Zugsicherung auf eingleisigen Strecken mit Stabverfahren

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13.08.2026 18:40
#26 RE: Stabverfahren bei der Ilmebahn
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Zitat von OOK im Beitrag #1
Ich möchte euch gerne zu einer Forschungsreise einladen, in der wir gemeinsam versuchen, möglichst viel Informationen über das Verfahren und speziell seine Anwendung in Deutschland zusammentragen und parallel darüber nachdenken, wie man das im Modell durchführen könnte.


Hallo Otto,

auch wenn mittlerweile Beispiele aus Deutschland (überwiegend im BOStrab-Bereich) aufgetaucht sind, so ist dieses Verfahren dennoch in der deutschen betrieblichen/technischen Praxis so dermaßen unüblich (und letztlich auch hinterm Mond), so dass ich da keine Gedanken verschwenden würde.
Sonderlösungen wie die Schlüsselübergabe in Bad Windsheim oder früher der Zwönitztalbahn in Einsiedel blende ich mal aus. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem Token-Verfahren haben sie allerdings.

Zudem ist Zugleitbetrieb beim Vorbild und ganz besonders im Personenverkehr ohne technischen Gegen- und Folgefahrschutz nicht mehr genehmigungsfähig (aufgrund diverser Unfälle). Wegen der Belastung des Zugleiters ist bei oberhalb Stundentakt ohnehin Feierabend mit Zugleitbetrieb. Soweit zum großen Vorbild (NE und EdB nach EBO)

Mit der Langeweile muss der Zugleiter ohnehin leben. Für modellbahnerische Zwecke könnte ich mir vorstellen, dass eins der Zugpersonale den Job des ZL übernimmt. Es bekommt dann zusätzlich die Unterlagen mit. Ich meine, dass sowas auch schon praktiziert wurde.
Eine betriebliche Lösung wäre ggf. auch keine Kreuzungen stattfinden zu lassen und bestimmte Streckenabschnitte nur im Einzugbetrieb ohne Übergang in andere Abschnitte vorzusehen (wenn ZL nicht besetzt). So das denn aufgrund der Topologie/des Gleisplans möglich/sinnvoll ist. Spezielle Fahrpläne für solche Szenarios wären vielleicht auch überlegenswert, aber muss dann auch mit der Infrastruktur machbar sein.

Schöne Grüße
Jan

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13.08.2026 18:53
#27 RE: Stabverfahren bei der Ilmebahn
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Zitat von hwunderlich im Beitrag #13
der Signatur nach handelt es sich auch hier NICHT um eine Eisenbahn im rechtlichen Sinn.

Richtig, das ist eine Bahn nach BOStrab und da wird im Regelfall auf Sicht gefahren, außer man fährt mit Zugsicherung (oberhalb 70km/h und/oder im Tunnel). Jetzt ganz stark vereinfacht.

Schöne Grüße
Jan

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13.08.2026 19:41
#28 RE: Stabverfahren bei der Ilmebahn
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Zu Beginn dieser Diskussion wollte Otto doch dem Modellbahner ein einfaches Verfahren anbieten. Vielleicht sollten wir zu dieser Idee nochmal zurück kommen.

Beispiel Gartenbahnbetrieb mit zwei Personen, die sich aufgrund der Topografie nicht immer sehen können und auch ohne Fahrplan ihren Zug durchbringen wollen. Ist die Strecke frei oder steht der Andere gleich mit seinem Zug frontal vor mir? Da wäre doch ein Token, den ich mir vom Haken nehmen kann, gar nicht so schlecht

meint
Thomas


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14.08.2026 13:05 (zuletzt bearbeitet: 14.08.2026 16:56)
#29 RE: Stabverfahren bei der Ilmebahn
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Es gab mal den Satz "my railroad, my rules".

Ich finde, dass man als Modelleisenbahner auch ein Stück weit kreativ sein darf. Wenn man für sich dann das Stabverfahren einführt, vielleicht im Vorgriff zu vorbildgerechteren Verfahren, empfinde ich daran nichts anstößiges.

Denn das Verfahren sorgt ja für die Einhaltung eines der zentralen Sicherheitsmechanismen, nämlich das Fahren im Raumabstand mit Gegenfahrschutz (edit). Und damit sind wir wieder bei Vorbildtreue.

Noch eine offtopic Anmerkung zum Token: die token sind nicht nur eine nette Erinnerung sondern sind tatsächlich das physikalische Hin- und Herfahren des Erlaubniswechsels. Bei den späteren token Apparaten waren die section signals, die am anderen Ende der single line hinein weisen, elektrisch verschlossen, bis der Token wieder zurück kam.

Gruß Matthias


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14.08.2026 23:53
#30 Rollenverteilung
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Zitat von Bonsaibahner im Beitrag #28
Zu Beginn dieser Diskussion wollte Otto doch dem Modellbahner ein einfaches Verfahren anbieten. Vielleicht sollten wir zu dieser Idee nochmal zurück kommen.

Beispiel Gartenbahnbetrieb mit zwei Personen, die sich aufgrund der Topografie nicht immer sehen können und auch ohne Fahrplan ihren Zug durchbringen wollen. Ist die Strecke frei oder steht der Andere gleich mit seinem Zug frontal vor mir? Da wäre doch ein Token, den ich mir vom Haken nehmen kann, gar nicht so schlecht.


Hallo Thomas,

unter der Voraussetzung der Betriebsform Zugleitbetrieb (egal ob Ril 436/437 oder FV-NE) ist aus meiner Sicht die Aufgabe wie mit unbesetztem Zugleiterarbeitsplatz (bzw. zu wenig Betriebspersonal) umzugehen ist.

Vorschläge bis jetzt grob zusammengefasst
1. Ein Zugpersonal übernimmt zusätzlich die Rolle des Zugleiters oder auch des Zentral-Fdl (außerhalb ZLB)
2. Fahrplan so gestalten, dass je Streckenabschnitt Einzugbetrieb herrscht/eingeführt wird/keine Zugkreuzungen bzw. Überholungen stattfinden und somit eine Erteilung von Fahrerlaubnissen durch den Zugleiter nicht mehr nötig ist.
3. Zwei Zugpersonale schlüpfen zu Beginn einer Fahrt in die Rolle eines Bf-Fdl und vereinbaren bis zu welcher Betriebsstelle eine Fahrerlaubnis gilt

Bei 1. und 3. wäre eine Merkhilfe für die Zugpersonale nicht schlecht.

Auf den SZB-Strecken der DB gibt es dafür diese Lösung (hier am Beispiel Schaftlach - Lenggries)

SZB-„Besteck“

Die Erlaubniskarte links unten ist eine Merkhilfe, die nach dem Gespräch zwischen Tf und ZL passend aufgeklappt wird. Mit der Infrarotpistole wird die Signalanforderung der vereinfachten Stellwerke (hier SchuB vB, auf anderen Strecken Sig L90) oder BÜ bedient. Manche Fahrzeuge haben/hatten den fest eingebaut.

Jetzt zum Thema Gartenbahn.
Im Garten kann man mit PMR-Funkgeräten sowas wie Zugfunk machen (praktizieren die LGB-Freunde Ith auf ihrer Anlage in Eschershausen). Es gibt auch Apps mit WalkieTalkie-Funktion fürs Smartphone.

Aber schauen wir doch mal auf typische Vorbilder einer Gartenbahn.

1. Schweiz mit RhB, MGB/FO/BVZ
2. HSB
3. Sachsen

Viele Schweizer Schmalspurvorbilder haben eine vollbahnähnliche Signalisierung mit meist unbesetzten/ferngesteuerten Stellwerken und einer Art Betriebszentrale mit Zentral-Fdl.
Vorbildnah wäre hier, ein Zentral-Fdl sitzt vor einem PC im Haus mit ESTWGJ oder Modellstellwerk im Domino67-Modus und auf der Anlage sind passende Signale aufgestellt. Kann ich den Arbeitsplatz nicht besetzten, würde ich ein Zugpersonal den Zentral-Fdl machen lassen, in dem ich ihm/ihr ein Tablett mit der Stellwerkssoftware, aushilfsweise der Z21- oder Railbox-App in die Hand drücke.

Die HSB ist zwar Zugleitbetrieb nach FV-NE, hat aber in den stark befahrenen Abschnitten ebenfalls zwei ESTW. Hier wäre es vorbildnah, einen Zugleiterarbeitsplatz mit PC und Modellstellwerk im ESTW-Modus zu haben. Die Lösung mit dem Tablett ist dann auch möglich.

Bei den Sachsen ist nicht viel Technik zu finden. Da müsste man auf eins der oberen Szenarien gehen.

Schöne Grüße
Jan

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18.08.2026 23:12
#31 Albtalbahn
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Zitat von Ferrovia im Beitrag #24
Zitat von Fischkopp im Beitrag #23
Güterverkehr gibt es ja bis heute auf der Strecke. Aber ob das jetzt damals nach EBO oder BOStrab konzessioniert war, kann ich auch nicht sagen...

Wir erkennen hier also auch die für die Albtalbahn typische Mischung aus Straßenbahn und Eisenbahn.


Im Prinzip nein.
Auf einer Infrastruktur können im Regelfall nicht gleichzeitig Verkehre nach verschiedenen Regelwerken (hier EBO oder BOStrab) stattfinden. Entweder oder, es gibt immer eine Grenze der Betriebsführung. Allerdings gibt es im Netz der AVG Streckenabschnitte, in denen zwar Betriebsführung nach EBO herrscht, aber die aufgrund von technischen Bedingungen nur von Stadtbahnfahrzeugen befahren werden können.

Schöne Grüße
Jan

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19.08.2026 18:58 (zuletzt bearbeitet: 19.08.2026 19:03)
#32 RE: Albtalbahn
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Hallo,

ich habe mir anlässlich der jüngsten Beiträge den ganzen Strang (der thematisch immer größere Kreise zieht ) noch einmal durchgelesen.

Ottos Ausgangsfrage war ja ob man das Stabverfahren des Vorbilds auf der Modellbahn benutzen kann um dem Einsteiger, der sich noch nicht mit ausgefeilter Sicherungstechnik oder vorbildähnlichen Zugmelde- und Zugleitverfahren beschäftigen möchte, ein "einfaches" Zugsicherungsverfahren anzubieten:

Zitat von OOK im Beitrag #1
Ich möchte hier mal ein neues Fass aufmachen.
Der Hintergrund ist der, dass ich darüber nachdenke, welches Sicherungssystem ich Betriebsanfängern anbieten kann, das leicht und mit geringem Aufwand zu installieren ist und kein zusätzliches Personal braucht.


Was ich aus den zusammengetragenen Infos entnehme:

- Das eigentliche Stabverfahren, das wir im Kopf haben, ist beim Vorbild immer Straßenbahnen oder straßenbahnähnlichen Betrieben vorbehalten gewesen.
- Das britische Token-System hat damit nichts zu tun, ihm ist immer ein Zugmeldeverfahren und ggf. ein Streckenblocksystem hinterlegt.
- Das vorbildmäßige Stabverfahren eignet sich nur für dicht befahrene Strecken mit regelmäßiger (vertakteter) Zugfolge und ist dem deutschen Eisenbahnwesen und seinen Sicherungsprinzipien fremd.
- Es gibt heute mancherorts Systeme bei denen ein "Token" benutzt wird das zum Befahren einer Strecke berechtigt - das dient aber i. d. R. nur dazu bei Einzugbetrieb sicherzustellen dass kein zweiter Zug auf die Strecke kommt, nicht um mehrere Zugfahrten auf einer Strecke zu koordinieren. Jürgen hatte die Ilmebahn zitiert, die VGH hat eine ähnliche Lösung.

Wenn man bereit ist sich von den Gegebenheiten des Vorbilds ganz zu lösen kann man das natürlich trotzdem machen: für jeden Streckenabschnitt der Anlage wird ein "Stab" hergestellt der im Normalfall an einer bestimmten Stelle aufgehängt oder abgelegt wird. Wer diesen Streckenabschnitt befahren möchte nimmt sich den Stab, und solange er ihn besitzt "gehört ihm die Strecke". Funktionieren würde das mit Sicherheit und man könnte auch Zugbegegnungen auf freier Strecke dadurch ausschließen.

Persönlich würde ich davon abraten: dies wäre eine "Modellbahnlösung" die zwar pragmatisch ist und funktioniert, aber der Betriebsneuling lernt dabei nicht wie die echte Eisenbahn ihren Betrieb organisiert. Daher wäre mein bevorzugter Weg eher ein vorbildnahes Verfahren so zu vereinfachen dass es einen niedrigschwelligen Einstieg erlaubt. Aber möglich wäre es.

Viele Grüße,
Sebastian


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22.08.2026 23:53
#33 Für und Wider das Stabverfahren
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Hallo Sebastian,

danke für deine Zusammenfassung!

Ich würde aber im Schlußwort nicht so weit gehen wie du.
Zwar beschäftigen wir uns hier mit dem Modell der Eisenbahn, aber so viele Kompromisse sind eh unungänglich.

Mit einer elektrischen Modelleisenbahn lernt ein Neuling auch nicht, wie eine Dampflokomotive funktioniert, dazu bräuchte er eine Echtdampflok.

Klar kann man eine Modellbahn mit Echtdampfloks und korrektem Zugleitbetrieb betreiben, wär sogar echt cool, aber eben keine Lösung für einen "niederschwelligen" Einstieg.

Eine elektrische Eisenbahn mit Stabverfahren ist dagegen recht schnell gemacht.
Mir gefällt Ottos ursprüngliche Prämisse daher recht gut.
Denn wenn man erstmal Blut geleckt hat, daß man einen Modellbahnbetrieb überhaupt sinnvoll organisieren kann, wird man sich auch bald mit anderen Methoden beschäftigen, da bin ich mir sicher.

Gruß
Alex


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23.08.2026 09:21
#34 RE: Für und Wider das Stabverfahren
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https://de.wikipedia.org/wiki/Zugleitbetrieb

Hallo, noch ein Hinweis zum Vorbild. Im Kapitel „Schlüsselgesteuert“ des vg. Wikis wird die Schlüsselübergabe einer Bayerischen Nebenbahn nach EBO in der Funktion eines Tokens beschrieben. Der Schlüssel ist dazu da, die Indusi-Magneten der fahrtberechtigten Strecke auszuschalten (parallel zum Zugleitbetrieb).

Gruß
Thomas


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