegebenen Randbedingungen, dem Spiel, der Bestätigung bei der Umsetzung und der Freude, ein Modell zu pflegen oder schlicht in der Hand halten zu können usw.
Und sollte ich irgendwann einmal Enkel haben, werde ich mich voller Freude mit Ihnen auf dem Boden herumwälzen und auf dem Teppich Eisenbahn spielen.
Es gibt auf der Modellbahn, wenn ich es enger betrache, keine Transportaufgaben, sondern die Simulation ebendieser. Es ist ein klassisches Spiel, wie es Huizinga beschreibt:
Zitat
Ein alter Definitionsversuch für Spiel stammt von dem niederländischen Kulturanthropologen Johan Huizinga, der in seinem Hauptwerk Homo ludens schrieb:
„Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Spiel
Herz, was willst Du mehr ?
Viele Grüße
Jürgen
Zitat von Fischkopp im Beitrag #6
also ich weiß nicht so recht, ob bei diesem Ansatz wirklich eine grundlegend neue Anlage herauskommt.
Woher sollst du das auch wissen? Ich habe hier noch nichts zu meiner Anlage geschrieben.
Ist-Zustand:
Mit Erweiterung:
blau = Schattenbahnhof, schwarz = sichtbare Bühne, rot = Fiddle-Yard
Die einzelnen Güteranschlüsse habe ich zur Vereinfachung weggelassen. Auch wenn sich der Gleisplan vom Vorbild und der historischen Funktion einzelner Betriebsstellen entfernt, wird sich der Betriebsablauf an die betriebliche Hochzeit des Vorbilds eher annähern. Zwischen dieser und der dargestellten Epoche liegen rund 30 Jahre. Das ist ein unglücklicher geschichtlicher Umstand, aber als Modellbahner erlaube ich mir die Freiheit, das Beste zweier Epochen zu verbinden und einige Dinge bewusst nicht darzustellen. Am Ende muss das Gesamterlebnis stimmen, an dem man dann mit mehreren Freunden aktiv teilnehmen kann.
Gruss, iwii
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