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Dieses Thema hat 21 Antworten
und wurde 1.235 mal aufgerufen
 IV.3. Praxis des Modellbahnbetriebes
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OOK Offline




Beiträge: 4.348

30.05.2020 07:15
Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Hallo Freunde,
im Spur 0-Forum gab es kürzlich eine Anfrage, wie man Abläutesignale auf die Anlage bringen könnte. Da war zwar nur an die Klangspielerei gedacht, aber ich habe die Steilvorlage mal genutzt um ein Tor zu schießen und berichtet, wie das Abäuten bei der BAE funktioniert und im Betrieb genutzt wird. Da aber nicht alle MAPUD'ler auch in der Spur 0 unterwegs sind, habe ich den Strang gleich mal nach hier kopiert:

ich erzähle mal, wie Abläuten bei meiner Anlage funktioniert und genutzt wird.


Sonnenberg ist der Betriebsmittelpunkt der Braunlage - Andreasberger Eisenbahn. Hier zweigt die Nebenstrecke nach St. Andreasberg von der Hauptstrecke Braunlage - Sieber ab. Wenn wir Betrieb machen, ist dort immer ein Fahrdienstleiter tätig, der die Fahrstraßen einstellt und die Signale zieht.

Damit er rechtzeitig weiß, wann von wo ein Zug kommt (drei Möglichkeiten!), steht auf dem Bahnsteig vor dem EG eine Läuterwerksäule:





Die ist natürlich nicht funktional (obwohl das bei heutiger Microtechnik sicher ginge), aber genau darunter unter der Anlage hängt dieses Teil an der Innenseite der Anlagenwand:





Das ist ein elektronischer Gong, der verschiedene Läutewerke in der Schweiz gespeichert hat, die man abrufen kann. Dieses Teil gab es mal zu kaufen, weiß aber nicht, ob es noch erhältlich ist. (Vielleicht hat ein Mitleser einen Tipp?)

Die alten preußischen Läutewerksäulen klangen übrigens ganz genau so, so dass da kein fremdländischer Sound auf die Anlage kommt.


An den drei Nachbarbahnhöfen von Sonnenberg gibt es Abläuteköpfe:



links Rehbergergrabenhaus an der Andreasberger Zweigstrecke, rechts der Knopf im Bf Schlufterhütte





Der entsprechende Knopf in Oderteich befindet sich neben dem Kontrollschalter, mit dem ein Fdl (der hier nur zeitweise im Dienst ist) seine Anwesenheit dem Zugleiter meldet.

Bei Abfahrt eines Zug drückt der örtliche Fdl (so vorhanden) oder der aktuelle Fdl (lt. SbV der Zugführer) den Knopf und informiert somit den Fdl in Sonnenberg über sein Kommen.


Jeder Knopf löst ein anders Geläut an (bzw. unter) der Läuterwerkssäule in Sonnenberg aus, und der erfahrene Fahrdienstleiter hört am Klang, von woher jetzt ein Zug kommt und kann die Fahrstraße für ihn einstellen und etwaige feindliche Rangierbewegungen stoppen.


Schlussbemerkung: Korrekterweise müssten hier drei Läutewerksäulen vor dem EG stehen, denn im Gegensatz zur Elektronik konnten diese Säulen immer nur eine festgelegte Klangfolge erzeugen. Aber das wird auch demnächst so sein, denn ADDIE hat noch welche vorrätig und zwei sind bestellt.


Gruß


Otto

OOK

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BerndK Offline



Beiträge: 266

30.05.2020 08:38
#2 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Hallo Otto,

sehr interessant. War das in den frühen Epochen (ohne Telefon) möglicherweise auch auf Hauptstrecken so?

Gruß
Bernd


OOK Offline




Beiträge: 4.348

30.05.2020 09:40
#3 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Ja, und zwar u.a. deshalb, weil auf diese Weise alle Schrankposten unterwegs über den kommenden Zug informiert werden konnten. Jeder wusste ungefähr aus Erfahrung, wieviele Minuten nach dem Abläuten der Zug bei ihm vorbeirattern bzw. ankommen würde.

Bei der BAE hat sich dieses Verfahren nicht nur bewährt, sondern hat sich als unverzichtbar erwiesen. Jetzt wird es noch ausgeweitet, weil der Endbahnhof Sieber demnächst auch einen Fdl bekommt (schon wegen der Rollbock-Rangiererei). Und hier ist es sogar noch wichtiger. Der Fld Sonnneberg kann, wenn er nicht völlig im Stress untergeht, notfalls auch noch direkt sehen oder hören wenn sich ein Zug nähert oder vorm ESig lauert, der Fld Sieber ist vom herrannahenden Zug durch eine Mauer und zwei Tunnel getrennt und sieht und hört nichts von ihm bis er urplötzlich über die Einfahrweiche rattert.
Der letzte Bahnhof vor Sieber ist Schluft, dort ist jetzt auch so ein roter Knopf hingekommen:



Allerdings wird das Ganze edtwas profaner ausfallen, da ich nicht noch so ein Klimbim-Ding habe. Derzeit ist ein Summer montiert, wenn ich eine Klingel aufreibe, kommt die nach Sieber.

Gruß

Otto

OOK

https://0m-blog.de/


BerndK Offline



Beiträge: 266

30.05.2020 10:09
#4 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Zitat von OOK im Beitrag #3

Allerdings wird das Ganze edtwas profaner ausfallen, da ich nicht noch so ein Klimbim-Ding habe. Derzeit ist ein Summer montiert, wenn ich eine Klingel aufreibe, kommt die nach Sieber.


Oder Du greifst Dir ein Geräuschmodul und bespielst es selbst mit dem Originalton. Conrad hat sowas sehr günstig (BRC34M Tonaufzeichnungsmodul) für Einzelgeräusche, Tams für mehr Bares den EasySound Maxi mit bis zu 8 Geräuschen, einzehln über Taster oder DCC abrufbar.

Gruß
Bernd


OOK Offline




Beiträge: 4.348

30.05.2020 11:39
#5 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Danke Bernd, der Vorschlag hat was. Schaumerma.

OOK

https://0m-blog.de/


Fdl Triptis Offline




Beiträge: 568

30.05.2020 13:43
#6 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Schönes Thema! In Triptis II ist dieses Verfahren mittlerweile Standard, ich werde bald mal darüber schreiben. Aber zunächst zu Bernds Frage:

Zitat von BerndK im Beitrag #2
War das in den frühen Epochen (ohne Telefon) möglicherweise auch auf Hauptstrecken so?

Klares Ja. Auf meiner Vorbild-Hauptstrecke (Gera - Saalfeld (S)) wurden die Zugmeldungen in den 50er Jahren noch per Streckentelegraf übermittelt und per Läutesignal angekündigt. Die Schrankenposten unterwegs hatten ziemlich laute Außen-Läutewerke, die konnten sie auch hören, wenn sie an der Schranken-Kurbel oder im Gemüsebeet tätig waren.

Wenn der Fdl in seiner Befehlsstelle das Läutesignal hörte, ging er an den Telegrafen und las die Zugmeldung vom Papierstreifen ab, den der Telegraf inzwischen als Morsecode ausgedruckt hatte, dann quittierte er die Meldung per Morsetaste. Wenn dann irendwann die Vorblockung von seiner Nachbar-Zugfolgestelle eintraf, musste er tätig werden und das Stellen der Einfahrstraße veranlassen. Die Läutesignale waren je nach Fahrtrichtung unterschiedlich: Einmal fünf BimBams stand für Fahrtrichtung nach Saalfeld, zweimal für Fahrtrichtung Gera.

Es gibt hier im Forum wohl nicht mehr viele Menschen, die dieses BimBam-BimBam-BimBam-BimBam-BimBam noch im Ohr haben, dazu muss man schon ein gewisses Alter haben und sich in früher Jugend für die Eisenbahn interessiert haben. Wie isses bei dir - OOK?

Anmerkung für Harald: Ich habe da noch eine kleine Terz im Ohr, deshalb habe ich für mein Läutewerk f - d als BimBam gewählt.

Übrigens: Im Signalbuch 301 von 1959 sind die Läutesignale noch drin: Lt 1 und Lt 2 im Abschnitt XIV.

Mit Hp1-Gruß - Helmut

EDIT: Auf dem Bild (oben) vom EG Sonnenberg steht ein Prachtexemplar eines solchen Läutewerks auf dem Bahnsteig. Und an diese Uhr im dreieckig-grünen Gehäuse kann ich mich auch noch erinnern, die gab es damals noch fast auf jedem Bahnhof. Gruß H.


Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.966

30.05.2020 15:20
#7 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

So ganz erschließt mich die Verwendungen von Läutewerken bei einer Schmalspurbahn ohne Schrankenposten und Zugleitbetrieb nicht.
Aber was solls, hier noch ein Link zu dem Thema: http://www.laenderbahn-forum.de/journal/...aystsb.html#vc2
Dort findet man auch Sounds zum herunterladen.

Grüße Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"


OOK Offline




Beiträge: 4.348

30.05.2020 18:49
#8 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Komm mal rüber zum nächsten Betriebstag und mach drei Stunden lang den Fdl in Sonnenberg. Bei ausgeschaltetem Läutegenerator. Dann weisstes.

OOK

https://0m-blog.de/


OOK Offline




Beiträge: 4.348

30.05.2020 19:13
#9 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Zitat von Fdl Triptis im Beitrag #6
Auf dem Bild (oben) vom EG Sonnenberg steht ein Prachtexemplar eines solchen Läutewerks auf dem Bahnsteig.
Eigentlich müssten es drei sein, denn ein Läutewerk kann nur eine bestimmte Klangfolge erzeugen, nicht verschiedene. Bekannt sind die drei Läutewerksäulen in Filisur, die heute noch in Betrieb sind. Aber:
Heute kam ein Päckchen von ADDIE mit zwei weiteren Läutewerksäulen. Bald werden also drei vor dem EG stehen comme il faut.
Gruß

Otto

OOK

https://0m-blog.de/


Fdl Triptis Offline




Beiträge: 568

31.05.2020 09:39
#10 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Zitat von OOK im Beitrag #9
Eigentlich müssten es drei sein, denn ein Läutewerk kann nur eine bestimmte Klangfolge erzeugen, nicht verschiedene.

Auf "meiner" Vorbild-Hauptstrecke gab es bei jeder Betriebsstelle nur ein Läutewerk (außen in Form der bekannten "Läutebude"). Ich kann mich auch nur an die eine Läutesequenz aus jeweils fünf BimBams erinnern, die je nach Fahrtrichtung einmal oder zweimal kam. Wahrscheinlich musste man die zweite Läutesequenz für die Fahrtrichtung nach Gera manuell veranlassen, nachdem die erste verklungen war und die vorgeschriebene Pause abgelaufen war.

Bei meinem Dienst als Fdl Triptis sind die Läutesignale (wie bei der BAE in Sonnenberg) auch eine große Hilfe, zumal die Zugmeldungen nicht per Telefon übermittelt werden, sondern unhörbar über das Zugmeldepult ankommen (was in seiner Funktion ähnlich wirkt wie der Zugmeldetelegraf beim Vorbild, der macht sich akustisch auch nur schwach bemerkbar).

Mit Hp1-Gruß - Helmut


Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.966

31.05.2020 12:22
#11 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Zum Abläuten zitiere ich mal aus Elektromechanische Läutewerke der Eisenbahnen von Wolfgang List und Hans-Wolfgang Harden, Seite 56:

Zitat
Das Abläuten der Züge
Der Dienst als Bahn- und Schrankenwärter „erfordert zwar nur ein bescheidenes Maß von Wissen, dagegen ein hohes Maß von Pflichttreue, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Aufmerksamkeit, Entschlossenheit und Geistesgegenwart bei besonderen Vorfällen." Auf dieses bescheidene Maß von Wissen kommt ein Mann zurück, der als Wanderlehrer sein Geld verdient hat: Was jeder Wärter über die deutschen Läutesignale wissen musste, hat Peter Fuchs, Bauoberinspektor der RBD Köln, 1929 in einem bereits in dritter Auflage erschienenen „ Prüfungs-Katechismus" sozusagen idiotensicher dargestellt. Wir haben es, wo nötig, ein wenig kommentiert.

...a) DIE LÄUTESIGNALE.

5. Welche Mitteilungen werden durch die Läutesignale gemacht?

Die den Lauf der Züge betreffenden Mitteilungen.
6. Wer gibt die Läutesignale?
Der Fahrdienstleiter des Zugab- bzw. Durchfahrbahnhofs persönlich, oder in seinem jedesmaligen Auftrage ein anderer Betriebsbeamter."
In den Fahrdienstvorschriften (bis 1937 § 17, danach § 16) war diese Anordnung enthalten, die die hohe Verantwortlichkeit des Fahrdienstleiters bei der Abgabe der Läutesignale dokumentierte.
10. Wann werden die Abläutesignale gegeben?
Im allgemeinen nicht früher als drei Minuten vor der Ab- oder mutmaßlichen Durchfahrt des Zuges.
1954 ist diese Grenze bei der DR auf fünf Minuten erhöht worden, weil die Zeitspanne von drei Minuten oftmals nicht ausgereicht hatte, um alle Handlungen bis zur Bedienung des Einfahrsignals rechtzeitig durchzuführen. Das resultierte vor allem aus dem Abbau des zweiten Gleises nach dem Zweiten Weltkrieg und der damit erforderlichen Erweiterung des Zugmeldeverfahrens bei dem jetzt eingleisigen Betrieb (Anbieten, Annehmen der Züge): Wo erforderlich, durfte ein Zug grundsätzlich erst dann abgeläutet werden, wenn er nach dem Anbieten durch die Nachbarzugmeldestelle angenommen worden war.
11. In welchen Fällen ist das Abläutesignal zu wiederholen?
Wenn ein bereits abgeläuteter Zug binnen 15 Minuten nach dem erstmaligen Abläuten nicht abgefahren ist.
12. Wann hat das (Ruhe-) Signal 3 dem Abläutesignal vorherzugehen?
Wenn ein richtig abgeläuteter Zug binnen 15 Minuten nach dem Abläuten nicht abfahren kann.
Stand nach Abgabe des Ruhesignals der Abfahrt des Zuges kein Hindernis mehr entgegen, dann war das betreffende Abläutesignal (aber frühestens zwei Minuten nach dem Ruhesignal!) zu wiederholen. Diese Regelung ist erst 1959 weggefallen, als das Ruhesignal mit seinen beiden Bedeutungen durch fernmündliche Benachrichtigung ersetzt worden ist.
13. Werden auch Züge, die nur einen Teil der Strecke befahren (Teilfahrten), abgeläutet?
Nur wenn besondere Einrichtungen dafür vorhanden sind.
14. Wonach hat sich der Schrankenwärter bezüglich des Abgangs der Züge zu richten?
Nur nach dem gültigen Fahrplan, nicht nach dem Abläutesignal, das ihn bei der Ausübung seines Dienstes nur unterstützen soll.
15. Was obliegt dem Schrankenwärter, wenn ein Abläutesignal für einen Zug ausbleibt oder unrichtig erteilt wird?
Der Bahnwärter hat dies sofort der betreffenden Station zu melden, die die Meldung unverzüglich an die Bm. (= Bahnmeisterei/W.L.) weitergeben muß, wenn nicht ein Bedienungsfehler vorliegt.
Der Schrankenwärter hatte sich in einem solchen Fall zum herannahenden Zeitpunkt der fahrplanmäßigen Zugdurchfahrt außerhalb des Wachtraumes bereitzuhalten und die Schranken rechtzeitig vorsorglich zu schließen. Aus Sicherheitsgründen war also für die Wärter in erster Linie immer der Fahrplan maßgebend!



Grüße Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"


hmmueller Offline



Beiträge: 479

31.05.2020 12:46
#12 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Ich kenn mich mit den Läutewerken überhaupt nicht aus (nächstes Leben -> weitere Hobbies und Teilhobbies) - aber Läutewerke waren doch nur eine Übergangslösung, oder? Als es praktisch überall Strecken-Telefonleitungen gab, wurden doch die Abläutesignale über die Telefonwecker gegeben (unt zusätzliche Wecker, die außen auf Stellwerken angebracht waren) - oder war das in Deutschland nicht so, sondern nur in anderen Ländern?

H.M.


Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.966

31.05.2020 13:12
#13 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Die "Übergangslösung" hielt sich so ca. 120 Jahre!
In Österreich war 1952 Schluss, in Deutschland, bei der DB früher bei der DR später, bis Mitte der Sechziger.
Bei einem deutschen Bahnübergang (Posten50) an einer tschechischen Strecke Plesnà - Vojtanov sogar bis zum 29.06.1990!

Grüße Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"


OOK Offline




Beiträge: 4.348

31.05.2020 20:35
#14 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Wir sind ja hier nicht im UFO "So macht es das Vorbild", sonden in "Praxis des Modellbahnbetriebs". Dafür ist es durchaus gut und wichtig, die Usancen des Vorbildes zu kennen, aber mir ging und geht es um Frage, wie ich mir und meinen Betriebsmitmachern diese Läutesignale zunutze machen kann.
Es würde z.B. auf der BAE keinerlei Sinn ergeben, von jedem Bahnhof in beiden Richtungen die Züge abzuläuten. Das wäre durch die Zeitraffung 1:5 ein stetiges Gebimmel, das niemandem nützen würde.

Der Fdl Sonnenberg hat eine Bahnhofsfahrordnung in tabellarischer Form an seinem Arbeitsplatz hängen, die ihm sagt, welcher Zug wann eintrefen soll und auf welches Gleis er einfahren soll, und wann er wieder abfahren soll. Sie sagt ihm aber nicht, wann die Züge tatsächlich kommen. In einer Schicht hat der Fdl einige laue Zeiten, wo es nichts zu tun gibt, ds studiert er seine BFO länglich. Wesentlich häufiger aber hat er mehrere Dinge gleichzeitig zu regeln, da ist für den Blick in die BFO kaum Zeit. Dann ist es gut, wenn er durch das Läutesignal darauf aufmerksam gemacht wird, dass ein Zug kommt und auch,von wo.
Ob das beim Vorbild zumindest bei bestimmten Bahnen oder Bahnhöfen so ist, vermag ich nicht zu sagen, ist mir auch egal. Bei der BAE ist es so, und es hat sich als sehr gut erwiesen.

Weiterhin schöne Pfingsten

Otto

OOK

https://0m-blog.de/


Fdl Triptis Offline




Beiträge: 568

01.06.2020 11:30
#15 RE: Abläuten - kein netter Gag, sondern funktional Antworten

Zitat von OOK im Beitrag #14
Wir sind ja hier nicht im UFO "So macht es das Vorbild", sonden in "Praxis des Modellbahnbetriebs"

Deshalb möchte ich mal ein Praxis-Beispiel aus Triptis II bringen: Eine Zugfahrt mit der Nummer E802 in Fahrtrichtung Saalfeld - Gera nähert sich dem Bahnhof Triptis, wo ein Mensch (zB ich) den Dienst als Fahrdienstleiter ausübt.

Die Läutesequenzen habe ich gegenüber dem Vorbild (fünfmal bzw. zehnmal BimBam) verkürzt, damit es nicht zu sehr nervt. Einmal BimBam heißt "Zug nähert sich aus Richtung Niederpöllnitz", zweimal steht für Richtung aus Neustadt, viermal steht für Richtung aus Moßbach (Nebenstrecke).

Wenn der Zug in Neustadt abfahrbereit ist oder gerade abfährt, dann läutet der dortige (virtuelle) Fdl ab und sendet eine Zugmeldung ab; im Stellwerk Triptis Tf (Befehlsstelle) ertönt das zweimalige BimBam. Dadurch werde ich aufmerksam: Aha, eine Zugmeldung aus Neustadt ist eingetroffen! Ich schaue auf das Zugmeldepult, da leuchtet die LED "kommt", auf dem Display steht "E802". Diese Zugmeldung muss ich quittieren, damit der Fdl Neustadt weiß, dass die Info bei mir angekommen ist. Ich drücke die Taste "quitt", die LED "kommt" geht aus, die Anzeige "E802" bleibt erstmal stehen. Ich werde also bald eine Einfahrt aus Richtung Neustadt veranlassen müssen. Dazu ist es aber im Momment noch zu früh, denn zwischen den Zugmeldestellen Neustadt und Triptis liegt noch die Zugfolgestelle Traun, die gleichzeitig Blockstelle und Haltepunkt ist. Der Zug belegt im Moment noch nicht den Block zwischen Traun und Triptis, der ist erst in den vorherigen Blocck zwischen Neustadt und Traun eingefahren.

Die Fahrzeit von Neustadt nach Triptis beträgt für einen Eilzug (kein Halt in Traun) etwa 10 Minuten, wobei die Blockstelle Traun nach etwa 4 Minuten erreicht wird. Ich habe also noch etwas Zeit zum Überlegen; erst wenn der Zug Traun passiert hat, muss ich tätig werden. Ich schaue also in der Bahnhofsfahrordnung nach, welches Gleis für den E802 vorgesehen ist. Nein, ich muss nicht nachschauen; in der Region weiß jeder Fahrgast und jeder MoBa-Freund, dass der E802 auf dem Gleis 5 einfahren wird. Ich werde also die Fahrstaße s5 befehlen, wenn die Zeit gekommen ist.

Da rappelt es im Blockaufsatz des Stellwerks W3, die Farbscheibe des Endfelds S wechselt von weiß auf rot. Ich stehe zwar im Stw Tf, das Endfeld befindet sich im Stw W3, aber irgendwie erfahre ich von diesem Vorgang (ich könnte zB in Tf Spiegelfelder der drei Endfelder haben.) In der Modellbahn sehe ich aber die Endfelder per Adlerauge direkt im Blickfeld.



Jetzt weiß ich, dass der Zug den Hp Traun passiert hat, er wird in etwa 6 Minuten am Einfahrsignal S sein! Ich gehe also an meinen Blockaufsatz, lege den Fahrstraßenhebel s5 um (das geht, weil keine feindliche Fahrstraße festgelegt ist); dann drücke ich die Blocktaste über dem Befehlsabgabefeld S und drehe die Induktorkurbel. Nach etwa 6 Umdrehungen wird das Blockfeld weiß, der Befehl ist also erfolgreich an den Wärter in W3 übermittelt worden. Dieser (virtuelle) Wärter wird jetzt die Weichen- und Riegelhebel umlegen, dann wird er seinen Fahrstraßenhebel s5 umlegen und das zugehörige Fahrstraßen-Festlegefeld blocken. Jetzt kann er das Einfahrsignal S (Hebel für Hp1) ziehen. Mein eigener Fahrstraßenhebel s5 ist übrigens durch das Befehlsabgabefeld auch blockiert, den kann ich erst zurückstellen, nachdem der ganze Stellvorgang rückabgewickelt wird. Dass der Wärter den Befehl ausgefürt hat, sehe ich daran, dass in meinem Stw der Signalmelder S die Fahrtstellung des Signals bestätigt.

Jetzt kann der Zug kommen!

Ich darf mich aber noch nicht zurücklehnen, denn der Zug braucht bald eine Ausfahrt! Das ist die Fahrstraße c auf Signal C. Auf den durchgehenden Hauptgleisen 5 und 7 (und nur da) dürfen die Ausfahrten schon gestellt werden, solange die zugehörigen Einfahr-Fahrstraßen noch festgelgt sind. Dadurch sind auf diesen Gleisen auch Durchfahrten ohne Halt möhlich.

Ich lege also meinen Fahrstraßenhebel c um, drücke die Blocktaste zur Befehlsabgabe B,C,G und drehe die Kurbel, so dass der entsprechemde Befehl diesmal an das Stw W1 übertragen wird, worauf der zuständige Wärter die Fahrstraße stellt und festlegt; das Signal C geht auf Hp1.

Der Lokführer im Zug Zug E802 weiß aber, dass er halten muss und stoppt den Zug vorschriftsmäßig. Die Fahrstraßenfestlegung für die Einfahrt wird entblockt, so dass der Wärter die Fahrstraße zuücknehmen kann.

Wenn die Abfahrtzeit erreicht ist und der Zug abgeferigt wurde, muss ich wieder tätig werden, diesmal in meiner zweiten Eigenschaft als Aufsichtsbeamter. Auf dem Zugmeldepult befindet sich auch eine Taste "Zp9", mit der ich dem Zug den Abfahrauftrag geben kann. Das tue ich dann auch, darf aber nicht vergessen, dass der Zug nach Niederpöllnitz abgemeldet (und abgeläutet) werden muss.

Das hat zum Glück ein virtuelles Helferlein schon vorbereitet, auf dem Zugmeldepult steht die Zugnummer und die LED "geht". Ich muss nur noch die Taste "send" drücken, dann geht die Zugmeldung nach Niederpöllnitz raus, begleitet von einem akustischen "plimm" zur Bestätigung. Das Läutesignal in Niederpöllnitz ist zum Glück in Triptis nicht zu hören.

Inzwischen hat der Wärter in W3 die Fahrstraße s5 zurückgestellt und das Befehlsempfangsfeld s5 geblockt; dadurch wird mein Befehssabgabefeld entblockt (Farbscheibe wieder rot), so dass ich den Fahrstraßenhebel s5 in Grundstellung bringen kann. Außerdem hat er den Block vor dem Einfahrsignal rückgeblockt, so dass das Blocksignal in Traun wieder frei ist.

Der Wärter W1 kümmert sich währenddessen um die Ausfahrt. Sobald der Zug das Signal C passiert hat, stellt er es zurück und blockt vor. Wenn der Zug die Fahrstraße verlassen hat, wird die Zugeinwirkung im Streckengleis aktiv und hebt die Fahrstraßenfestlegung auf; dann kann er die Fahrstraße zurückstellen und das Befehlsempfangsfeld blocken. Das kommt dann auch bei mir an, so dass ich den Fahrstaßenhebel c zurückstellen kann.

Kommt dann die Ruhepause für den Fdl? Vielleicht. Aber: Der nächste Zug ist schon unterwegs, manchmal kommen sogar mehrere aus verschiedenen Richtungen. Dann wirds stressig. Das ist aber poitiver Eu-Stress, der zu unserem Hobby einfach dazu gehört.

Alles klar? Klingt kompliziert. Ist es auch. Soll es sogar sein.

Mit Hp1-Gruß - Helmut


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