Schlüsselsperren bei der OHE

22.07.2026 17:45 (zuletzt bearbeitet: 22.07.2026 19:20)
#1 Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo Modellbahner!

Hier mal etwas um das Sommerloch zu füllen.

Von Weichenschlössern und -schlüsseln war hier schon viel die Rede und auch im ADJ wurde darüber berichtet, oft im Zusammenhang mit Ausweichanschlussstellen. Meistens läuft es dort so dass der Zug oder die Sperrfahrt den Schlüssel mitbringt der benötigt wird um Weichen oder Gleissperren aufzuschließen. Dank der Outbus-Schlösser ist das heute auch im Modell leicht umsetzbar.

Aber: in dieser "Reinform" kommt das nur in bestimmten Vorbildsituationen vor, in erster Linie wenn die Ausweichanschlussstelle an einer Strecke mit Zugleitbetrieb liegt. Befindet sich die Awanst aber an einer Strecke mit Zugmeldebetrieb und "richtigen Stellwerken" und Streckenblock wird die Sache etwas komplizierter. Hier reicht es nicht dass jemand mit dem Schlüssel "einfach so" aufsperren kann, vielmehr wird eine zusätzliche technische Abhängigkeit zum Stellwerk gebaut. Jüngst stolperte ich in meiner Sammlung über meine Bilder einer Fototour die genau das zeigen, und vielleicht kann jemand das als Anregung fürs Modell gebrauchen.

Der Tatort ist die Awanst. Barilla an der OHE-Strecke Celle - Soltau, wenige hundert Meter vom Bahnhof Celle Vorstadt. Dieser Anschluss wurde 1966 eingerichtet und hieß jahrzehntelang "Awanst. WASA" (genau, die Leute mit dem Knäckebrot, mittlerweile vom Barilla-Konzern übernommen). Der Anschluss wird auch heute noch regelmäßig mit Sperrfahrten der DB Cargo von Celle-Vorstadt aus bedient.

Die Strecke wird vom OHE-Zentralfahrdienstleiter in Celle-Nord ferngesteuert, mit Streckenblock und allem Drum und Dran. Aber am Barilla-Anschluss gibt es nur verschlossene, ortsgestellte Weichen und Gleissperren, nix mit Fernsteuerung. Trotzdem muss eine Abhängigkeit zum Stellwerk hergestellt werden.



Rechts das Streckengleis, links der Anschluss. Der Lokrangierführer hat bereits die Gleissperre aufgeschlossen und dort den Schlüssel entnommen (Folgeabhängigkeit) um nun die Weiche aufzuschließen.


Dann geht es geschoben in den Anschluss.

Aber was passierte vorher? Des Rätsels Lösung verbirgt sich in diesem unscheinbaren Häuschen:



Schauen wir uns das näher an:

Links der Streckenfernsprecher, rechts u. a. zwei elektrische Schlüsselsperren.

Noch näher:

Was ist geschehen? Der Lrf hat seinen Zugführerschlüssel mitgebracht und in die untere Schlüsselsperre gesteckt. Nachdem er das getan hat konnte der Zentralfahrdienstleiter die obere Schlüsselsperre freigeben. Daraus konnte der Schlüssel für die Gleissperre entnommen werden mit dem dann zuerst die Gleissperre und später - folgeabhängig - die Weiche aufgeschlossen werden konnten. Der Zugführerschlüssel bleibt währenddessen in der Schlüsselsperre gefangen.
Was die bunten Taster und Leuchtmelder in diesem Beispiel machen weiß ich leider nicht (die Beschriftung war auch ziemlich abgerubbelt). Ich glaube aber das sind "Anforderungstasten" usw. mit denen die Schlüsselfreigabe angefordert werden kann.


Also: wer diese Anwanst bedienen möchte muss a) einen Zugführerschlüssel mitbringen und einstecken damit dann b) vom Stellwerk der eigentliche Schlüssel für die Awanst. freigegeben werden kann.

Wie funktioniert eine elektrische Schlüsselsperre? Das ist ein Gehäuse in das ein Schloss eingebaut ist, zusätzlich sitzen in der Front ein Taster und ein Leuchtmelder. In Grundstellung steckt der Schlüssel drin und kann auch nicht freigeschlossen werden da er von einem federbelasteten Elektromagneten festgehalten wird. Sobald das Stellwerk die Schlüsselsperre freigibt leuchtet der Leuchtmelder. Nun kann man die Taste drücken und gedrückt halten, "klack" zieht der Elektromagnet an und gibt den Schlüssel frei.

In vereinfachter Form ist das auch schon im Modell gebaut worden: auf meiner Anlage gibt es zwei so gesicherte Awansten (Outbus-Schloss + 12V-Hubmagnet von Conrad). Und auch @Ferrovia hat so etwas in Bad Bärenalb realisiert.

Viele Grüße,
Sebastian


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24.07.2026 07:58 (zuletzt bearbeitet: 24.07.2026 09:35)
#2 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo Sebastian,

ich habe mit allen Nb-Stellen auf der Fernsteuerstrecke rangiert. Daher ermächtige ich mich mal, meinen Senf dazuzugeben.

Zunächst zu den Tasten und Leuchtmeldern, von rechts nach links: LM weiß "Stromversorgung", schwarze Taste "Rangieranforderung (Ranf)", grüne Taste "Fertigtaste" (Fgt), Schloss für Schlüssel "Notfreigabe" (Nf), LM rot "Notfreigabe".

Am Zugführerschlüsselbund befinden sich diverse Schlüssel, unter anderem für die Anforderung der Nahbedienungen (Nb).

Der Zf öffnet die Betriebsstelle mit dem passenden Schlüssel. Er prüft nun ob der LM Stromversorgung leuchtet. Sollte er das nicht, muss er den Zfdl anrufen. Die Anlage kann dann nicht bedient werden.

Dann steckt er den speziellen Zugführerschlüssel (Zfsl), eigentlich ein Weichenschlüssel, in die untere Schlüsselsperre und dreht ihn um. Danach drückt er die Ranf. Erst jetzt kann der Zfsl nicht mehr entnommen werden, der blaue LM an der Ssp erlischt. Der Zfdl auf Cnf bekommt nun eine Meldung auf der Stellwand und gibt die Nb raus.

Jetzt leuchtet der LM an der oberen Ssp auf. Durch drücken und halten des Tasters wird der Schlüssel für die Gsp entnommen.

Nach Beendigung der Arbeiten wird der Schlüssel für die Gsp wieder in die Ssp gesteckt und umgedreht. Danach wird die Fgt gedrückt. Die obere Ssp wird gesperrt und die untere Ssp wird freigegeben. Der Zfsl wird entnommen und die Betriebsstelle wieder verschlossen.

Wofür ist der Schlüssel Nf?

Sollte der Zfdl die Nb nicht freigeben können, weist er den Zf fernmündlich an, die Nb mit dem Schlüssel Nf (am Schlüsselbund) sofort freizugeben. Dann leuchtet der rote LM Notfreigabe auf und der Ablauf kann wie oben durchgeführt werden.

Interessant ist, dass über dieses Verfahren auch Gleissperren auf den Bahnhöfen (z.B. Scheuen und Wardböhmen) freigegeben werden. Fordert man die Nb auf den Bahnhöfen (außer Bergen, Beckedorf und Soltau, alles Sonderfälle) an, werden sämtliche Weichen zu elektrisch ortsgestellten Weichen und können über Nb-Stellen an den Weichen vom Zugpersonal selbst gestellt werden.


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30.07.2026 23:19
#3 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Danke an Euch beide für Bildbericht und Erklärung. Das ist sehr erhellend.

Ich habe mir tatsächlich die einfache Variante umgesetzt.



Es gibt die Leuchte für die Rangierfreigabe. Diese muss bei mir (angenommenermaßen) vom Zugleiter mündlich angefordert werden. Leuchtet die Leuchte, lässt sich mit dem Taster ein Hubmagnet betätigen und sich der Zugführerschlüssel umdrehen. Nun sind die entsprechenden Weichen stellbar, sowohl die mechanischen als auch die elektrischen. Sobald eine der Handweichen gelegt ist, lässt sich der Zugführerschlüssel nicht mehr zurückdrehen. Das geht erst, wenn alle Weichen in Grundstellung sind.

Die von @Pfeiftafel beschriebene Realisierung bei der OHE klingt auch für die Albtalbahn plausibel. Vielleicht baue ich das entsprechend um. Dann müsste allerdings ein Weichenmotor statt eines Hubmagneten ran.

Beste Grüße
Lars


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11.08.2026 23:29
#4 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo ihr drei,

erstmal eine ganz große -Tafel für eure Ausführungen!
Ich fabuliere ja nun auch schon seit Langem von solch einem System auf meiner Anlage,
daher ist das äußerst hilfreich für mich.

Beim guten, alten OHE-Filmer Jens sehe ich gerade an dieser Stelle eine ganze Batterie von Leuchtmeldern, Knöpfen und Schlössern auf dem Bahnsteig stehen. Eines davon dient offensichtlich der Betätigung des Bahnübergangs, aber was machen die anderen wohl? Wisst ihr da mehr als ich?

Schönes Sommerloch noch,

Gruß
Alex


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Gestern 08:06 (zuletzt bearbeitet: Gestern 19:55)
#5 RE: Schlüsselsperren bei der OHE
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Hallo Alex,

das sind alles BÜ-Sicherungen. In Amelinghausen-Sottorf gibt es in beiden Richtungen Bahnübergänge (siehe auch hier: https://www.kdtroeger.de/ohe20453a.jpg)

An den beiden mittleren Kästen erkennt man auch die Beschriftungen:

"AT1": Ausschalttaste für einen der BÜ
"WT": Wirksamkeitstaste, um einen in Grundstellung unscharfen Einschaltkontakt wirksam zu schalten

Die anderen beiden Kästen werden Einschalttasten sein. Hat mit Weichen, Schlüsselsperren & Co. nichts zu tun.

Grüße,
Sebastian

P.S.: In dem Video sieht man bei 5:34 eine der hier gerne erwähnten Trapeztafeln mit Lichtrufsignal. Eventuell diente einer der Kästen der Betätigung dieser Rufsignale. Konkret habe ich den ganz linken Kasten mit zwei Schlüsseltastern und zwei Überwachungslampen in Verdacht.


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