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Lokwechsel als Alternative zum Umsetzen
#1 Lokwechsel als Alternative zum Umsetzen
Hallo zusammen,
das Umsetzen ist das zentrale Thema bei Nebenbahnendbahnhöfen. Es hat viele von uns geprägt. Bei Hauptbahnhöfen, die als Kopfbahnhof ausgeführt sind, gab es früher eine Betriebsform, die fast in Vergessenheit geraten ist: Der Lokwechsel.
Alle Bahnhofsgleise enden stumpf am Kopfbahnsteig und die Züge fahren möglichst nahe an den Prellbock heran. Dann kommt die neue Lok aus dem Depot ans andere Zugende. Wenn der Zug abgefahren ist, folgt die Lok vom Prellbock dem Zug bis zum Signal und wartet auf seine Rangierfahrstraße. Dann gehts ins Depot oder ein Abstellgleis, von wo aus der nächste Zug bespannt werden kann.
Das konnte ich mir in Zürich und München früher stundenlang ansehen, so dass es mich ebenso geprägt hat, wie das Umsetzen.
Auch wenn Kopfbahnhöfe auf der Modellbahn erheblich kleiner ausfallen müssen, ist diese Betriebsform eine Überlegung wert. Man spart die Umsetzweichen und braucht kein freies Umsetzgleis. Und man braucht doppelt so viele Loks! Ich bewundere die Disziplin der Nebenbahner, die sich auf wenige Triebfahrzeuge beschränken. Die meisten die ich kenne, haben unendlich viele Loks und wissen sie nicht zu nutzen. Denen kann mit dieser Betriebsform geholfen werden oder wie seht ihr das?
Gruß Thomas
Um das m.E. Selbstverständliche mal hinzuschreiben: Ein Lokwechsel von Streckenloks - was du beschreibst - ist nur dann sinnvoll, wenn der Kopfbahnhof Zwischenbahnhof ist, also der Zug weiterfährt, also mindestens zwei Strecken im Bahnhof (oder in kleinerer Entfernung davon) zusammenlaufen. Außerdem muss der Bahnhof ein Bw haben, weil ihm immer wieder Loks übrigbleiben und er welche stellen muss.
Und der Verkehr muss so stark sein, dass sich das alles rentiert - Loks und Bws sind teuer, ein Umfahrgleis nicht so sehr.
Ich denke, das schränkt die Vorbilder schon ein - kenn mich aber in Deutschland nicht so aus ... welche nicht allzugroßen, modellbahntauglichen Bahnhöfe gab's da, die man sich mehr oder weniger als Vorbild nehmen könnte?
Als Randfall gibt's natürlich das Abziehen einer Garnitur durch eine Rangierlok; auch da muss es eine gewisse Mindestgröße geben - m.E. eine eigene Abstellanlage mit "gewisser Größe", und wohl auch wieder ein Bw, zumindest in erreichbarer Nähe.
Als Umfeld- und Gleisanlagen-Planungsaufgabe "Free-lancing eines Bf mit Lokwechsel statt -umfahren" wär das ne Herausforderung ...
.
H.M.
#3 RE: Lokwechsel als Alternative zum Umsetzen
Zitat von hmmueller im Beitrag #2
Um das m.E. Selbstverständliche mal hinzuschreiben: Ein Lokwechsel von Streckenloks - was du beschreibst - ist nur dann sinnvoll, wenn der Kopfbahnhof Zwischenbahnhof ist, also der Zug weiterfährt, also mindestens zwei Strecken im Bahnhof (oder in kleinerer Entfernung davon) zusammenlaufen. Außerdem muss der Bahnhof ein Bw haben, weil ihm immer wieder Loks übrigbleiben und er welche stellen muss.
Hallo!
Den Lokwechsel, also Zug kommt an und fährt mit einer anderen Lok weiter/zurück, gibt es aber nicht nur wenn der Kopfbahnhof Zwischenbahnhof ist. Das kann auch beim Wenden eines Zuges auf die Rückleistung geschehen.
Kopfbahnhöfe werden in der Modellbahnpresse gerne so besungen dass bei angekommenen Zügen die Garnitur von einer Rangierlok (oder der Zuglok selber) in die Abstellung gebracht wird. Aber Züge können auch am Bahnsteig stehenbleiben bis die Rückleistung beginnt. Das ist heute bei Triebwagen und Wendezügen selbstverständlich, war aber früher auch bei klassischen lokbespannten Zügen nicht selten.
Konkret erinnere ich das aus Hamburg-Altona in den 90ern. Die Eilzüge aus Westerland (mit 218) und Bremen (mit 110) kamen am Bahnsteig an, Lok hängte ab und zog ein Stück vor. Dann kam eine neue Lok für die Rückleistung an die Zugspitze und nach der Wendezeit (ich meine das waren so 25-30 Minuten) fuhr der Zug ab. Die "alte" Zuglok (deren Lokführer am Prellbock planmäßig Pause hatte und z. B. in die Kantine ging) fuhr dann ins Bw Altona (bzw. dessen Überbleibsel) und wartete bis sie die nächste Leistung übernehmen konnte.
Zu den denkbaren Alternativen: Umsetzen war nicht da Altona keine entsprechenden Gleisverbindungen an den Bahnsteigen hatte. Und in die Abstellgruppe ist man auch nicht gefahren, die war in Langenfelde (mehrere Kilometer entfernt). Also kurze Bahnsteigwende.
Zitat von hmmueller im Beitrag #2
Und der Verkehr muss so stark sein, dass sich das alles rentiert - Loks und Bws sind teuer, ein Umfahrgleis nicht so sehr.
Dazu eine Gegenposition von mir: mit dem Umfahrgleis ist das nicht getan. Wenn zur Dampflokzeit eine Dampflok eine längere Leistung gefahren hatte (sagen wir: Hamburg - Westerland 243 km), dann waren schnelle Wenden auf die nächste Leistung sowieso nicht drin. Man musste halt ins Bw, Entschlacken, Bekohlen, Sand, Wasser - das dauert bei einer großen Dampflok, selbst wenn sie im Bw sofort dran kommt, mindestens 20 Minuten, eher länger. Die Reisezuggarnitur dagegen ist sofort wieder verwendbar, braucht aber eine andere Lok. Auch deswegen hatte man ja zur Dampfzeit erheblich mehr Loks als später.
Ich wage die These (ohne sie belegen zu können): zur Dampfzeit dürfte der Lokwechsel am Bahnsteig noch häufiger gewesen sein.
Grüße,
Sebastian
Thomas
schwebte ja eher so ein Betrieb in einem Nebenbahn-Endbahnhof vor.
Bis mir da konkrete Beispiele einfallen, ist das Ähnlichste noch der Kehrgleisbetrieb bei der Berliner S-Bahn zu Dampfzeiten.
Ich kann mir eine solche Betriebsweise noch am Ehesten bei einer elektrischen Kleinbahn vorstellen, die sich selbst eher als Straßenbahn versteht. Dort ist man dem Rangieren nicht so zugeneigt, doch ein zusätzliches, elektrisches Triebfahrzeug frisst beim Warten auf den nächsten Zug keinen Hafer, im Gegensatz zu einer Dampflok, die immer warm gehalten werden muss und jede Stunde Wartezeit Geld kostet.
Gruß
Alex
Dann will ich auch mal in meinem Nähkästchen kramen.
1. Als Zwölf- und Dreizehnjähriger fuhr ich wiederholte Male von Osterode (Harz) nach Gifhorn zu meinen Großeltern. Erstes Umsteigen in Seesen in einen Eilzug (Zuschlag 50 Pfg.). Zweites Umsteigen in Braunschweig Hbf. Das war noch der alte Kopfbahnhof mit Halle ohne Dach (zerbombt). Aufenthalt ca. 30min. In dieser Zeit kam immer irgendein D-Zug an, der hier Kopf machte und dann weiter fuhr. Ankommende Zuglok 03. Die wurde abgekuppelt verblieb aber am Zug. Vorne setzte sich die neue Lok an den Zug, auch 03 oder 01, konnte ich auf die Entfernung nicht erkennen.
Dann gings los: Vorne Pfiff, hinten Pfiff, wieder vorne Pfiff, dann fuhren beiden Loks an und gingen so bald wie möglich auf Volldampf. Noch im für mich vom Querbahnsteig aus sichtbaren Bereich blieb die nachschiebende Lok stehen, der D-Zug donnerte weiter und verschwand recht schnell. Ein herrliches prägendes Erlebnis.
2. Als Fünfzehnjähriger war ich Fahrschüler, Osterode (Harz) war inzwischen nicht mehr Wohnort - das war jetzt Bad Lauterberg - sondern Schulort. Umsteigen in Scharzfeld und in Herzberg (Harz). Der Bahnhof war zweigeteilt. Die Strecke Walkenried - Northeim lief an Gl. 1 und 2 durch, die Strecke nach Osterode und Seesen endete stumpf in einem separaten Bereich mit Drehscheibe am Ende. Ob die ankommenden Zugloks (meist 64 oder 86) wirklich gedreht wurden, erinnere ich nicht, auf jeden Fall fuhren sie durchs Umfahrgleis direkt ins Bw, das vom Bahnsteig aus zu sehen war. Der Zug nach Seesen bekam eine neue Lok.
3. Die frühesten Erlebnisse waren als Sechs- und Siebenjähriger in Steinbach (heute Bad Liebenstein) in Thüringen. Die Geschichte habe ich aber in meinen Büchern oft genug erzählt: Direktes Wenden, Lok setzt um und fährt mit dem Zug nach kurzer Zeit zurück nach Immelborn an der Strecke Eisenach - Meiningen. Das war lange bevor ich den Ausdruck point-to-point kennenlernte, aber verstanden hatte ich das da schon.
Diese Strecke war die kürzeste der drei erwähnten, da konnten auch die Tenderlos mindestens einmal hin und herfahren bevor sie wieder aufrüsten mussten. In Steinbach ging das eh nicht.
Provisorisches Fazit: Man kann es auf der Modellbahn so oder so oder so machen.
Gruß
Otto
#6 RE: Lokwechsel als Alternative zum Umsetzen
Danke für die Rückmeldungen.
Diese Betriebsweise gab es übrigens auch an Bahnhöfen, die nicht Kopfbahnhof waren. Nämlich da, wo der Zug eine betriebliche Spitzkehre hatte. So gab es früher Züge von Warburg nach Dortmund, die in Schwerte eine neue (Diesel-) Lok am anderen Ende bekamen. Dafür gab es ein eigenes Stumpfgleis zwischen den beiden Strecken. Das ging einfach schneller.
Erinnert sich
Thomas
Hallo Thomas,
das wüsste ich doch gern genauer. Kannst du einen Gleisplan zeigen oder verlinken?
Gruß
Otto
#8 RE: Lokwechsel als Alternative zum Umsetzen
http://www.bahnen-wuppertal.de/html/bw-schwerte.html
Hallo Otto,
Oben der Link zu einer Seite mit dem Gleisplan von Schwerte. Es war wohl das Gleis 302 im Ostkopf. Heute stehen da nur noch Büsche…
Gruß
Thomas
Vielleicht noch eine Ergänzung von mir zu dem Thema:
Ich habe in 2019 auf meiner (Foto)Reise durch Tschechien auch erlebt, dass im Bahnhof Frýdek-Místek
aufgrund von Bauarbeiten auf dem Streckenabschnitt Frýdek-Místek <-> Frýdlant nad Ostravicí die Schnellzüge außerplanmäßig in Frýdek-Místek endeten. Aufgrund der sehr kurzen Wendezeit (planmäßig hätte dort eine Zugkreuzung stattgefunden), fand direkt im Bahnhof ein Lokwechsel statt.
Der Zug kam an, die zweite Lok wartete auf einem Stumpfgleis in der Bahnhofseinfahrt. Während des Fahrgastwechsels setzte die zweite Lok ans Zugende und fuhr wenige Minuten später mit dem Zug wieder ab. Die Lok, mit welcher der Zug gekommen war setze in das leer gewordene Stumpfgleis zurück und wartete auf den nächsten Zug.
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