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Design und Kunst
Zitat von Kabees240 im Beitrag #25
Ehrlich gesagt, erschließt sich mir nicht, warum eine Modellbahnanlage Kunst sein sollte.
James Hilton schreibt dazu in The Art of Ralway Modelling (p.11):
Zitat
I suggest then, to truly understand this artful approach and to share that with others, we need to find a way to express our drives and emotional connection to both the models we appreciate and those we create. I am not suggesting this artful approach to the hobby should be everyone's ultimate goal, rather an alternative destination.
In sofern: alles ok. Mir erschließen sich manche Ziele von Modellbahnern auch nicht, zum Beispiel das, dass der Betrieb auf der Anlage automatisch ablaufen soll.
Gruß
Otto
Hallo zusammen,
ein bisschen habe ich gestern vor dem Einschlafen noch darüber nachgedacht, welcher "Modell"bahnanlage ich künstlerische Qualitäten zubilligen würde. Und ihr seht es schon an den Anführungszeichen: es ist nicht wirklich eine Modellbahnanlage sondern eher eine Abstraktion davon. Der Name viel mir dann auch ein: Frühlingsbagatelle von Ferblanc im Stummiforum.
Der Urheber hat mit einer sehr übersichtlichen Menge an Retro-Material und -Modellen, aber viel Kreativität eine Anlage erschaffen, der die meisten Foristen hier das Merkmal Modellbahn absprechen werden. Nach meinem unmaßgeblichen Geschmack hat er sie in seinen Fotos sehr ansprechend in Szene gesetzt, so dass ich mich schon frage, ob die Anlage oder deren Darstellung bei mir den Eindruck von Kunst hervorrufen. Jedenfalls fühlen sich viele der Betrachter emotional angesprochen.
Und noch ein Gedanke: Schließen sich Detailtreue und Kunst gegenseitig aus? Die gefühlsmäßige Bindung erreicht der Künstler durch Weglassen und frei hinzugefügte oder übertrieben dargestellte Details.
Gruß von Ruhr und Nette
Hans
mein Video-Kanal: https://www.youtube.com/channel/UCzNi2p1SkNYVxc1_1mJJhhA
Hallo Hans,
den Kunstanspruch der Arbeit von Ferblanc würde ich sofort unterschreiben. Eine ganz eigene Ästhetik, die Emotionen erzeugt und berührt. Ohne Rücksicht auf die Vorstellungen und Erwartungen, die der mainstream an Modellbahn hat, baut er seine originellen Arrangements. Und er setzt sie gekonnt in Szene — auch seine Fotos sind bemerkenswert und das Sahnehäubchen seiner Arbeit.
Aber wie du schreibst: Es ist keine Modell-Eisenbahn im Sinne des Modells einer Eisenbahn. Es ist Kunst, die mit einem gewissen Abstraktionsgrad u.a. Eisenbahnmodelle verwendet.
Wenn Modellbahn Kunstambitionen haben soll, dann sicherlich mit ganz anderen Aspekten und Akzenten als bei Ferblanc. Das sind unterschiedliche Disziplinen und nicht vergleichbar.
Während du den Kunstanspruch von Modellbahn in unserem Sinne mehr oder weniger abgehakt hast, bin ich momentan auf einer anderen Fährte.
Gruß — Jürgen
Mein (inzwischen verkauftes) Modellbahnprojekt: »Innerstetalbahn«
Meine Shop-Website Jaffas-Moba-Shop.de
Nochmal einen Schritt zurück:
Zitat von Kabees240 im Beitrag #25
... In Dortmund gibt es einen Museumsdirektor, der einmal im Monat Bilder qualitativ begutachtet. Sein Hauptkriterium dabei ist, ob es sich um einen akademisch gebildeten Urheber handelt. Wenn nicht und das Bild ist trotzdem gut, sollte man sich einfach daran erfreuen, es ist aber für den Kunstmarkt wertlos. Gibt es einen Kunstmarkt für Modellbahnanlagen? ich glaube nicht.
(...)
Offenbar halten Nicht-Modellbahner Modellbahnanlagen nicht für Kunst.
Die Kriterien für die Frage, ob etwas Kunst ist oder nicht, an der akademischen Bildung des Urhebers oder an dem Wert auf dem Kunstmarkt festzumachen, ist so falsch wie absurd. Ich erspare mir die Auflistung der zahllosen Beispiele von autodidaktischen Künstlern, die ein hohes internationales Renommee erlangt haben.
Der Kunstbegriff ist schillernd und dynamisch und wandelt sich in der historischen Entwicklung. Wenn man den Erfolg auf dem Kunstmarkt als Kriterium zugrunde legt, war van Gogh zu Lebzeiten kein Künstler, wurde es nach seinem Tod aber sehr wohl.
Richtig ist die Feststellung, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von Modell-Eisenbahn als ernstzunehmende, anspruchsvolle Tätigkeit, geschweige denn als »Kunst« gen Null tendiert. Die Gründe dafür aufzudröseln wäre nicht allzu schwer.
Wenn du, Hans, einerseits die Expertise des Dortmunder Museumsdirektors bemühst und andererseits den »Volksmund« (der vielfach überhaupt keinen Zugang zu abstrakter, in der Kunstwelt anerkannter Kunst hat), sehe ich da einen Widerspruch.
Ich plädiere dafür, genauer hinzuschauen, welches die tatsächlichen und subjektiven Kriterien (nicht die formalen von Dortmunder Museumsdirektoren) sind, die eine Tätigkeit oder ihr Ergebnis zur Kunst werden lassen. Mit deinem Verweis auf Ferblanc hast du ja einen guten Hinweis gegeben, wenngleich er sich in einer anderen Sparte bewegt als wir.
Gruß --- Jürgen
Mein (inzwischen verkauftes) Modellbahnprojekt: »Innerstetalbahn«
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Moin Kunstschaffende und ordinäre Modelleisenbahner!
Hier ein Beispiel für eine Modelleisenbahn, die ich als Kunstobjekt durchgehen lassen würde:![]()
Viele Grüße,
Johann
Ich würde sagen, dass John Allen mit seiner zumindest in der amerikanischen Modelleisenbahnszene berühmten Gorre & Daphetid RR auch in die Kategorie Kunst gehört. Interessant ist, dass John eine Ausbildung als Fotograf absolviert hat und es scheint, dass er auch eine Modelleisenbahn durch diese Brille betrachtet hat. So veröffentlichte er 1946 in Model Railroader einen Artikel mit dem Titel „How to make realistic model photos” (Wie man realistische Modellfotos macht). Er selbst zeigte anhand zahlreicher Fotos in amerikanischen Zeitschriften wie MR und Railroad Model Craftman, wie man das macht. Wie Linn Westcott einmal sagte, er fügte etwas Neues hinzu, nämlich Atmosphäre. Ein Gefühl. Eine Emotion, könnte man sagen. Das ähnelt doch ziemlich der Kunst, könnte man meinen, oder?
Gruß,
Hidde
Hallo Jürgen,
Zitat von jaffa im Beitrag #29
Wenn du, Hans, einerseits die Expertise des Dortmunder Museumsdirektors bemühst und andererseits den »Volksmund« (der vielfach überhaupt keinen Zugang zu abstrakter, in der Kunstwelt anerkannter Kunst hat), sehe ich da einen Widerspruch.
Von »Volksmund« war nicht die Rede sondern davon, dass Nicht-Modellbahner Modellbahnanlagen nicht für Kunst halten. Es gibt dafür keinen Markt, weil sich kein Galerist oder Kunstliebhaber für eine Modellbahnanlage als Kunstobjekt interessiert. Es handelt sich also nicht um den »Volksmund« sondern um Kunstexperten.
Gruß von Ruhr und Nette
Hans
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