Schlüsselsperren bei der OHE

22.07.2026 17:45 (zuletzt bearbeitet: 22.07.2026 19:20)
#1 Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo Modellbahner!

Hier mal etwas um das Sommerloch zu füllen.

Von Weichenschlössern und -schlüsseln war hier schon viel die Rede und auch im ADJ wurde darüber berichtet, oft im Zusammenhang mit Ausweichanschlussstellen. Meistens läuft es dort so dass der Zug oder die Sperrfahrt den Schlüssel mitbringt der benötigt wird um Weichen oder Gleissperren aufzuschließen. Dank der Outbus-Schlösser ist das heute auch im Modell leicht umsetzbar.

Aber: in dieser "Reinform" kommt das nur in bestimmten Vorbildsituationen vor, in erster Linie wenn die Ausweichanschlussstelle an einer Strecke mit Zugleitbetrieb liegt. Befindet sich die Awanst aber an einer Strecke mit Zugmeldebetrieb und "richtigen Stellwerken" und Streckenblock wird die Sache etwas komplizierter. Hier reicht es nicht dass jemand mit dem Schlüssel "einfach so" aufsperren kann, vielmehr wird eine zusätzliche technische Abhängigkeit zum Stellwerk gebaut. Jüngst stolperte ich in meiner Sammlung über meine Bilder einer Fototour die genau das zeigen, und vielleicht kann jemand das als Anregung fürs Modell gebrauchen.

Der Tatort ist die Awanst. Barilla an der OHE-Strecke Celle - Soltau, wenige hundert Meter vom Bahnhof Celle Vorstadt. Dieser Anschluss wurde 1966 eingerichtet und hieß jahrzehntelang "Awanst. WASA" (genau, die Leute mit dem Knäckebrot, mittlerweile vom Barilla-Konzern übernommen). Der Anschluss wird auch heute noch regelmäßig mit Sperrfahrten der DB Cargo von Celle-Vorstadt aus bedient.

Die Strecke wird vom OHE-Zentralfahrdienstleiter in Celle-Nord ferngesteuert, mit Streckenblock und allem Drum und Dran. Aber am Barilla-Anschluss gibt es nur verschlossene, ortsgestellte Weichen und Gleissperren, nix mit Fernsteuerung. Trotzdem muss eine Abhängigkeit zum Stellwerk hergestellt werden.



Rechts das Streckengleis, links der Anschluss. Der Lokrangierführer hat bereits die Gleissperre aufgeschlossen und dort den Schlüssel entnommen (Folgeabhängigkeit) um nun die Weiche aufzuschließen.


Dann geht es geschoben in den Anschluss.

Aber was passierte vorher? Des Rätsels Lösung verbirgt sich in diesem unscheinbaren Häuschen:



Schauen wir uns das näher an:

Links der Streckenfernsprecher, rechts u. a. zwei elektrische Schlüsselsperren.

Noch näher:

Was ist geschehen? Der Lrf hat seinen Zugführerschlüssel mitgebracht und in die untere Schlüsselsperre gesteckt. Nachdem er das getan hat konnte der Zentralfahrdienstleiter die obere Schlüsselsperre freigeben. Daraus konnte der Schlüssel für die Gleissperre entnommen werden mit dem dann zuerst die Gleissperre und später - folgeabhängig - die Weiche aufgeschlossen werden konnten. Der Zugführerschlüssel bleibt währenddessen in der Schlüsselsperre gefangen.
Was die bunten Taster und Leuchtmelder in diesem Beispiel machen weiß ich leider nicht (die Beschriftung war auch ziemlich abgerubbelt). Ich glaube aber das sind "Anforderungstasten" usw. mit denen die Schlüsselfreigabe angefordert werden kann.


Also: wer diese Anwanst bedienen möchte muss a) einen Zugführerschlüssel mitbringen und einstecken damit dann b) vom Stellwerk der eigentliche Schlüssel für die Awanst. freigegeben werden kann.

Wie funktioniert eine elektrische Schlüsselsperre? Das ist ein Gehäuse in das ein Schloss eingebaut ist, zusätzlich sitzen in der Front ein Taster und ein Leuchtmelder. In Grundstellung steckt der Schlüssel drin und kann auch nicht freigeschlossen werden da er von einem federbelasteten Elektromagneten festgehalten wird. Sobald das Stellwerk die Schlüsselsperre freigibt leuchtet der Leuchtmelder. Nun kann man die Taste drücken und gedrückt halten, "klack" zieht der Elektromagnet an und gibt den Schlüssel frei.

In vereinfachter Form ist das auch schon im Modell gebaut worden: auf meiner Anlage gibt es zwei so gesicherte Awansten (Outbus-Schloss + 12V-Hubmagnet von Conrad). Und auch @Ferrovia hat so etwas in Bad Bärenalb realisiert.

Viele Grüße,
Sebastian


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24.07.2026 07:58 (zuletzt bearbeitet: 24.07.2026 09:35)
#2 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo Sebastian,

ich habe mit allen Nb-Stellen auf der Fernsteuerstrecke rangiert. Daher ermächtige ich mich mal, meinen Senf dazuzugeben.

Zunächst zu den Tasten und Leuchtmeldern, von rechts nach links: LM weiß "Stromversorgung", schwarze Taste "Rangieranforderung (Ranf)", grüne Taste "Fertigtaste" (Fgt), Schloss für Schlüssel "Notfreigabe" (Nf), LM rot "Notfreigabe".

Am Zugführerschlüsselbund befinden sich diverse Schlüssel, unter anderem für die Anforderung der Nahbedienungen (Nb).

Der Zf öffnet die Betriebsstelle mit dem passenden Schlüssel. Er prüft nun ob der LM Stromversorgung leuchtet. Sollte er das nicht, muss er den Zfdl anrufen. Die Anlage kann dann nicht bedient werden.

Dann steckt er den speziellen Zugführerschlüssel (Zfsl), eigentlich ein Weichenschlüssel, in die untere Schlüsselsperre und dreht ihn um. Danach drückt er die Ranf. Erst jetzt kann der Zfsl nicht mehr entnommen werden, der blaue LM an der Ssp erlischt. Der Zfdl auf Cnf bekommt nun eine Meldung auf der Stellwand und gibt die Nb raus.

Jetzt leuchtet der LM an der oberen Ssp auf. Durch drücken und halten des Tasters wird der Schlüssel für die Gsp entnommen.

Nach Beendigung der Arbeiten wird der Schlüssel für die Gsp wieder in die Ssp gesteckt und umgedreht. Danach wird die Fgt gedrückt. Die obere Ssp wird gesperrt und die untere Ssp wird freigegeben. Der Zfsl wird entnommen und die Betriebsstelle wieder verschlossen.

Wofür ist der Schlüssel Nf?

Sollte der Zfdl die Nb nicht freigeben können, weist er den Zf fernmündlich an, die Nb mit dem Schlüssel Nf (am Schlüsselbund) sofort freizugeben. Dann leuchtet der rote LM Notfreigabe auf und der Ablauf kann wie oben durchgeführt werden.

Interessant ist, dass über dieses Verfahren auch Gleissperren auf den Bahnhöfen (z.B. Scheuen und Wardböhmen) freigegeben werden. Fordert man die Nb auf den Bahnhöfen (außer Bergen, Beckedorf und Soltau, alles Sonderfälle) an, werden sämtliche Weichen zu elektrisch ortsgestellten Weichen und können über Nb-Stellen an den Weichen vom Zugpersonal selbst gestellt werden.


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30.07.2026 23:19
#3 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Danke an Euch beide für Bildbericht und Erklärung. Das ist sehr erhellend.

Ich habe mir tatsächlich die einfache Variante umgesetzt.



Es gibt die Leuchte für die Rangierfreigabe. Diese muss bei mir (angenommenermaßen) vom Zugleiter mündlich angefordert werden. Leuchtet die Leuchte, lässt sich mit dem Taster ein Hubmagnet betätigen und sich der Zugführerschlüssel umdrehen. Nun sind die entsprechenden Weichen stellbar, sowohl die mechanischen als auch die elektrischen. Sobald eine der Handweichen gelegt ist, lässt sich der Zugführerschlüssel nicht mehr zurückdrehen. Das geht erst, wenn alle Weichen in Grundstellung sind.

Die von @Pfeiftafel beschriebene Realisierung bei der OHE klingt auch für die Albtalbahn plausibel. Vielleicht baue ich das entsprechend um. Dann müsste allerdings ein Weichenmotor statt eines Hubmagneten ran.

Beste Grüße
Lars


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11.08.2026 23:29
#4 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo ihr drei,

erstmal eine ganz große -Tafel für eure Ausführungen!
Ich fabuliere ja nun auch schon seit Langem von solch einem System auf meiner Anlage,
daher ist das äußerst hilfreich für mich.

Beim guten, alten OHE-Filmer Jens sehe ich gerade an dieser Stelle eine ganze Batterie von Leuchtmeldern, Knöpfen und Schlössern auf dem Bahnsteig stehen. Eines davon dient offensichtlich der Betätigung des Bahnübergangs, aber was machen die anderen wohl? Wisst ihr da mehr als ich?

Schönes Sommerloch noch,

Gruß
Alex


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12.08.2026 08:06 (zuletzt bearbeitet: 12.08.2026 19:55)
#5 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo Alex,

das sind alles BÜ-Sicherungen. In Amelinghausen-Sottorf gibt es in beiden Richtungen Bahnübergänge (siehe auch hier: https://www.kdtroeger.de/ohe20453a.jpg)

An den beiden mittleren Kästen erkennt man auch die Beschriftungen:

"AT1": Ausschalttaste für einen der BÜ
"WT": Wirksamkeitstaste, um einen in Grundstellung unscharfen Einschaltkontakt wirksam zu schalten

Die anderen beiden Kästen werden Einschalttasten sein. Hat mit Weichen, Schlüsselsperren & Co. nichts zu tun.

Grüße,
Sebastian

P.S.: In dem Video sieht man bei 5:34 eine der hier gerne erwähnten Trapeztafeln mit Lichtrufsignal. Eventuell diente einer der Kästen der Betätigung dieser Rufsignale. Konkret habe ich den ganz linken Kasten mit zwei Schlüsseltastern und zwei Überwachungslampen in Verdacht.


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24.08.2026 12:17
#6 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Weiß jemand von Euch, wie das stellwerksseitig mit der Rangierfreigabe aussieht? Das würde mich ja auch interessieren und darüber habe ich noch nichts so recht gefunden.

Beste Grüße
Lars


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24.08.2026 16:29
#7 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Gesichert weiß ich es nicht. Von der technischen Umsetzung sowie bei Betrachtung des Produktdesigns tippe ich darauf, daß eine fernbedienbare Schlüsselsperre erst ab den Relaistellwerken einfach umsetzbar ist.
Wir haben bei uns im Werk eine kleine EOW Anlage in die auch 5 Schlüsselsperren integriert sind. Kürzlich habe ich mir dazu die Planunterlagen angeschaut und festgestellt, daß auch für diese Technik Tabellen analog eines Verschlussregisters erstellt und plangeprüft werden.
Zu Deiner Frage in der EOW Technik werden bei Entnahme eines Schlüssels aus der Schlüsselsperre einzelne Weichen oder ganze Rangierstraßen elektrisch gesperrt. Wir reden hier aber von Ortstellbereichen ohne Zugfahrten. Ob in einem FDL Stellwerk der FDL mitwirkt kann uns sicher unser Foren-FDL StephanB sagen.

Gruß Kai-Nils

Die Kunst eine Lokomotive zu führen kann nur durch jahrelanges Studium, geduldiges Üben und Erfahrung erworben werden.
(The Australian Locomotive Enginedriver's Guide)

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24.08.2026 17:10
#8 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Schuur ihr Jonge,

bei der HLB in Butzbach wird der Streckenschlüssel vom Zugleiter "blockelektrisch" frei gegeben. Dann kann der Rangierleiter das Verschlussregister aufschliessen und die Weichenschlüssel entnehmen. Solange der Streckenschölüssel entnommen ist, leuchtet am Arbeitsplatz eine rote "Erinnerungslampe". Diese dient als Hinweis darauf, das er keine Zugfahrten nach Butzbach-Ost zulassen darf: Rot auf rot ist tot.

Im Bahnhof Butzbach DB gibt es eine in das Stellwerk integrierte Schlüsselsperre. Hier ist es nach Schlüsselentnahme nicht mehr möglich, Zugfahrten in und aus Gleis 4 signaltechnisch gesichert zuzulassen.

Grüße vom Exilsiegerländer aus Butzbach in der Wetterau

Hartmut

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24.08.2026 17:17
#9 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Für's SpDrS60 siehe Anhang - wenn das die Frage war ...

H.M.

Dateianhänge
  • SpDrS60 - Schlüsselsperren.pdf

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24.08.2026 17:55 (zuletzt bearbeitet: 24.08.2026 18:21)
#10 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Zitat von Ferrovia im Beitrag #6
Weiß jemand von Euch, wie das stellwerksseitig mit der Rangierfreigabe aussieht? Das würde mich ja auch interessieren und darüber habe ich noch nichts so recht gefunden.


Hallo Lars,

das ist eine sehr komplex zu beantwortende Frage und hängt von den Stellwerksbauformen ab. Ich versuche das mal zu skizzieren, beziehe mich aber nur auf Schlüsselsperren auf freier Strecke (in Anst und Awanst), innerhalb von Bahnhöfen kann es andere Lösungen geben.

Erst mal: auch bei mechanischer und elektromechanischer Technik gibt es fernbediente Schlüsselsperren. Meist sitzt dann vor Ort ein Wechselstromblockfeld: das Stellwerk kann dann von Ferne dieses Feld entblocken (am eigenen Blockfeld Blocktaste drücken, Induktorkurbel betätigen...). Aus dem Blockkasten vor Ort kann dann ein "Blocksteckschloss" herausgezogen werden an dem der Weichenschlüssel dranhängt - übrigens kein einfacher Schlüsselring sondern verschweißt so dass man ihn nicht einfach aufbiegen und den Schlüssel klauen kann.

Aber hier reden wir von Dr-Technik: für die gängigen Stellwerksbauformen (DrS, DrS2, SpDrS, GSII usw.) gibt es da jeweils "Bundesbahn-Standardlösungen" die auch in den einschlägigen Lehrbüchern (wie von Harald gezeigt ) erklärt werden. Bei den NE-Bahnen wurden aber vielfach abweichende Sonderlösungen eingebaut; auch die in meinen Bildern gezeigte Ausstattung mit Anforderungstasten usw. entspricht keinem DB-Standard.

Zum konkreten Fall in Celle-Nord: das Stellwerk ist ein DrS. Standardmäßig würde es auf dem Stelltisch einen Leuchtmelder bei der Schlüsselsperre geben der in Grundstellung weißes Licht zeigt. Die Darstellung auf dem Tisch unterscheidet sich nur in Details von der beim SpDrS60 das Harald zeigte.

Um den Schlüssel freizugeben würde man beim DrS die Schlüsselsperrentaste (SSpT) und eine Gruppentaste SSE ("Schlüsselsperre entsperren") drücken, dann beginnt der Leuchtmelder rot zu blinken. Sobald der Rangierleiter den Schlüssel entnommen hat geht der Leuchtmelder in rotes Dauerlicht über.

Sobald der Schlüssel wieder in der Sperre ist würde der Leuchtmelder erneut rot blinken, und mit der Schlüsselsperrentaste und der Gruppentaste SSS ("Schlüsselsperre sperren") wird die Freigabe zurückgenommen.

Aber wie gesagt: das ist die DrS-Standardlösung (die ich auf der Süsingbahn II implementieren möchte), möglicherweise sieht das auf dem Stelltisch in Celle-Nord ganz anders aus. Hier lesen aber auch mindestens zwei Leute mit (@NLEA und @Pfeiftafel) die es genauer wissen könnten.

Das war jetzt die eigentliche Schlüsselfreigabe. Auch interessant ist wie die Sperrfahrt überhaupt dahin kommt: bei einfachen Stellwerken (z. B. DrS) läuft es meist so dass der Streckenabschnitt frei sein muss, vom Fahrdienstleiter gesperrt wird (Sperrung im Zugmeldebuch eintragen, Schutzkappen auf den Ausfahrsignaltasten der Nachbarbahnhöfe anbringen damit nicht versehentlich ein Zug reinfährt, Warnschild "Sperrfahrt" an der Fernmeldeeinrichtung aufhängen). Die Sperrfahrt bekommt dann einen schriftlichem Befehl der ihr gestattet 1. am Ausfahrsignal vorbei auf die Strecke zu fahren und 2. als Sperrfahrt bis zur Awanst. Die Sperrfahrt fährt also nur "papiermäßig gesichert" und wird nicht durch Fahrstraßen, Streckenblock usw. gesichert.

Bei Spurplanstellwerken und ESTW wird oft eine viel komfortablere, aber auch aufwendigere Lösung implementiert: dort kann die Fahrt zur Awanst als richtige Fahrstraße mit Start- und Zieltaste abgewickelt werden, und dafür geht dann auch das Ausfahrsignal auf Fahrt. Ist aber, wie geschrieben, eine aufwendige und teure Lösung.

Soweit erst mal!

Grüße,
Sebastian

*) P.S.: Natürlich: solange der Schlüssel freigegeben ist kann auch technisch keine Zugfahrt in den Abschnitt eingelassen werden.


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24.08.2026 18:13 (zuletzt bearbeitet: 24.08.2026 18:17)
#11 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo nochmal,

hab mal das Internet gefragt. Auf der Homepage der SINON wird ein historisches Foto gezeigt auf dem man erahnt was wir suchen:

https://www.sinon-gmbh.de/unternehmen/hi...-group-86&pid=2

Die Stellwand hinten zeigt die Streckenfernsteuerung, von rechts kommen die beiden Strecken aus dem Bahnhof Celle-Vorstadt: oben die Strecke nach Wittingen, unten die nach Soltau. Auf dem Soltauer Ast erkennt man, noch "in der Schrägen", ein abzweigendes Stumpfgleis, das ist die Anst. WASA. Oberhalb der Weiche sitzen im Streckengleis ein Taster und ein Leuchtmelder - die Weiche selber hat, da ortsgestellt, keine Taster und Leuchtmelder.

Hier ein neueres Farbfoto von "stellwerke.info": https://stellwerke.info/stw/img/HCN/1267...52532554424.jpg

Die Stelle findet man wieder, die Taster/Leuchtmelder im Streckengleis scheinen verschwunden zu sein. Möglicherweise sitzen die jetzt woanders, aber geben muss es sie weiterhin.

Grüße,
Sebastian


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24.08.2026 20:37
avatar  NLEA
#12 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Moin Sebastian,

vielen Dank für den tollen Bericht mit super Bildern. Eine kleine Korrektur habe ich allerdings.
Leider wird Wasa seit nunmehr rund 2 Jahren nicht mehr bedient, dem Vernehmen nach soll ich das mal wieder ändern, ob allerdings die bestehende SSP nochmal Betrieb erlebt wage ich leider zu bezweifeln.

Bildern von den Schaltzuständen auf dem Stelltisch kann ich daher nicht liefern, ich werde aber im Laufe der Woche nochmal das Rätsel nach den Bedienelementen beim Fahrdienstleiter lüften.

Die AwAnst Wasa ist übrigens die einzige AwAnst mit SSP die im Netz der SinON noch verblieben ist. Für Freunde der gepflegten Schlüsselei halten aber die Strecken im Zugleitbetrieb noch viel Freude bereit. Auf den ZLB Strecken gibt es auch noch eine Reihe von AwAnst die viel Verkehr haben, namentlich sind das vor allem Beedenbostel und Altenhagen. Aber auch die in den letzten Zügen liegende AwAnst in Harber erfreut sich einiger Beliebtheit.

Die irreführenderweise bei der alten OHE als „Betriebsstellen“ bezeichneten Bedienstellen für die Nahbedienung heißen zwischenzeitlich übrigens Bedienstellen und sind an allen Bahnhöfen der Fernsteuerstrecke zu finden. Damit bei vom FDL rausgegebener Nahbedienung auch eine Info an den Zugführer erfolgen konnte, hatte jeweils ein ASig pro Richtung noch eine Rundumleuchte - die Zugführerrufanlage. Diese Leuchten sind bis heute an den meisten Signalen erhalten, wenn auch nicht mehr in Funktion.

Viele Grüße und viel Spaß beim fleißigen Schlüsseln
Tobias


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24.08.2026 21:35 (zuletzt bearbeitet: 24.08.2026 21:45)
#13 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Guten Abend,

Zur Frage, wie sieht die andere Seite aus?
Hier ein paar Bilder wie das bei moderner ESTW-Technik aussieht.

Ilmebahn Bahnhof Einbeck Mitte - Schlüsselsperre 8 - ESTW-Scheidt & Bachmann.

Auf dem Bild des Stellwerksrechners sieht man im Gleis 102 die Schlüsselsperre 8 in weiß, also nicht freigegeben.


Die anderen Bilder zeigen die Schlüsselsperre am Gleis von außen


und innen
,

sowie das Schlüsselwerk außen


und innen.


Der folgende Link führt ebenfalls auf die Bildergalerie der SinON Homepage. Hier sieht man am rechten Bildrand den Bildschirm des Stellwerksrechners für die Strecke von Einbeck Salzderhelden nach Einbeck Mitte. Diese Strecke wird von Celle Nord (SinON) ferngesteuert.

https://www.sinon-gmbh.de/fileadmin/user...17_sin_0154.jpg

Gruß Jürgen


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25.08.2026 08:56
#14 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Ein Hallo an Euch alle, die ihr geantwortet habt.

Mit so vielen Antworten in so kurzer Zeit habe ich nicht gerechnet. Daher ein großes Dankeschön an euch. Mir sind die viele Realisierungsmöglichkeiten in einem Stellwerk sehr viel klarer geworden. Vor allem ist klarer geworden, wie vielfältig die einzelnen Realisierungen aussehen können. Das Forum ist wirklich ein Hort geballter Kompetenz.

Irgendwann will ich mich auch mal daran machen, das bei meiner Albtalbahn umzuzusetzen. Das war auch ein bisschen der Hintergrund meiner Frage. Aber dazu später und an anderer Stelle mehr.


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25.08.2026 12:04
#15 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Zitat von Ferrovia im Beitrag #6
Weiß jemand von Euch, wie das stellwerksseitig mit der Rangierfreigabe aussieht?


Hallo Lars,

wie schon in mehreren Beispielen erläutert, sind Schlüsselsperren im Regelfall ins Stellwerk eingebunden (wenn es eins gibt).
Beim Vorbild ist das alltäglich, aber nicht nur bei der Einbindung von Awanst/Anst oder Nahstellbereichen.

Insbesondere bei „eher einfachen betrieblichen Verhältnissen“ gibt es auch im ESTW ein Feature das wirklich „Rangierfreigabe“ heißt.
Dabei gehen die Ausfahrsignale des betreffenden Bahnhofs auf Kennlicht, Ausfahrsignale in den Nachbarbahnhöfen werden gesperrt, Schlüsselsperre mit Schlüssel für Weichen-Schlüsselwerk wird freigegeben, damit ist dann die Freigabe eines Schlüsselwerks möglich, da werden dann die Schlüssel für die Weichen frei. So ist keine Einrichtung von Rangierfahrstraßen und Wende-Ls erforderlich.
Das findet man z.B. bei Bahnhöfen mit Rückfallweichen. Aber auch auf Bahnhöfen mit elektrisch ferngestellten Weichen, die dann quasi zur „EOW“ werden, mit einer lokalen Bedieneinrichtung.

Ein Beispiel ist z.B. Drei Annen Hohne Rangierfreigabe Drei Annen
Da kann man sich das Schauspiel ansehen, wenn ein Dampfzug aus Nordhausen in Drei Annen umspannt, um auf den Brocken zu fahren.

Im Netz der AVG gibt es zahlreiche Bahnhöfe, wo das vergleichbar (auch ohne Kennlicht) realisiert ist.

Schöne Grüße
Jan

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25.08.2026 12:35
#16 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo Jan,

auf der AVG ist es tatsächlich auch so realisiert, dass auf einigen Bahnhöfen Ortsstellbetrieb (so wird es in der SbV genannt) umgeschaltet werden kann und dadurch die elektrischen Weichen durch Schlüsselschalter gelegt werden können. Da die handgestellten Weichen nicht in Fahrstraßen liegen, sind die nicht innerhalb der Stellwerkslogik verschlossen, sondern einfach nur im Fernsprechkasten. Ob die Ls dann auf Kennlicht gehen, weiß ich allerdings nicht.
Bei der OHE in Beckedorf kann man in diesem Video sehen, dass die Ls Kennlicht zeigen und im Ortsstellbetrieb (heißt das bei der OHE so?) rangiert wird.


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26.08.2026 02:57 (zuletzt bearbeitet: 26.08.2026 02:59)
#17 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Beckedorf ist leider ein Sonderfall. Der Bahnhof kann örtlich besetzt werden, dann kann an den Ls auch Sh 1 gezeigt werden.

Ja, die Kennlichter werden gezeigt, wenn ein Teil des Bahnhofs auf Nb umgestellt ist. Es kann aber auch an allen Signalen Kennlicht gezeigt werden, obwohl keine Nb freigegeben wurde. Im Video scheint das der Fall zu sein, da an den beiden Ls 1 und 2 Kennlicht gezeigt wird, die Gleissperre in Gleis 6 aber aufgelegt ist. Wenn die NB W10/11 raus ist, wird die grds abgelegt.

Die Anforderung der Nb erfolgt in Beckedorf nicht über den Zfsl oder die Ranf sondern einfach fernmündlich. Als Nb-Bezirke kann der Ostkopf (W1 bis 8), Westkopf (W12 bis 14) und die Mitte (W10 und 11) herausgegeben werden. Jeweils einzeln oder alle gleichzeitig.


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26.08.2026 19:50
avatar  NLEA
#18 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Moin,

die Funktion wurde ja weiter oben schon gut erklärt, daher nur noch ganz schnell das Bild zur Umsetzung der SSP Wasa auf dem DrS2 (OHE) in Celle Nord.



Viele Grüße
Tobias


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28.08.2026 20:18 (zuletzt bearbeitet: 28.08.2026 20:20)
#19 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo Tobias,

großen Dank für deine Ergänzungen!

Eins muss ich aber doch nachfragen:

Zitat von NLEA im Beitrag #12
Damit bei vom FDL rausgegebener Nahbedienung auch eine Info an den Zugführer erfolgen konnte, hatte jeweils ein ASig pro Richtung noch eine Rundumleuchte - die Zugführerrufanlage. Diese Leuchten sind bis heute an den meisten Signalen erhalten, wenn auch nicht mehr in Funktion.



Mein Wissensstand war immer dass die Blinkleuchten des Zugführerrufs dazu dienten den Tf/Zf an den Fernsprecher zu rufen, jedenfalls vor Einführung des OHE-Zugfunks 1980. Wurden die auch angeschaltet um mitzuteilen dass eine Nahbedienung aktiviert wurde? Das hätte ja größte Missverständnisse erzeugen können? Übrigens saßen die ja auch auf den Einfahrsignalen und an einigen F-Kästen auf freier Strecke.

@alle: Auf diesen Aufnahmen aus Sülze https://www.kdtroeger.de/ohe228.htm (fünftes Bild sowie letztes Bild) sieht man den Zugführerruf: eine gelbe Rundumleuchte, oben auf einem Hauptsignalschirm. Wie ich das in H0 funktionsfähig hinkriege ist noch mehr als offen...

Grüße,
Sebastian


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