Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen

29.07.2026 19:26 (zuletzt bearbeitet: 29.07.2026 19:49)
#1 Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Hallo Modellbahner!

Wohl jeder von uns hat auf seiner Anlage Bahnübergänge, und oft auch nicht-technisch gesicherte (also solche die keine Schranken/Blinklichter/Lichtzeichen haben). Da wird dann gepfiffen. Oder geläutet? Oder beides?

Diese Frage war schon immer relevant wenn man an einem BÜ die richtigen Signale aufstellen möchte, und seitdem wir Soundloks haben können - und sollten - wir auch als Triebfahrzeugführer korrekt pfeifen oder läuten oder beides. Hier taucht das manchmal in Planungssträngen als Randaspekt auf.

Auf meiner eigenen Anlage die Anfang der 1970er spielt ist es mir wichtig das gleich zu Anfang "richtig" zu machen. Aber so ganz sicher war ich mir nicht wann und wie lange eigentlich geläutet oder ab wann gepfiffen wurde. Also habe ich etwas recherchiert (Internet, Literatur, alte Signalbücher und Dienstvorschriften) und auch einen Museumsbahnkollegen befragt der vor Jahren zu BÜ-Sicherungen geforscht hatte. Da das vielleicht auch andere Leute gebrauchen können fasse ich die Erkenntnisse mal hier zusammen.

Zuerst wurde geläutet

Sehr lange Zeit (bis Ende der 1950er) war in Deutschland das Läutewerk das primäre Mittel mit dem sich die Eisenbahn an Bahnübergängen Aufmerksamkeit verschaffte. Geläutet wurde an jedem Bahnübergang öffentlicher Straßen und Wege. Die Signalisierung dazu:

a) Läutetafel: geläutet wird von der Tafel bis zum BÜ.

b) Durchläuten: bei mehreren BÜ dicht hintereinander oder in Ortsdurchfahrten o. ä. wurde "durchgeläutet" von der Durchläutetafel bis zur Durchläuteendtafel

c) Läuten und Pfeifen: ab der LP-Tafel wurde bis zum BÜ geläutet, zusätzlich gepfiffen.

Reine P-Tafeln (nur Pfeifen) gab es, sie waren aber auf besondere Anwendungsfälle beschränkt und sehr selten.

Läutewerke

Damit man läuten kann muss das Triebfahrzeug (oder der Steuerwagen) natürlich auch ein Läutewerk haben. Das hatten früher viele Loks, aber eben nicht alle. Triebfahrzeuge die üblicherweise nur auf Hauptbahnen (auf denen es keine nicht-technisch gesicherten BÜ gab) verkehrten hatten keine Läutewerke.

Als historisches Beispiel dazu: die Schnellzugloks der BR 03 des Bw Bremen Hbf waren nicht entsprechend ausgerüstet. Aber ab den 1950er Jahren musste der bekannte Heckeneilzug Bremen - Frankfurt von Bremen bis Bielefeld bespannt werden, mit Laufweg über die Nebenbahn Bassum - Sulingen - Rahden - Bünde. Dafür bekamen einige 03er Läutewerke, und der Lokleiter musste darauf achten nur diese Maschinen im entsprechenden Umlauf einzusetzen.

Auch die Einheits-E-Loks der DB (E10, E40, E41 usw.) hatten nur teilweise Läutewerke, und die wurden bei Umstationierungen oder neuen Umlaufplänen auch immer mal an- und wieder abgebaut.

Edit: Viele Modellbahner setzen auf ihrer Nebenbahn gerne mal Schnellzüge oder schwere Güterzüge ein und begründen das mit "Umleiterverkehr". Aber: solange da nicht-technisch gesicherte BÜ waren musste das Tfz zwingend ein Läutewerk haben. Ohne wäre dieser Zug da nicht gefahren. Oder man hätte die BÜ mit Posten und Fahne sichern müssen.

Übergang zum Pfeifen

Ende der 1950er gab es (in der Bundesrepublik, für die DDR weiß ich es nicht) dann einen Umbruch.

Das Läutewerk stammte aus einer Zeit in der der Straßenverkehr aus Fußgängern, Radfahrern, Reitern, Kutschen und Fuhrwerken bestand. Als in den 1950ern der motorisierte Straßenverkehr rapide anstieg explodierte auch die Häufigkeit der BÜ-Unfälle. Die Einführung des dritten Spitzenlichts 1956 kam auch daher: es sollte ein Schienenfahrzeug mit drei Lichtern von den zwei Scheinwerfern eines Autos oder LKW besser unterscheidbar machen.

Durch Versuche fand man nun heraus dass für den Autofahrer - laufender Motor, geschlossene Fenster, Ablenkung durch Mitfahrer - das Pfeifen viel besser hörbar war als das Läuten. So wurde (mit dem Signalbuch 1959) das Läuten an Bahnübergängen als akustisches Signal durch das Pfeifen abgelöst.

Wie lange die Umstellung dauerte weiß ich nicht, aber:

- Die Läutetafeln blieben noch jahrzehntelang im Signalbuch im Kapitel "künftig wegfallende Signale". Wo eine stand war sie also weiterhin zu befolgen.

- Die Streckenausrüstung wurde, wenn man nach Fotos geht, aber sehr schnell umgestellt. Schon auf Bildern von Ende der 1960er sind Läutetafeln sehr selten geworden.

- Ab ca. 1963 wurden bei den DB-Tfz die Läutewerke anlässlich von AW-Aufenthalten ausgebaut und neue Tfz gar nicht mehr damit ausgerüstet.

- Mancherorts (vor allem auf NE-Bahnen) blieb die eine oder andere vergessene Läutetafel noch einige Jahrzehnte stehen. Oft sah man alte LP-Tafeln bei denen das "L" einfach übermalt wurde. Auf der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn überlebten diese Tafeln bis in die 2010er Jahre.

Einmal oder zweimal pfeifen

Vor Bahnübergängen öffentlicher Straßen und Wege musste tatsächlich zweimal gepfiffen werden. Bei der DB standen dann meist auch zwei P-Tafeln hintereinander. Alternativ (vor allem bei NE-Bahnen) gab es nur eine P-Tafel mit einer Markierung (bei der VGH zwei weiße Punkte auf dem Pfosten) die dem Tf anzeigt dass auf halbem Weg zwischen P-Tafel und BÜ erneut gepfiffen werden muss.

Anders bei Bahnübergängen nicht-öffentlicher Straßen und Wege (Grundstückszufahrten, Privatwege, innerbetriebliche BÜ in größeren Werken): hier ist nur einmal zu pfeifen.

Und: vor Bahnübergängen soll nicht nur kurz gepfiffen werden ("fiep!") sondern immer drei Sekunden lang. Sollte jedenfalls so gemacht werden.

Pfeifen vor Tunneln

Gehört nicht zu Bahnübergängen, vielleicht ist es trotzdem interessant. Was viele heute gar nicht mehr auf dem Zettel haben: früher musste jeder Zug bei Einfahrt in einen Tunnel pfeifen (um Streckenläufer u. ä. zu warnen)! Bei der DB stand daher vor dem Tunnel meist eine P-Tafel, gepfiffen werden musste aber auch wo diese nicht stand. Dieser Regelung wurde in der Bundesrepublik erst 1987 abgeschafft, also schon an der Schwelle zur Epoche 5.

Fazit

Soweit was ich rausfinden konnte. Läutewerk und Läutetafeln sind also nur bis 1959 das Mittel der Wahl. Danach, also noch mitten in der Epoche 3 und weit vor Ende der Dampflokzeit, wurde nur noch gepfiffen, und mit etwas Verzug passte sich die Signalisierung dem an.

Für meine eigene Anlage (NE-Bahn Anfang der 1970er) bedeutet dies:

1. Alle BÜ werden mit P-Tafeln ausgerüstet, und es wird nur gepfiffen.
2. Ein nennenswerter Teil dieser Tafeln sind aber ehemalige LP-Tafeln mit übergemaltem "L".
3. In meinen Sounddecodern muss ich für das Läuten keinen Sound und auf dem Handregler keine Taste vorsehen.

Viele Grüße,
Sebastian


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29.07.2026 20:09 (zuletzt bearbeitet: 29.07.2026 20:26)
#2 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Eine Anmerkung: Läuten gab es m.W. in Deutschland nur auf Nebenbahnen (im Gegensatz zu Nordamerika, wo bis heute auf allen Bahnen geläutet wird, wenn ein Zug nahe genug an Personen oder Fahrzeuge kommt). Da es das Konzept der "Nebenbahnen" so in anderen Ländern oft nicht gab, oder nicht so klar betrieblich getrennt, gab es oft auch keine solche "Aufmerksamkeitsunterscheidung". In Österreich ist z.B. das Läuten m.W. nie irgendwo eingeführt worden, und daher gab es auch keine Läutetafeln an EKs (Eisenbahnkreuzungen), sondern nur Pfeifpflöcke - ursprünglich in der Form von Einzel- und Gruppenpfeifpflöcken, später auch Pfeiftafeln.

OT: Das Pfeifen vor Tunnels gab es m.W. in allen Tunnel-Ländern (Österreich, Schweiz, Italien); eine Fahrt auf der Tauernbahn mit (früher) ihren vielen Tunneln bei jedem eingeschnittenen steilen Bach war eine Dauerpfeiferei. Danke, das auch für Deutschland zu erwähnen.

H.M.


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29.07.2026 21:34 (zuletzt bearbeitet: 29.07.2026 21:38)
#3 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Hallo Sebastian,
ich kann Dir meine Erfahrungen aus FREMO Treffen teilen, wie ich den Verhalten hatte.

1. Wenn ich dem Signal Bü4 Pfeifetafel nähe, pfiffe ich vom Signal bis Mitte des Bahnübergang (Annahme: Lok mit Sound ausgestattet), ca. 3 Sek.

2. Wenn die Lok ohne Sound hat, nutze ich meine Mundpfeife (ich trage immer ein Zp9, meine Pfeife und Entkopplungshilfe, wenn ich am Treffen bin). Dann pfeife ich.



3. Bisher habe ich keine Bü5 Läutetafel im Arrangement gesehen.

Aber für FREMO habe ich das Signalbuch 301 Bundesbahn, Reichsbahn (DDR) und DBAG erstellt. Der Tf-Verhalten lautet so:



4. Es gibt Pfeifetafel P.. (mit 2 Punkten). Während einer Mitfahrt bei VWE in Verden (Aller) Süd hatte der Tf so gemacht und mir erklärt. Bei Tafel P..
1. Pfeife: Wenn Fzg die Tafel näht
2. Pfeife: Zwischen Tafel und Bahnübergang.

Jede Pfeife ist eine lange Pfeife (aber nicht wirklich 3 Sek. lang)

Viele Grüße Jimmy


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29.07.2026 21:40
#4 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Link zum jeweiligen Signalbuch 301
https://german160.blog/2025/11/02/zur-be...sbahn-und-dbag/

Viele Grüße Jimmy


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29.07.2026 21:58 (zuletzt bearbeitet: 29.07.2026 22:00)
#5 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Hallo Jimmy,

Das sind aber Fremoversionen der Signalbücher. Respekt für die Mühe mit der Erstellung!

Aber: Die verschiedenen Läutetafeln sind nur teilweise enthalten. Und beim schnellen Überlesen habe ich leider auch mehrere Fehler gefunden, etwa bei der Eckentafel Lf5 der DR.

Schau das noch mal in Ruhe durch.

Viele Grüße Sebastian


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29.07.2026 22:20 (zuletzt bearbeitet: 29.07.2026 22:21)
#6 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Hallo Sebastian,

danke für Dein Feedback.
1. Ja, es ist eine FREMO-Version des Signalbuchs 301.
2. Es war von Anfang an bewusst, dass nicht alle Signale in der FREMO-Version enthalten sind. Aufgrund der begrenzten Seiten für ein Heft hatte ich die wesentlichen und meist beim FREMO Arrangement gefundenen Signale berücksichtigt.
3. Der Fokus war auf den Verhalten des Tf.
4. Ich orientiere mich auf die Eisenbahn-Signalverordnung von EBA.

Wenn Du mir Bescheid sagen könntest, was sind die Fehler, dann kann ich sie korrigieren. Bisher nach Reviews von FREMO Mitgliedern hatte ich nichts bekommen.

Vielleicht ist jetzt die Zeit, die Hefte zu aktualisieren und alle Signale vom DV/DS 301 zu betrachten. Es gibt verschiedene Berechtigungen über die Jahre. Deswegen kann es sein, dass ein Signal nicht mehr gültig ist oder den Verhalten ganz anders sollte.

Viele Grüße Jimmy


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30.07.2026 12:42 (zuletzt bearbeitet: 30.07.2026 13:36)
#7 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Zitat von Sebastian im Beitrag #1
Aber: solange da nicht-technisch gesicherte BÜ waren musste das Tfz zwingend ein Läutewerk haben.

Hatte ein Triebfahrzeug kein festes Läutewerk konnte man der Besatzung ein Handläutewerk mitgeben!

Zitat von Sebastian im Beitrag #1
So wurde (mit dem Signalbuch 1959) das Läuten an Bahnübergängen als akustisches Signal durch das Pfeifen abgelöst.

Wie lange die Umstellung dauerte weiß ich nicht, aber:

- Die Läutetafeln blieben noch jahrzehntelang im Signalbuch im Kapitel "künftig wegfallende Signale". Wo eine stand war sie also weiterhin zu befolgen.

- Die Streckenausrüstung wurde, wenn man nach Fotos geht, aber sehr schnell umgestellt. Schon auf Bildern von Ende der 1960er sind Läutetafeln sehr selten geworden.

- Ab ca. 1963 wurden bei den DB-Tfz die Läutewerke anlässlich von AW-Aufenthalten ausgebaut und neue Tfz gar nicht mehr damit ausgerüstet.

1959 ist definitiv zu früh! Die Umstellung erfolgte bei der Bundesbahn erst 1972 mit Revision des Signalbuches 1959. Einzelne Lokomotive der Baureihe 218 (Erstlieferung ab 1968) oder V 160 hatten zum Beispiel ein Läutewerk.
Bei der Reichsbahn fiel die Läutetafel 1971 weg, mit Ausnahme der Schmalspurbahnen. Die V100 der DR wurde bis 1970 serienmäßig mit Läutewerk ausgeliefert. Apropos DR V100: Bei Diesellokomotiven ist die Ausrüstung mit Glocke nicht immer erkennbar, da abgedeckt oder am Rahmen angebaut

Zitat von Sebastian im Beitrag #1
- Mancherorts (vor allem auf NE-Bahnen) blieb die eine oder andere vergessene Läutetafel noch einige Jahrzehnte stehen. Oft sah man alte LP-Tafeln bei denen das "L" einfach übermalt wurde. Auf der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn überlebten diese Tafeln bis in die 2010er Jahre.

Einmal oder zweimal pfeifen

Die Läutetafel gibt es immer noch als Bü 5, ist also per se nicht ungültig!

Es lebe die Bimmelbahn!

Grüße Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"


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30.07.2026 18:46
#8 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Hallo Hubert,

das sind jetzt sehr spezielle Details, aber da du das Jahr der Umstellung eher bei 1972 siehst: ja, auch im SB 1959 waren die Läutesignale noch enthalten und galten ja auch weiterhin, wie oben geschrieben. Aber in den Ausführungsbestimmungen zur ESO (und die ist ja maßgeblich für die Ausstattung einer Strecke) wurde festgelegt dass sie nicht mehr neu aufzustellen sind.

Mit dem neuen Signalbuch 1972 sind einige Signale dann ganz entfallen (die LP-Tafel z. B.) und die verbliebenen wanderten in den Abschnitt "künftig wegfallende Signale".

Und du hast ganz recht, die einfache Läutetafel Lf5 existiert immer noch. Die aktuellen Ausführungsbestimmungen zur ESO sagen dazu: Das Signal kann vor Bahnübergängen ohne allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr stehen.

Wer also einen reinen Fußgängerüberweg, eine Zuwegung zu einer landwirtschaftlichen Fläche o. ä. hat darf immer noch eine Läutetafel aufstellen, muss dann aber auch sicherstellen dass die dort verkehrenden Tfz auch läuten können. Unsere Museumsbahn hat auf dieser Grundlage nach wie vor ein paar so gesicherte Überwege (und alle Tfz haben Läutewerke). Ob es bei der "großen" Eisenbahn noch Beispiele dafür gibt möchte ich aber bezweifeln.

Viele Grüße,
Sebastian

Viele Grüße,
Sebastian


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02.08.2026 13:52
#9 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Noch ein Literaturhinweis als Ergänzung für diesen Thread: Der "MIBA Report 18" von Stefan Carstens aus dem Jahr 1992 beschäftigt sich auf S.226 bis 243 (d.h. auf 18 Seiten) mit dem Thema "Läute- und Pfeiftafeln" (in Deutschland) in allen erdenklichen Formen und Varianten.

H.M.


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02.08.2026 14:51 (zuletzt bearbeitet: 02.08.2026 14:53)
#10 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Schuur ihr Jonge,

ich komme aktuell beruflich wieder recht weit in Hessen herum, bei DB InfraGO und den HLB-Bahnen gibt es definitiv keine Läutetafeln mehr.

In meiner aktiven Laufbahn als Lokführer (ab Oktober 1986) habe ich Läutetafeln nur an der Pfannenberger Anschlussbahn im Freien Grund erlebt, aber die sind seit vielen Jahren dort auch Geschichte.

Nach meinem Empfinden gibt es diese Art der BÜ-Sicherung nur noch bei einigen Bahnstrecken, die ausschließlich von Musemszügen befahren werden oder sogar von den Museumsvereinen betrieben werden.

Grüße vom Exilsiegerländer aus Butzbach in der Wetterau

Hartmut

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03.08.2026 16:07
#11 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Hallo zusammen,

Im Bereich von Straßenbahnen (BO Strab) ist das Läuten noch gebräuchlich.
Historisch bedingt gibt es im Raum Köln-Bonn Straßenbahnen, die auf Grund von Mischbetrieb mit Schienengüterverkehr nach EBO betrieben werden.
Daher haben sich bis heute auf der ehemaligen KFBE Strecke Frechen-Bickendorf im Bereich des Kölner Stadtwaldes Läutezeichen an Bahnübergängen ohne technische Sicherung gehalten. Bedeutet im Umkehrschluss die Güterzugloks sind auch heute noch mit Läutewerk ausgerüstet.

Gruß Kai-Nils

Die Kunst eine Lokomotive zu führen kann nur durch jahrelanges Studium, geduldiges Üben und Erfahrung erworben werden.
(The Australian Locomotive Enginedriver's Guide)

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03.08.2026 22:56
#12 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Hier noch ein Bild und Ton Dokument der zuvor geschilderten Betriebssituation im Kölner Stadtwald.
https://youtu.be/kX1629QXNjs?si=2YDwVhS-SLVxdeza

Die Kunst eine Lokomotive zu führen kann nur durch jahrelanges Studium, geduldiges Üben und Erfahrung erworben werden.
(The Australian Locomotive Enginedriver's Guide)

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04.08.2026 13:31
#13 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Moin,

in den späten bis 1960er Jahren bis etwa Mitte der 1970er-Jahre bis ich als Kind und Jugendlicher fast wöchentlich zwischen elters und Gedern gefahren. In meiner Erinnerung standen hier bis zum Schluss L- und LP-Tafeln an den BÜ. Ich weiß nicht, ob das an allen BÜ so war, aber ich bin mir relativ sicher, dass das beim Basaltwerk in Ortenberg und in Eckartsborn so war. Leider habe ich damals noch nicht fotografiert ...

Viele Grüße
Jürgen


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04.08.2026 17:54
#14 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Zitat von cargonaut im Beitrag #11
Daher haben sich bis heute auf der ehemaligen KFBE Strecke Frechen-Bickendorf im Bereich des Kölner Stadtwaldes Läutezeichen an Bahnübergängen ohne technische Sicherung gehalten. Bedeutet im Umkehrschluss die Güterzugloks sind auch heute noch mit Läutewerk ausgerüstet.


Hallo Kai-Nils,
Die Strecke war mir beim letzten Kölnbesuch beim Spaziergang aufgefallen und ich hatte mich schon vor ein paar Wochen über die seltenen L Tafeln gewundert. Jetzt kenne ich mich ja in Köln nicht so aus.... Heißt das, dass die Tafeln an dieser Strecke stehen, weil die StrabBo gilt? Vom Augenschein her hatte ich auf eine reine Güterstrecke getippt, die mir bekannten Straßenbahnen verlaufen etwas weiter entfernt. Verstehe ich es richtig, dass auf dieser einspurigen Strecke Straßenbahnverkehr anzutreffen ist? Oder wie ist der Zusammenhang der L Tafeln zu den verschiedenen BO?

Axel


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04.08.2026 18:50
#15 RE: Vom Läuten und Pfeifen an Bahnübergängen
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Hallo Kai-Nils,

für den Hinweis auf die HGK!

Das hatte ich ganz übersehen. Auf dem HGK-Streckennetz (das nach EBO betrieben wird) wird immer noch fleißig geläutet. Die Loks der HGK haben auch Läutewerke die auch beim Rangieren (z. B. bei Einfahrt in die Lokhalle) gerne genutzt werden.

Zitat von Hilfsheizer im Beitrag #14
Heißt das, dass die Tafeln an dieser Strecke stehen, weil die StrabBo gilt? Vom Augenschein her hatte ich auf eine reine Güterstrecke getippt, die mir bekannten Straßenbahnen verlaufen etwas weiter entfernt. Verstehe ich es richtig, dass auf dieser einspurigen Strecke Straßenbahnverkehr anzutreffen ist? Oder wie ist der Zusammenhang der L Tafeln zu den verschiedenen BO?


Nein, die Strecke im Kölner Stadtwald ist eine EBO-Strecke und es gilt das Signalbuch. Die dort stehenden Läutetafeln werden auch genau so eingesetzt wie es das Signalbuch noch heute gestattet: an Bahnübergängen ohne öffentlichen Kraftfahrzeugverkehr.

Am Abzweig Lind vereinigt sich die Strecke dann mit der KVB-Straßenbahnstrecke und führt zweigleisig nach Frechen. Auch dort wird nach EBO gefahren, sowohl von den Güterzügen der HGK als auch den Straßenbahnen der KVB.

Übrigens noch was Interessantes: die HGK fährt auf dem eigenen Netz nicht, wie die meisten Privatbahnen, nach der Fahrdienstvorschrift NE sondern nach den Fahrdienstvorschrift der DB, und nicht erst seit gestern (in meiner ältesten HGK-SbV von 2003 ist das schon so). Da die Züge der HGK auf ihrer Fahrt sehr oft zwischen dem eigenen Netz und der DB-Infrastruktur hin und her wechseln vermute ich dass man es dem Personal damit möglichst einfach machen wollte.

Viele Grüße,
Sebastian


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