Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 1

28.01.2024 18:16
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#1 Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 1
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Hallo,

nachdem ich hier im Forum schon länger unterwegs bin und viele Informationen mitgenommen habe, möchte ich einen Strang zur Planung meiner Anlage starten. Einige haben mich auch schon darauf angesprochen. Inzwischen bin ich soweit, dass ich mal starten kann, auch wenn vieles mir noch unklar ist. Ich hoffe, ich stoße auf reges Interesse. Aber bitte Geduld haben, wenn ich nicht immer gleich antworten kann. Das Projekt wird sicherlich umfangreich und einen langen Atem brauchen, das ist mir klar. Vor Jahren hätte ich bezüglich Mehrspieler Betrieb Bedenken gehabt, aber innerhalb der letzten Jahre habe ich mich immer mehr mit diesem Gedanken angefreundet, da es mehr Möglichkeiten bietet und dem möchte ich mich verweigern, auch wenn ich bisher damit keine praktischen Erfahrungen habe. Ebenso sind die Räumlichkeiten dafür geeignet. Aber kommt Zeit kommt Rat und Tat.

Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG
Das Projekt - Einleitung
Auf der Suche nach einem geeigneten Motiv für die Modellbahnanlage nach meinen Vorstellungen, bin ich auf die Nassauische Kleinbahn AG (NKAG) gestoßen, die mich in Ihren Bann gezogen hat. Ich möchte daher bei der Konzeption auf ein Prototype Freelance Projekt in Anlehnung an diese Kleinbahn aufsetzen.

Zur Erstellung der Konzeption für die Modellbahn und den späteren Betrieb halte ich es für wichtig, sich historisch mit der Bahn und der Gegend vertraut zu machen. Denn für mich sind Dinge wie Identität und Plausibilität wichtig. Die Geschichte der Bahn soll als Identitätsmerkmal nicht zu kurz kommen. Auch wenn ich alle Stationsnamen beibehalten will, so soll es keine exakte Kopie der Nassauischen Kleinbahn AG werden. Damit möchte ich mir gewisse Freiheiten herausnehmen, ganz nach Prototype Freelance Art.
Es wird hier im ersten Teil noch keine konkreten Gleispläne geben. Vor weiteren konkreten Planungen möchte ich erst einmal eine Rückmeldung haben, ob die Konzeption so funktionieren kann.
Erst dann möchte ich mich in einem neuen Strang mit den (Gleis-)Planungen beschäftigen. Im folgenden die Kapitel zum ersten Teil.

• Geschichtliches zur Kleinbahn
• ZOFF Betrachtung
• Raumplan
• Broccoli
• Kartenübersichten und Höhenprofile

Geschichtliches zur Kleinbahn
Die Kleinbahn wurde als Nassauische Kleinbahn AG am 9. Juli 1898 gegründet unter der finanziellen Beteiligung des Königreichs Preußen, des Bezirksverbandes Wiesbaden, der Landkreise Sankt Goarshausen und Unterlahn sowie der Allgemeinen Deutschen Kleinbahn-Gesellschaft (ADKG). Diese übernahm die Betriebsführung bis 1926. Dann ging sie auf deren Tochter, die Allgemeine Deutsche Eisenbahn-Betriebs-GmbH, über. Erste Gedanken zur Realisierung einer Eisenbahn gab es aber schon ab 1891.
In der Anfangszeit wurde zunächst eine Bahn mit 750 mm Spurweite favorisiert (1894). Nachdem die Projektierung aber schließlich unter der ADKG stand, wurde im Mai 1897 bei Abstimmung des 31. Kommunal Landtages der Erweiterung des Projektes zugestimmt, in der auch beschlossen wurde, die Spurweite auf 1000 mm zu vergrößern. Die zusätzlichen Kosten sollten durch Aufstockung des Aktienkapitals eingebracht werden. Insofern wäre es tatsächlich möglich gewesen, dass die Nassauische Kleinbahn AG wie ursprünglich in Erwägung gezogen als 750 mm Schmalspurbahn gebaut worden wäre, wenn die politischen Entscheidungsträger anders entschieden hätten. Hier setze ich bei meinem Prototype Freelance Projekt an, dass die Bahn mit 750 mm Spurweite verwirklicht wurde und den Namen „Nastätter Kleinbahn AG“ erhalten hat, deren Kürzel NKAG der realen Nassauischen Kleinbahn AG entspricht. Somit bleiben mir gewisse Freiheitsgrade bei der Realisierung des Projektes und die Möglichkeit der Verwendung von vorhandenem Rollmaterial.
Der Betriebsmittelpunkt der NKAG war Nastätten. Von dort verliefen drei Streckenzweige nach Braubach (Rheintal), Sankt Goarshausen (Rheintal) und Zollhaus (Aartal). Das Netz hatte eine Gesamtlänge von über 75 km. In der Realität erfüllten sich die Erwartungen der Bahn und an die Bahn nicht. Das Personenaufkommen blieb gering und viele Güter mussten von den Enden der Streckenäste abgefahren werden, so dass die Einnahmen niedrig waren. Die Bemühungen große Mengen an Erzen und Kalksteinen über Nastätten an den Rhein abzufahren scheiterten, da die Staatsbahn in Zollhaus nicht weit entfernt war und die Grube Zollhaus vom Barbarstollen in Mudershausen schon ab 1907 eine Transportseilbahn nach Zollhaus betrieb. Lediglich die Abfuhr von Kalksteinen von Hohlenfels bzw. teilweise von Mudershausen aus war viele Jahre eine Aufgabe der Bahn. Aber damit allein war letztendlich der schleichende Niedergang der Nassauischen Kleinbahn AG nicht aufzuhalten, der schon 1932 zur Einstellung des Verkehrs zwischen Nastätten und Braubach führte. Hierzu habe ich Änderungen für mein Projekt geplant, die zu einem rentableren Betrieb der Kleinbahn geführt hat und der Streckenast nach Braubach nicht stillgelegt wurde.
In den 1950er Jahren erfolgte dann die wesentliche Betriebseinstellung auf den anderen Strecken. Die letzten Züge fuhren dann 1962 in Zollhaus und 1977 in Braubach (Inselbetrieb). In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Bahn unverständlicherweise noch 1951 von der Firma Jung einen großen und modernen meterspurigen 5 Kuppler anschaffte, der später auf der Brohltalbahn den Dienst versah. Dies auch obwohl der Oberbau nicht tragfähig genug war. (https://eisenbahnstiftung.de/images/bildergalerie/47505.jpg).
Auch die erst im Jahr 1951 beschafften Rollwagen konnten den Niedergang nicht mehr aufhalten. Diese wurden von Zollhaus aus eingesetzt. Der Einsatz in Sankt Goarshausen gelang nicht, da die Durchfahrtshöhe dort zu gering war und leere Wagen im Sankt Goarshausener Tunnel unter der Straße hängen blieben. Auch hier möchte ich ansetzen und die Einführung eines Rollwagen bzw. Rollbockverkehrs in die frühere Zeit der 1930er Jahre verschieben.

Wer mehr zum geschichtlichen Hintergrund über die Kleinbahn erfahren will der kann sich unter Wikipedia einen Überblick verschaffen (https://de.wikipedia.org/wiki/Nassauische_Kleinbahn).

Weiterhin gibt es hier ein paar interessante Bilder und Videos unter folgenden Links:
https://www.schmitzens-botanikseite.de/b...strie/nk/nk.htm
http://www.jakupka.de/nassklb.htm
• Video von 1934/35 (https://vimeo.com/233445225) oder hier (https://digit.wdr.de/entries/112959?inde...3D%3D&qt=search)
• Video von 1935 https://www.youtube.com/watch?v=QPv_Vb76Bq0

Im Forum Drehscheibe Online gibt es auch zwei weitere Berichte zur Nassauischen Kleinbahn:
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8487910
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8497703; Teil1
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8498911: Teil2
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8499868; Teil3
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8500937; Teil4
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8501996; Teil5
https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,8507642; Ergänzung

Wer tiefer in das Thema einsteigen will dem kann ich auch noch folgende Literatur nennen. Leider scheint es bis heute relativ wenig Dokumente über diese Bahn zu geben. Für weitere Literaturhinweise bin ich gerne zu haben.
• Jahn, Musick, Rosenkranz: Die Nassauische Kleinbahn; Eisenbahn Kurier-Verlag, Freiburg, 1978
• Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 1: Rheinland-Pfalz/ Saarland; Eisenbahn Kurier-Verlag, Freiburg, 1989, ISBN 3-88255-651-X
• Winfried Ott: Einsteigen bitte!: Erinnerungen an die Nassauische Kleinbahn. Verlag Heimatpflegeverein Blaues Ländchen, "Blaue Blätter" Bd. 15, Nastätten 2004, ISBN 3-9812486-0-0


ZOFF Betrachtung
Zwänge:
• Der Dachgeschossraum kann entsprechend folgenden Plan nahezu vollständig als Modelleisenbahnraum genutzt werden; Dachneigung 45°; Kniestock 0,55 m.
• Die Fenster und Türen sind zwingend zu beachten und machen die Sache leider komplex. Ebenso die Dachschrägen und daraus resultierende Höhen. Ein herausnehmbares Element wäre möglich oder aber auch eine Art Zugbrücke, wenn unbedingt erforderlich. Vielleicht auch in Kombination ein Fiddle Yard mit Kassetten, so dass das Fenster oder Tür zugänglich bleibt, wenn diese entfernt sind.
◦ Die zwei unteren Fenster im Raumplan müssen gekippt werden können. Ein Öffnen wäre nur selten nötig.
◦ Das rechte bodengleiche Fenster muss geöffnet werden können. Die beiden Randteile sind feststehend.
◦ Das obere bodengleiche Fenster muss geöffnet werden können.
• Die Position der Zimmertür ist fest; ein Anschlag nach außen ist wegen der folgenden Treppe nebst Geländer nicht möglich, sonst hätte ich diese auch nach außen aufgehen lassen können, was ja teilweise auch bei anderen schon umgesetzt wurde.
• Ein Durchbruch durch das Treppenhaus ist nicht geplant. Theoretisch könnte man so die beiden abgesetzten Teilflächen verbinden. Ob das wirklich Zielführend ist bin mir aber nicht sicher und da müssten sehr gewichtige Gründe dafür sprechen. Problem wäre hier die Wartung. Wenn ein Zug dort stecken bleibt kommt man nur mit der Leiter ran.
• Bauweise in Segmenten/Modulen auf stabiler Konstruktion, damit Bauabschnitte und Änderungen möglich sind
• Ein kleiner Büroarbeitsplatz bzw. Basteltisch nebst Schrankwand muss vorhanden sein.

Obligationen:
• Optimale Raumausnutzung
• Prototype Freelance Projekt nach Vorbild der meterspurigen Nassauischen Kleinbahn AG (NKAG) im Zustand vor 1929 mit 3 Streckenzweigen
• Modellmaßstab 1:87; Spurweite H0e (750mm) aufgrund vorhandenen Rollmaterials
• Gleismaterial Tillig Elite
• Point-to-Point, PAN
• Betriebsbahn, als Einzelspieler, zu zweit aber auch ein Betrieb innerhalb einer Gruppe sollte möglich sein.
• Manuelle Steuerung vor Ort mit digitaler Unterstützung soweit nötig, digitales Steuerungssystem offen, Motto:„So wenig wie möglich, so viel wie nötig“
• Wegen Prototype Freelance Projekt werden Lokomotiven und Wagen nicht der damaligen Realität entsprechen. Die typische Darstellung und Umgebung soll aber stimmen (Kleinbahnatmosphäre, Identität, Authentizität)
• Landschaft entsprechend der dargestellten Gegend (Einrich)
• Steigungsstrecken nach realem Vorbild, durchschnittliche Steigungen bis 33‰; maximal bis 36‰
• Zu enge Radien sollen vermieden werden. Mindestradius im sichtbaren Streckenbereich > 500 mm, ideal ca. 600 mm.
• Dampfbetrieb, auch erste Triebwagen (Benzol/Diesel) im Versuchsbetrieb mit z.B. Typ IV aus der Deutsche Werke Kiel AG DWK
• Personen- und Güterverkehr aber auch gemischt (Pmg, Gmp), betriebsorientiert
• Personenverkehr mit bis zu 3-5 Zugpaaren je Streckenast
• Umsetzgleise im Bahnhof mit 1 m bis 1,5 m (Nastätten) sollten ausreichend sein
• Fiktive Erzgrube im Mühlbachtal nahe Marienfels mit Grubenbahn vom Bahnhof Marienfels; Ladeverkehr; Lokschuppen
• Stückguttransport und Postverkehr
• Rollwagen bzw. Rollbockverkehr

Favoriten:
• Epoche II, 1930er Jahre
• Realistische Gestaltung der Landschaft mit Tälern, Bächen, Dämmen, Einschnitten
• Darstellung der Betriebsstellen wie in der Streckenübersicht aufgeführt.
• Dem Vorbild entsprechender Verkehr, mit Anpassungen an den Modellbahnbetrieb
• Zuglängen bis maximal 90 cm (Ganzzüge), sonst kürzer
• Erz-/Kalksteintransport auch als Ganzzüge
• Betriebsmittelpunkt im Sinne der Bahngesellschaft ist Nastätten mit kleinem BW/Hauptwerkstatt und Wagenwerkstatt, Güterschuppen, Ladestraße, Rampe, Landhandel, ...
• Weitere Anschlüsse: Ziegelei; Steinbruch, Kisten und Furnier Fabrikation, Mineralbrunnen, …
• Kurswagen zur Grubenbahn
• Fiddle Yards mit Lok- und Zugkassetten
• Kombinierter Fiddle Yard für Zollhaus, Sankt Goarshausen und Braubach
• Fahrstrecken zwischen den Betriebsstellen möglichst lang, > 6 m zwischen zwei Kreuzungsstationen
• Gute Erreichbarkeit der Gleise, Gleisanlagen nicht mehr als 60 cm von einer Anlagenkante entfernt, bei gestaltete Landschaft auch mehr möglich.
• Multideck Design Anlage, da sonst nicht realisierbar.
• Bedienung über Podeste oder erhöhte Bereiche sinnvoll
• Keine Passagen zum Kriechen; Durchgangshöhe minimal 1,2 m für seltenen nicht regelmäßigen Zugang, mehr als 1,45 m für Durchgänge beim Bedienen der Anlage im Einzelfall.
• Bedienergänge für eine Person mindestens 60 cm breit, besser 70 cm.
• Bedienergänge für zwei Personen mindestens 80 cm breit, besser 1 m
• Anlagenhöhe/Ebenen → offen, ca. 1,1 m und 1,5 m; Stehend an Strecke ca. 1,50 m; minimal 1,0 m
• Trennkulisse/Hintergrund (Himmelblau / Foto )

Fakultativa:
• Bahnhof Braubach, Sankt Goarshausen oder Zollhaus als gestalteter Prototype Freelance Bahnhof mit Umladeverkehr zur Staatsbahn (H0 Strecke nur angedeutet), 3 Schienen Gleise, Rollwagen bzw. Rollbockverkehr
• Rheinhafen

Raumplan
Den zur Verfügung stehenden Raum habe ich im Folgenden skizziert. Die schraffierte Fläche hat eine minimale Deckenhöhe von 1,85 m. Das Raster ist ein 1 m Raster.

Raumplan


Broccoli
Aus den Gedanken zur ZOFF Betrachtung habe ich für einen Überblick auch den Broccoli zum Projekt erstellt.

Broccoli – Nastätter Kleinbahn AG (NKAG)


Kartenübersichten und Höhenprofile
Die Einbindung der Nastätter Kleinbahn AG (NKAG) in das Streckennetz der Staatsbahn ist aus dem Ausschnitt der Eisenbahnkarte aus dem Januar 1926 zu ersehen. Der Streckenverlauf der Kleinbahn ist in Gelb eingezeichnet.

Eisenbahnkarte aus dem Januar 1926 mit dem Netz der Kleinbahn

Die folgende Landkarte zeigt den Streckenverlauf der ehemaligen Kleinbahn mit allen Stationen. Zusätzlich ist die erfundene und von mir geplante Grubenbahn von Marienfels in das Mühlbachtal in Orange eingezeichnet.

Landkartenübersicht

Die folgenden Zeichnungen geben zur Vollständigkeit die Höhenprofile der drei Teilstrecken des Kleinbahnnetzes mit allen Stationen wider. Diese basieren auf den realen Streckenverläufen der Nassauischen Kleinbahn AG, die ich auf Basis der topografischen Karten erstellt habe. Die maximalen Steigungen liegen bei etwa 33 ‰.

Höhenprofil – Nastätter Kleinbahn AG / Braubach – Nastätten


Höhenprofil – Nastätter Kleinbahn AG / Nastätten – Zollhaus


Höhenprofil – Nastätter Kleinbahn AG / Sankt Goarshausen – Nastätten


So, dass ist der erste Teil. Der zweite Teil soll eine Übersicht der möglichen Betriebsstellen mit deren Geschichte und dem daraus sich ergebenden Waren- und Güterverkehr zeigen. Das wird auch ein längeres Kapitel und ich muss dazu noch etwas Text auf das Papier bringen bevor ich das hier einstellen kann.

Viele Grüße
Frank

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Nastätter Kleinbahn AG NK

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02.02.2024 12:33
#2 RE: Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 1
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Hallo Frank,

bisher habe ich nicht geantwortet da du dies ja noch fortschreiben wolltest. Nun aber doch: Respekt für diese ausgefeilte konzeptionelle Vorarbeit und Präsentation derselben!

Und du hast tolle räumliche Möglichkeiten. Schrägen, Fensterzugänge usw. erfordern zwar einigen Gehirnschmalz, aber mit einer Multideckanlage, zumal wenn man keine Angst vor Podesten, Mushrooms usw. hat, sind das doch in H0e enorme Möglichkeiten! Und zwar ohne irgendwelche Hebewerke.

Bin gespannt auf die Fortsetzung!

Gruß,
Sebastian


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04.02.2024 20:05
avatar  Frank
#3 RE: Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 2
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Hallo,

wie versprochen geht es hier weiter mit den Gedanken zu einzelnen Bahnhöfen und Anschlüssen.
In diesem Abschnitt geht es um den Bahnhof Nastätten als zentralen Punkt und dem Streckenzweig nach Braubach. Dabei habe ich die Strecke von Nastätten bis Marienfels näher in eine Umsetzung einbezogen, da sich diese meiner Meinung nach gut einbeziehen läßt. Zur weiteren Streckenführung bis nach Braubach gibt es nur ein paar Überlegungen. Da muss man die weiteren Planungen sehen, ob das realistisch, sinnvoll und möglich ist.
Eine Darstellung eines Umladebahnhofs wie Braubach, Sankt Goarshausen oder Zollhaus habe ich noch nicht final entschieden. Es gibt Argumente dafür und dagegen. Wenn solch ein Bahnhof dargestellt werden soll, erfordert das deutlich mehr Platz. Der Einsatz von Rollböcken oder Rollwagen auf der Anlage wären auch gegeben, wenn die Züge aus dem Fiddle Yard kommen. Mögliche Rangiervorgänge wären nach aktuellen Überlegungen auch möglich, da ich an einigen Stellen 3 Schienengleise (1450mm/750mm) vorgesehen habe. Das erfordert deutlich weniger Platz und lässt solche Rangierszenen auch zu.
Auch wenn mit Darstellung eines Umladebahnhofs die Möglichkeit bestünde, größere Züge (linksrheinische Strecke für Sankt Goarshausen oder Braubach) aufzustellen, ich ein paar bevorzugte Ausstattungsdetails realisieren und das bisherige alte Rollmaterial (Märklin und Co.) zum Einsatz bringen könnte. Dies würde wohl eher auf eine Art Trainspotting hinauslaufen. Und das kennen ja viele: Jahre der früheren Sammlerzeit erfordern vielleicht dann doch einen radikalen Verkauf vieler der zusammengewürfelten Modelle aus allen Epochen. Nun, einige Wagen könnten auf den Rollböcken oder Rollwagen dem Transport dienen.
Ein Mehrgewinn durch die Anschlüsse wäre zwar gegeben (z.B. Hafen, Mühlenbetrieb), aber da könnten alternativ andere reale oder fiktive Anschlüsse auf der Strecke bedient werden. Aber mal sehen, vielleicht gibt es da noch eine Lösung.
So nun aber nach der Einleitung zum zweiten Teil.

Bahnhof Nastätten
Der Bahnhof Nastätten ist der Betriebssitz der Kleinbahn. Neben dem Hauptgebäude und dem obligatorischen Güterschuppen mit einem Ladegleis plane ich auch die angedeutete Darstellung der Werkstatt. Diese könnte für zusätzliche Rangierfahrten sorgen, wenn geplante und plötzliche Reparaturen oder Ausbesserungen nötig sind. Das soll hier aber nicht weiter ausgeführt werden.
Außerdem möchte ich den Ringlokschuppen mit Drehscheibe darstellen, was ich für eine Kleinbahn dieser Art ziemlich einmalig und Identitätsstiftend halte.
Das Ladegleis im Bahnhof soll als 3 Schienengleis ausgeführt werden und die Möglichkeit bieten, normalspurige Güterwagen abzusetzen. Neben den obligatorischen Gütereinrichtungen gab es in Nastätten auch einen Landhandel und einen Baustoffhandel.

Die folgenden Bilder zeigen einige Impressionen des Bahnhofs in Nastätten aus alter Zeit.


Bahnhofsgebäude Nastätten im Rohbau


Links vorne die Werkstatt und rechts am Rand das Empfangsgebäude mit Güterschuppen; um 1906


Im Hintergrund der Lokschuppen – Quelle Stadtarchiv Nastätten (Bildquellen Freigabe bei Verweis auf das Stadtarchiv)

Auf Grundlage eines Plans aus den Anfangsjahren und einem aus dem Jahr 1949 habe ich testweise einen möglichen Gleisplan des Nastätter Bahnhofs mit Railroad Professional und Tillig Elite H0e Gleis erstellt, der im folgende Ausschnitt dargestellt ist. Der Ausschnitt hat die Maße von etwa 350 x 90 cm. Teilweise sind die Weichen modifiziert von 18° auf 15° Abzweigwinkel. Alle Gleise sind Flexgleise. Im Bereich der Werkstatt habe ich die Anzahl der Gleise von 4 auf 3 reduziert. Die Längenausdehung ist im Maßstab 1:87 gehalten.


Bahnhof Nastätten – Ein erster Entwurf in H0e mit Tillig Elite Gleis

Baustoffhandel, Baugeschäft und Zementwarenfabrik Hehner - Nastätten
Am nordöstlichen Bahnhofskopf gab es einen Baustoffhandel. Im folgenden Bild ist dieser markiert. Wann dieser genau an dieser Stelle entstanden ist, konnte ich bisher nicht klären. Im Jahre 1926 gab es aber schon ein Baugeschäft und eine Zementwarenfabrik Hehner in Nastätten. Der Baustoffhandel hatte einen eigenen Gleisanschluss in Verlängerung des Ladegleises. Im Modell können hier einige Güter zugestellt werden.



Adressbuch Auszug für Nastätten aus dem Jahr 1926

Auf Basis einer alten Postkarte konnte ich folgende Darstellung des Geländes am Bahnhof erstellen.

Übersicht ehemaliges Bahnhofsgelände in Nastätten

Landhandel Wilhelm Gill - Nastätten
Der Landhandel wurde 1897 gegründet und lag direkt am südlichen Ende des Bahnhofes Nastätten an der Strecke nach Sankt Goarshausen. Die Firma handelte mit Landesprodukten, Baumaterial, Düngemitteln, Futtermittel, Kolonialwaren und Landmaschinen. Schon 1902 wurde ein Vertrag mit der Kleinbahn abgeschlossen und 1917 erfolge ein eigener Gleisanschluss zum Lagerhaus. Im Adressbuch von 1939 wird der Landhandel auch als Kohlenhändler geführt. Auch dies schreit nach der Umsetzung im Modell und bietet allerlei Transportaufgaben für den Warenverkehr.


Adressbuch Auszug für Nastätten aus dem Jahr 1926


Landhandel Gill in Nastätten am Bahnhof

Seidenspinnerei Kampf & Spindler - Nastätten
In Nastätten wurde ab 1908 eine Fabrik der Firma Kampf & Spindler eröffnet. Mehr zu diesem Unternehmen ist in Wikipedia zu finden. Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_%26_Spindler.
In einigen Quellen kann ich den Begriff Weberei lesen in anderen Quellen wird von einer Spinnerei gesprochen. Im Adressbuch von 1926 ist von einer Seidenfabrik die Rede. Im Modell werde ich von einer Spinnerei und Weberei ausgehen. 1939 sollen knapp 500 Personen beschäftigt gewesen sein.


Adressbruch Auszug für Nastätten aus dem Jahr 1926

Im Modell soll diese Spinnerei/Weberei einen eigenen fiktiven Gleisanschluss mit einem kleinen Brückenbauwerk über den Mühlbach bekommen, obwohl dieser real nie existierte, da das Ladegleis im Bahnhof in kurzer Entfernung lag. Die Weberei/Spinnerei hat zum Betrieb der Maschinen eine Dampfmaschine und benötigt regelmäßig Kohle. Die Rohstoffe wie Rohseide oder Garne werden per Bahn nach Nastätten angeliefert. Die Seidenstoffe werden über Braubach oder Sankt Goarshausen in Richtung Hilden in das Kontorgebäude der Firma Kampf & Spindler versendet.


Fiktiver Gleisanschluss der Spinnerei Kampf & Spindler auf einer Karte von 1949

Ein Bild der Spinnerei/Weberei habe ich in der Festschrift zum 100 Jährigen Jubiläum der Feuerwehr in Miehlen gefunden. Dies zeigt die Fabrik nach dem Brand 1930. Auf einer alten Postkarte auch eine Abbildung mit dem Bahnhof im Hintergrund (rechts der Lokschuppen, etwa Mittig die Werkstätte und links das Empfangsgebäude).


Quelle: Festschrift zum 100 Jährigen Jubiläum der Feuerwehr in Miehlen (1901 – 2001)


Spinnerei vor 1920, vorne rechts im Bild die Kleinbahntrasse


Ansichtskarte mit der Abbildung der Spinnerei aus den Anfangsjahren (1917?). Im Hintergrund das Bahnhofsareal.

Gaswerk - Nastätten
Das Gaswerk in Nastätten wurde 1908 in Betrieb genommen und war bis 1957 in Betrieb bevor es wegen Unrentabilität schloss. Betreiber war in den Anfangsjahren bis 1920 die Gasanstalt - Betriebsgesellschaft m.b.H. Berlin. Später erwarb die Stadt Nastätten das Werk. Die zur Gasgewinnung benötigte Steinkohle wird von der Kleinbahn angeliefert. Im noch heute erhaltenen Backsteingebäude war die benötigte Technik untergebracht. Im Jahr 1926 wurden in Nastätten die Gasstraßenlampen abgebaut und durch elektrische Straßenlampen der Mainkraftwerke MKW ersetzt, nachdem Nastätten an das Überlandleitungsnetz angeschlossen wurde. Das Gaswerk lag direkt an der Strecke der Kleinbahn in Richtung Zollhaus. Auf Bildern vom 04.02.1909 ist das Gaswerk sehr gut zu sehen. Das schreit im Model geradezu nach Umsetzung und einem erfundenen Gleisanschluss. Dieser soll außerhalb des südlichen Bahnhofskopf auf der Strecke nach Zollhaus liegen. Ich vermute, dass in der Realität die Kohle einfach seitlich von der Bahn auf das Gelände abgeladen wurde, wenn der Betrieb dies zuließ, da Kohle direkt am Rand der Bahntrasse zu sehen ist. Alternativ könnte die Zufuhr auch per LKW vom Bahnhof erfolgt sein.




Gaswerk Nastätten bei Hochwasser am 04.02.1909, direkt im Vordergrund die Kleinbahntrasse; Quelle Stadtarchiv Nastätten (Bildquellen Freigabe bei Verweis auf das Stadtarchiv)

Transportmengen am Gaswerk
Ich habe Angaben zu möglichen Verbrauchsmengen an Kohle in einem Gaswerk gesucht. Als Grundlage dienten mir Angaben zum Gaswerk Luzenberg in Mannheim (Link: https://www.rhein-neckar-industriekultur...s_luzenberg.pdf).
Darin heißt es, dass aus einem 1 m³ Kohle etwa 250 m³ Stadtgas gewonnen werden konnte. Dabei fielen gleichzeitig auch 0,5 m³ Koks an von denen die Hälfte direkt zum Heizen verwendet wurde und die andere Hälfte vermarktet wurde.
Aus der Geschichte des Nastätter Gaswerks konnte ich erfahren, dass das Werk für ein Kapazität von 400-800 m³ am Tag ausgelegt war. Dies würde aus obigen Angaben einen Kohlenbedarf von 1,6 m³ bis 3,2 m³ am Tag bedeuten. Im Modell könnte man daher einen Schmalspur Güterwagen mit Kohle am Tag zustellen. Die Effizienz des kleinen Gaswerks wird auch geringer gewesen sein.
Zusätzlich fallen dann auch bis zu 1,6 m³ Koks im Gaswerk am Tag an von denen dann 50%, also 0,8 m³ abgefahren werden könnten. Ein Teil könnte zu Heizzwecken für Haushalte verwendet werden. Ein anderer Teil könnte zur Blei- und Silberhütte in Braubach gefahren werden oder mit Umladung auf die Staatsbahn in andere Eisenerzhütten. Auch eine fiktive Gießerei in z.B. in Katzenelnbogen könnte ein Abnehmer sein. So wären auch Transportaufgaben innerhalb des Kleinbahnnetzes möglich.
Hier noch ein Bild vom gefüllten Behälter. Ich schätze das Volumen auf etwa 500 m³ (9 m Durchmesser und etwa 8 m Höhe).


Gasspeicher in Nastätten 1908

Sinaro Mineralbrunnen und Kohlensäure AG – Nastätten
Südlich von Nastätten gibt es schon lange ein Quelle, genannt Schwaller Sauerbrunnen. Auf dessen Basis soll es in Nastätten die fiktive Sinaro Mineralbrunnen und Kohlensäure AG geben. Zum besseren Verständnis dazu mehr historische Informationen.
Der Schwaller Sauerbrunnen südlich von Nastätten hat eine lange Geschichte. Bereits vor mehr als 1000 Jahren wurde er urkundlich erwähnt. Schon im Jahre 1484 schrieb der berühmte Chemiker und Leibarzt Dr. Jacob Theodor genannt „Tabernaemontanus" einiges Positives über die Quelle. Schon ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es Gedanken, die Mineralquelle kommerziell zur Anlage eines Bades oder einer Kur zu nutzen. Die Quelle selbst wurde 1860 gefasst. Kurz vor der Jahrhundertwende kaufte schließlich ein englischer Geschäftsmann das gesamte Anwesen und pachtete die Quelle von der Stadt Nastätten bis 1933. In London wurde die Firma „Sinaro Limited“ zur gewerblichen Nutzung gegründet. Danach wurde eine zeitgemäße Brunnenabfüllanlage mit einer Dampfmaschine gebaut. An der Abfüllanlage wurden Kisten mit den Mineralwasserflaschen gefüllt und zum Nastätter Kleinbahnhof gefahren. Die dazu benötigten Holzkisten wurden in Eigenregie zusammengezimmert. Die Erwartungen erfüllten sich aber in der Folge nicht. In den ersten Jahren des 20 Jahrhunderts wurden mit knapp 20 Mitarbeitern nur einige hunderttausend Flaschen jährlich abgefüllt die in die ganze Welt exportiert wurden.
Im ersten Weltkrieg wurde die Produktion eingestellt. Ein späterer kommerziell genutzter Betrieb wurde nur noch einmal zwischen 1947 und 1954 aufgenommen. Einige weitere Details hat noch das Stadtarchiv Nastätten.
Eine Ansichtskarte zeigt den Brunnenbetrieb 1907. Links das Haus mit der Abfüllanlage und weiter rechts in der Mitte die überdachte Quelle. In der Mitte die Mühlengebäude der Schwaller Mühle.


Ansichtskarte aus dem Jahr 1907

Im Modell plane ich nun, dass nach dem ersten Weltkrieg der Brunnenbetrieb und die Marke von einem weiteren Geschäftsmann gekauft wurde und der Brunnenbetrieb erheblich ausgebaut wurde. Dazu wurden im Jahr 1920 mehrere Bohrungen errichtet. Dabei wurde bei einer Tiefenbohrung eine starke Quelle erschlossen, die von selbst sprudelnd mit hoher Fontäne hervortrat.
Damit war der Grundstein für das hervorragende Wasser geschaffen, durch eine ganzjährige Abfüllung in Flaschen im großen Stil, seinen Siegeszug auf dem Markt antreten zu können.


Original Markenlabel des „Sinaro“ Mineralwassers


Foto: P. M.

Und kaum zu glauben aber das Wasser wurde 1905/1906 bis nach Argentinien geliefert. Im folgenden zwei Werbeanzeigen aus Argentien.



Aufgrund des hohen Kohlensäuregehaltes des Tiefbrunnens tat sich ein weiteres Geschäftsfeld auf. Die Kohlensäure Gewinnung zum Verkauf zu technischen Zwecken, die in Stahlflaschen gefüllt und über die Kleinbahn versendet werden sollte. Um den Transport der deutlich gestiegenen Gütermenge zu vereinfachen, wurden Verhandlungen mit der Kleinbahn für einen möglichen Gleisanschluss zum Mineralbrunnenbetrieb geführt. Hierzu wäre eine 2 km lange Trasse nötig gewesen, die ich im Folgenden dargestellt habe.


Fiktives Anschlussgleis zum Hof Schwall / Mineralbrunnen


Höhenprofil fiktives Anschlussgleis Hof Schwall / Mineralbrunnen

Aufgrund der damit verbundenen hohen Kosten und der Notwendigkeit nach einer größere Abfüllanlage wegen gestiegener Absatzmengen und dem Transportvolumen, entschloss sich der Betrieb schließlich zu einer Brunnen- und Kohlensäure Druckleitung vom Brunnenhaus beim Hof Schwall nach Nastätten und dem dortigen Bau einer modernen und größeren Abfüllanlage für das Mineralwasser und die Kohlensäure mit zusätzlichem Lager.
Zur Gewinnung der Kohlensäure (Kohlendioxid) aus den tiefen Brunnen wird diese zunächst in Behältern über den Bohrungen aufgefangen und gesammelt. Danach wird diese durch Rohrleitungen in die nahegelegene Fabrik gepumpt. Hier findet eine Reinigung statt. Dann wird sie bei einem Druck bis zu 80 Atmosphären in Stahlflaschen gepresst. Bereits bei einem Druck von 45 Atmosphären und einer Temperatur von 10 Grad Celsius wird Kohlensäure verflüssigt.
Der Bau der Anlage entstand direkt am Mühlbach in der Nähe des Nastätter Gaswerkes zwischen Nastätten und dem Gaswerk, so dass dessen Gleisanschluss mit einbezogen werden konnte. Dies habe ich in der folgenden Karte dargestellt.


Anschlussgleis des Gaswerks und der Sinaro Mineralbrunnen und Kohlensäure AG

Zunächst wurden die Druckgasflaschen in den Bahnhöfen zur Staatsbahn umgeladen, später kamen spezielle Normalspurwagons zum Transport der Kohlensäure hinzu, die mit Hilfe von Rollwagen bzw. Rollböcken transportiert werden.
Bezüglich möglicher Transportmengen der Kohlensäure habe ich recherchiert und es ist realistisch von einer täglichen Transportmenge von etwa einem bis drei Güterwagen auszugehen.


Kohlensäure Wagen der Firma Rommenhöller aus dem Jahr 1926


Rollwagenbetrieb 1952 der NKAG vor dem Bahnhof in Nastätten; Quelle Stadtarchiv Nastätten

Beispielhaft für ein Lagerhaus habe ich ein Bild der Neu Selterser Mineralquelle AG von 1927 im Bahnhof Stockhausen an der Lahn gefunden in der gut die Verladung der Wasserflaschen zu sehen ist.


Lagerhaus der Neu Selterser Mineralquelle AG von 1927 im Bahnhof Stockhausen/Lahn

Daneben auch noch ein Bild des Kohlensäurewerks der Gewerkschaft Bernhardshall in Leimbach um 1900. Es heißt hier, dass im Besitz der Bernhardshaller Gewerkschaft lediglich ein Feld verblieb, in welchem eine Kohlensäurelagerstätte erschlossen wurde. Das Gasvorkommen wurde als Rohstoff genutzt für ihre in ca. 3 km Entfernung (an der Bahnstrecke Salzungen-Vacha nahe Leimbach, errichtete Kohlensäure Fabrik.


Kohlensäurewerk der Gewerkschaft Bernhardshall in Leimbach, März 1900

Bahnhof Miehlen
Schon 1929 erfolgte die Stilllegung der Strecke Nastätten – Braubach für den Personenverkehr und 1932 für den Güterverkehr. Bis 1933 erfolgte auch der Streckenabbruch. Zwischen Nastätten und Miehlen gab es kurz nach dem Krieg noch Betrieb. Aber letztendlich war hier auch Mitte der 1950er Jahre Schluss.
Direkte Pläne habe ich vom Bahnhof Miehlen leider keine gefunden. Grundlage waren daher einige Bilder aus denen hervorgeht, dass der Bahnhof ein Kreuzungsgleis hatte und einen Anschluss an den Güterschuppen.
Im Modell wird bei mir die Strecke in Betrieb sein, da aufgrund des fiktiven größeren Transportvolumens mehr Personen und Güterverkehr sich einstellten.


Bahnhof Miehlen auf einer Postkarte aus dem Jahr 1908

Um mehr Betrieb im Bahnhof Miehlen zu ermöglichen sollen zwei fiktive zusätzliche Anschlüsse entstehen. Zum einen den der Molkereigenossenschaft Miehlen und zum anderen den der Holzwolle-, Spankorb und Furnier Fabrikation. Diese werden näher in den folgenden Kapiteln beschrieben. Der Bahnhof erhält auch ein 3 Schienen Ladegleis.

Der Bahnhofs Ausschnitt hat die Maße von etwa 250 x 50 cm.


Bahnhof Miehlen – Ein erster Entwurf in H0e mit Tillig Elite Gleis


Fiktive Anschlüsse der Molkerei und Fabrik in Miehlen

Molkereigenossenschaft – Miehlen
Im Einzugsgebiet der Kleinbahn habe ich etwas über zwei Molkereien gefunden. Zum einen die 1905 vom Wiesbadener Chemiker Köster gegründete Molkerei Römerkastell in Holzhausen, deren Milch mit Pferdefuhrwerken oder Lastkraftwagen angefahren wurde. Das Einzugsgebiet der Molkerei zog sich in südliche und östliche Richtung des Ortes Holzhausen. Die Molkerei Römerkastell stellte Trinkmilch, Butter, Schichtkäse, Quark, Sahne und Buttermilch her.
Zum anderen habe ich eine Quelle gefunden, in der beschrieben ist, dass 1938 in Miehlen an der Ausfallstraße nach Nastätten eine Molkerei gebaut wurde, die sich als Genossenschaft gründete.
Auch die Lollschieder milchproduzierenden Landwirte schlossen sich an. Daraus schätze ich für die Molkerei einen Einzugsbereich von etwa 5 bis 6 Kilometer. Die Milch wurde in verzinnten 20 Liter oder 10 Liter fassenden Kannen zum örtlichen Milchbock gebracht und dort von einem Lastwagen abgeholt und zur Molkerei gebracht. In der topografischen Karte von 1936 ist auch am nordwestlichen Ortsausgang von Miehlen eine Molkerei verzeichnet über die ich keine weiteren Informationen finden konnte. Vielleicht war dies ein älteres Molkereigebäude, dass nicht mehr den Anforderungen gewachsen war.


Beispiel einer Molkerei in Glandorf, Oktober 1944; Foto: Hans Hasekamp
Quelle: Heimatverein Hagen a.T.W.; https://heimatverein-hagen-atw.de


Für mein Modellbahnprojekt habe ich die 1938 entstandene Molkerei in die Nähe des südlichen Bahnhofskopfs von Miehlen verlegt und mit Gleisanschluss versehen wie das aus dem vorherigen Bild zu sehen ist. Diese kleine Molkerei wurde 1970 durch Zentra-Molkereien Rhein-Main e.G. übernommen aus der später auch die Moha und Zentra – Vereinigte Milchwerke GmbH wurde.
Die Milch aus den umliegenden Gemeinden wird dort mit Fuhrwerken oder Lastkraftwagen angeliefert. Die Molkerei stellt verschiedene Produkte wie Trinkmilch, Sahne, Butter, Quark, Joghurt, Dickmilch, Buttermilch und Käse her die nach Braubach/Koblenz und in Richtung Zollhaus/Wiesbaden versendet werden. Zum Betrieb der Anlagen wird eine Dampfmaschine eingesetzt. Die benötigte Kohle wird mit Fuhrwerken vom Bahnhof angefahren.
Zu möglichen Frachtmengen habe ich versucht einige historische Dinge zusammen zu tragen. Daraus ergibt sich, dass die Molkerei täglich etwa 15000 Liter Milch zur Verarbeitung erhält und 1-2 Kühlwagen an Molkereiprodukten jeden Tag versenden könnte. In einem Jahresbericht zur Milcherzeugungsprüfung von 1956 des Landeskontrollverband Rheinland Pfalz fand ich Angaben zur Molkerei in Miehlen. Demnach betrug der gesamte Kuhbestand im Einzugsbereich 2071 Milchkühe mit einer durchschnittlichen Milchleistung von 3372 kg pro Jahr. Das wären am Tag ca. 19000 Liter Milch.

Holzwolle, Spankorb und Furnierfabrikation - Miehlen
Die fiktive Holzwolle, Spankorb und Furnier Fabrikation Rodenberger in Miehlen hat sich direkt am Bahnhof niedergelassen. Kleinere Mengen der Spankörbe und Holzwolle wird über den Stückgutverkehr nach Nastätten und andere Orte des Kleinbahnnetzes geliefert. Größere Mengen werden mit dem Wagenladungsverkehr auf die Staatsbahn umgeladen und weiter versendet. Die Fabrik hat auch die Möglichkeit das 3 Schienen Gleis für normalspurige Güterwagen zu nutzen.
Beispielhaft stelle ich mir diese Fabrik in etwa so vor und eine passende Geschichte habe ich mir auch ausgedacht.


Quelle Wikipedia: Historische Aufnahme von Grötzenberg, Gemeinde Nümbrecht,
ca. 1915-1920 entstandene Metallwarenfabrik Limburg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c...Groetzenb-1.jpg


Die Geschichte der Holzwolle, Spankorb und Furnier Fabrik Rodenberger
Bereits im Jahr 1889 wurde die Spankorbfabrik gegründet, um Spankörbe für das in der Region angebaute Obst zu produzieren. Der Obstanbau ist für die Region auch eine Einnahmequelle und der Bedarf an Spankörben wuchs stetig. Das Holz aus der näheren Umgebung bildet den Rohstoff für die Fertigung. Das Holz wird in 2 mm starkes Schälfurnier aufgetrennt und in 8 - 10 cm breite Leisten gesägt. Daraus werden dann bis zu 1000 Stück am Tag geflochten, die dann auch mit der Kleinbahn versendet werden.
Teilweise wurde das Holz auch zu Holzwolle verarbeitet.
Im Jahr 1912 begann man, die gesammelte Erfahrung aus dem Schälen des Holzes für die Produktion von Holzfurnieren zu nutzen. Es entstand ein neuer Geschäftszweig und Erweiterungen der Produktionsanlagen. Die Produktionsschritte zur Furnierherstellung und Anlagen im folgenden.

• Holzplatz / Stammholzlager
• Dämpfgrube
• Entrindungsanlage
• Schälanlage
• Produktionshalle mit Trocknung
• Versandlager


Quelle Wikipedia, Fritz Becker KG 2007

Ziegelei und Haltepunkt Knabsmühle - Miehlen
In einer topographischen Karte aus dem Jahr 1936 ist nördlich von Miehlen direkt am Hauserbach in der Nähe der Ehrlichsmühle bzw. Knabsmühle eine Ziegelei verzeichnet. Diese Ziegelei wurde 1908 von Ernst Braun erbaut, der diese nach dem ersten Weltkrieg an Valentin Scholler verkaufte die dann unter Erstes Nassauisches Hartsteinwerk, Inh. Val. Scholler firmierte. Diese Ziegelei wurde 1933 abgerissen. Später ist ein neuerer Bau entstanden. Einige Bauten dieser Ziegelei gibt es noch heute. Sie firmiert unter dem Namen „Taunussteinwerk Schmidt GmbH“, wenn gleich es die Ziegelei als solche nicht mehr gibt. Geschichtliches konnte ich über diese Ziegelei nichts finden. In einem alten Adressbuch von Miehlen aus dem Jahr 1926 erscheint ein Karl Georg Ludwig III. als Backsteinfabrikant.


Auszug aus der topografischen Karten aus dem Jahr 1936


Miehlener Ziegelei nach dem ersten Weltkrieg – 1908 von Ernst Braun erbaut; Quelle unbekannt

Wahrscheinlich hatte die Ziegelei zu Betriebszeiten der Strecke keinen Gleisanschluss zur Kleinbahn in Höhe der Knabsmühle auch wenn Beschriftung des Bildes anderes vermuten lässt. Andere Hinweise auf solch einen Anschluss habe ich nicht gefunden. In meiner Vorstellung existiert ein solcher.


Fiktive Lage des Ziegelei Anschluss am HP Knabsmühle bei Miehlen


Übersichtsdarstellung des HP Knabsmühle mit der Mühle und der Ziegelei

Im Modell stellt die Ziegelei Tonprodukte wie Ziegelsteine und Tonrohre her. Dachpfannen sollen nicht produziert werden, da zu früheren Zeiten in dieser Gegend sehr häufig Schiefer verwendet wurde. Die Produkte werden lokal vertrieben, innerhalb des Streckennetzes transportiert und teilweise auch nach Braubach, Sankt Goarshausen und in Richtung Zollhaus (Wiesbadener Raum) versendet. Die Zufuhr von Ton erfolgt mittels Feldbahn oder Transportseilbahn aus der näheren Umgebung. Zum Betrieb des Brennofens wird viel Kohle benötigt.

Bahnhof Marienfels
Der ursprüngliche Bahnhof Marienfels hatte nur ein Ausweichgleis und Wartehäuschen aus Wellblech. Auf einer Postkarte habe ich eine Darstellung des Bahnhofes gefunden.


Bahnhof Marienfels, im Bild rechts am Rand das hell erscheinende Wartehäuschen

Ganz nach Prototype Freelance Art soll dieser Bahnhof erweitert werden. Neben dem Wellblech Wartehäuschen soll ein kleiner Güterschuppen entstehen. Vielleicht auch ein kleines Stationsgebäude mit Güterschuppen. Ein zusätzliches Ladegleis für die Dachschieferverladung des Dachschiefersteinbruchs (links hinten im Bild am Waldrand) und die Anlagen für die fiktive Grubenbahn in das Mühlbachtal sollen vorhanden sein. Details dazu in den folgenden Kapiteln.


Bahnhof Marienfels mit Anschluss der Grubenbahn und der Feldbahn zum Dachschiefersteinbruch

Dachschiefersteinbruch am Marienstein - Marienfels
Am Marienstein befand sich 1891 ein Dachschiefer Steinbruch (Ds), was in einer alten geologischen Karte zu sehen ist. Der Steinbruch am Marienstein existierte auch noch auf einer Karte 1936.
Im Modell soll der dort gewonnene Schiefer mit einer Feldbahn zum Bahnhof nach Marienfels und zur weiteren Verladung auf die Kleinbahn gebracht werden. Die Feldbahn könnte im Modell angedeutet werden.
Aufgrund des relativ kleinen Betriebes fallen unregelmäßige Abfuhren über die Kleinbahn an.
Ein Beispiel solch eines kleinere Schieferbruchs im Folgenden.


Schieferbruch; September 1948; Landeseigener Schieferbruch in Lehesten im Thüringer Wald.


Blick über Miehlen nach Marienfels. Im Hintergrund rechts neben der Kirche gelegen der Dachschiefersteinbruch; Aufnahme 1939

Grubenbahn / Gruben im Mühlbachtal - Marienfels
Die fiktiven Gruben im Mühlbachtal sind im Modell über die Grubenanschlussbahn an den Bahnhof Marienfels angeschlossen. Um den bei der Nassauischen Kleinbahn schon im Jahre 1930/1932 eingestellten Güterverkehr und den Rückbau der Strecke Miehlen – Braubach entgegenzuwirken habe ich diese Gruben erfunden, die aber auf realen geologischen Gegebenheiten basieren. Dazu gebe ich einen Auszug mit Karte aus dem Berg- und Hüttenwesen im Herzogtums Nassau von 1865 wieder. Dort werden die verschiedenen Erzgänge im Gebiet an der Lahn gezeigt.


Erzgänge im Gebiet der Lahn aus der Schrift Berg- und Hüttenwesen im Herzogtums Nassau von 1865

Auf der preußischen geologischen Karte von 1891 mit dem Ausschnitt nördlich von Marienfels werden die Aufschlüsse und Gruben gezeigt. In den Erklärungen zur Karte sind hier die Gruben Wilhelm, Guter Geselle, Hasseldelle, Rauschethal, Basselstein und Heinrich beschrieben die eine Verleihung auf Blei, Silber, Kupfer und Zink besitzen. Auch westlich von Marienfels gab es eine Grube Horchberg mit der selten Gangart Schwerspat (Baryt). All diese Gruben liegen im Bereich des 6. Gangzuges bei Geisig.




Auszug aus der geologischen Karte von 1891

Die Aktivitäten des Bergbaues waren dort aber wohl schon um 1900 alle eingestellt. In meiner Vorstellung wurden dort nach dem ersten Weltkrieg Erkundungsgrabungen gemacht und im Jahr 1920 neue ergiebige Erzgänge in größerer Tiefe entdeckt. Eine Grubengesellschaft bildete sich und begann im Mühlbachtal mit dem Aufschluss. Ein größeres Stollensystem entstand. Die neuen Gruben im Mühlbachtal tragen die Namen Katharina I und Theresa II, in denen hauptsächlich Blei-, Silber, Kupfer- und Zinkerze (Pb, Ag, Cu, Zn) abgebaut werden. Insbesondere große Vorkommen an Silbererzen sind hier zu finden.
An der Grube wurde ein Förderturm mit Maschinenhaus und Dampfmaschine und weitere Anlagen gebaut.
Ein Transport der Erze mit Fuhrwerken aus dem Mühlbach Tal war aufgrund der Mengen und der abseits gelegenen Lage nicht möglich und sinnvoll. Die Grubengesellschaft suchte nach einer Lösung, die mit der Grubenbahn und dem Anschluss an die Kleinbahn gefunden wurde. Die Grubenbahn konnte mit leichter Steigung bis 23 ‰ bei einer Länge von etwa 5,1 km nach Marienfels geführt werden. Hier bot sich die Ausführung in 750 mm Spurweite an, da damit eine einfache Abfuhr zur Verhüttung der Blei, Silber, Kupfer- und Zinnerze zur Blei- und Silberhütte nach Braubach über die Kleinbahn möglich war.


Grubenanschlussbahn von Marienfels ins Mühlbachtal


Höhenprofil – Nastätter Kleinbahn AG (NKAG) / Marienfels – Mühlbach Gruben

Die Alternative Abfuhr der Erze nach Norden in Richtung Nassau wäre mit fast 8 km deutlich länger, in engeren Kurven durch das Tal und mit größerem Höhenunterschied von über 100 m verbunden gewesen.

Mit dem Erztransport hatte die Kleinbahn hier ein einträgliches Geschäft.
Die Gruben beziehen Kohle und Baumaterialien über die Kleinbahn. Ebenso könnte die Kleinbahn wochentags und samstags einen Kurswagen für die Arbeiter von Braubach und aus Richtung Nastätten zur Verfügung stellen, die in Marienfels an die Grubenbahn übergeben werden und diese ins Mühlbachtal fährt. (Da läßt die BAE III grüßen )


Beispiel einer Grubenanlage, hier Grube Friedrichsegen aus dem Jahr 1905



Ein weiteres Beispiel; Grube Fortuna in der Nähe von Braunfels

Haltestelle Gemmerich – Sägewerk
Die Haltestelle Gemmerich hatte ein Nebengleis und ein kleines Sägewerk lag direkt am Gleis. Das könnte im Modell dargestellt werden. Allerdings würde ich wenn Platz vorhanden ist eher zum Bahnhof Dachsenhausen tendieren.

Bahnhof Dachsenhausen
Der Bahnhof Dachsenhausen hatte ein kleines Bahnhofsgebäude mit Güterschuppen, einen Wasserturm und 2 bis 3 Gleise. Da Dachsenhausen relativ dicht von Wald umgeben ist, könnte ich mir hier fiktiv auch ein größeres Sägewerk vorstellen.

Dampfsägewerk – Dachsenhausen
Da Dachsenhausen vom Wald umgeben ist, könnte sich hier fiktiv auch ein größeres Sägewerk angesiedelt haben. Es erhält Stammhölzer nicht nur aus der näheren Umgebung. Es könnte auch Stammholz aus dem ganzen Gebiet der Kleinbahn zugeführt. Insbesondere aus Richtung Katzenelnbogen. Produziert wird Schnittholz (Bauholz), das in alle Richtungen geliefert wird. Vorstellbar wäre auch ein paar Holzlieferung zu den Gruben im Mühlbachtal und nach Nastätten zur Kleinbahn.


Beispiel Dampfsägewerk Krömmelbein II (Bildquellen Freigabe liegt mir vor)


Beispiel eines Dampfsägewerkes Zellwald bei Siebenlehn um 1900 auf Postkarten


Haltestelle Hinterwald – Holzladestelle
Zwischen Dachsenhausen und Bogel gab es eine Haltestelle Hinterwald. Hier wäre eine Holzladestelle für Stammholz aus den im Umkreis liegenden Waldgebieten möglich. Das Stammholz kann von dort im Bereich der Kleinbahn zu den holzverarbeitenden Betrieben gebracht werden oder in Richtung Braubach zum Hafen.

Blei und Silberhütte - Braubach
Die Blei- und Silberhütte in Braubach ist ein Kapitel für sich. Einen angedeuteten Anschluss kann ich mir vorstellen, wenn die Strecke im Modell bis dahin dargestellt wird, ansonsten wäre diese vom Betrieb gesehen im Fiddle Yard.
Die direkte Darstellung der Blei- und Silberhütte möchte ich im Modell aber aus Platzgründen nicht angehen und das im Modell zu verwirklichen ist ein eigenes Projekt.
Dennoch möchte ich zur Erläuterung bezüglich späteren Warenladungsverkehr die Geschichte der Blei- und Silberhütte in Braubach und den Zusammenhang mit der Kleinbahn beschreiben. Das historische Forum Drehscheibe Online bietet da in der Tiefe noch einiges an Bilder, wer sich dafür interessiert.

Schon Ende des 17. Jh. wurden in der Umgebung von Braubach Blei-, Zink- und Silber-Erze abgebaut und verarbeitet. Am Anfang wurde die Hütte als Silberhütte für die örtlichen Bergwerke betrieben. Nach dem Versiegen der Silbererze wurde auf die Verhüttung von Blei umgestellt. In der Umgebung gab es einige Bergwerke mit Namen wie Viktoriastollen, Albertschacht, Schacht Phillipp, Moritzstollen, Segengottesstollen und Grube Rosenberg. Die Grube Rosenberg wurde 1963 als Letzte geschlossen.
Im Modell soll aufgrund der beschriebenen fiktiven Erzvorkommen die Geschichte der Blei- und Silberhütte einen etwas anderen Verlauf nehmen. Es werden weniger Bleierze dafür aber mehr Silbererze verarbeitet.

Zu möglichen Transportmengen habe ich eine interessante Angabe aus dem originalen Geschäftsbericht von 1909/10 gefunden, in der beschrieben wird, dass die Hütte über 26000 t Blei und 40 t Silber im Jahr produziert hat. Das wären bei 6 Tagen in der Woche mehr als 80 t Blei am Tag (= ca. 8 m³)!



In den Anfangsjahren, benötigte die Hütte für ihren Prozess Kalksteine. Aus dem Geschäftsbericht von 1920 kann ich entnehmen, dass ein eigener Kalkbruch in der Nähe von Hohlenfels eröffnet wurde.


Auszug aus dem Geschäftsbericht der Blei- und Silberhütte aus dem Jahr 1920


Braubacher Blei- und Silberhütte im Jahr 1916


Braubacher Blei- und Silberhütte um 1870

Die Geschichte der Braubacher Blei- und Silberhütte
Im Folgenden ein Auszug aus der Unternehmensgeschichte in Anlehnung an die Braubacher Blei- und Silberhütte.

- 1769 In der Gemarkung Ehrenthal werden Erzadern entdeckt. Der Sachsenhäuser Hof lässt hier ein Erzbergwerk errichten und pachtet für 15 Jahre die in Konkurs geratene Braubacher Hütte.
- 1849 Die französische "Compagnie Aubert" erwirbt das Sachsenhäuser Werk mit dem Hüttenbetrieb
- 1852 Eine erste Dampfmaschine ergänzt das Wasserrad
- 1855 Familie Fade übernimmt den Betrieb
- 1877 Die Familie Fade verkauft den Betrieb an "Goldschmidt & Söhne" in Mainz
- 1887 Bau des ersten Kamins auf dem Berg Pankert mit einem etwa 600 m langen Rauchgaskanal
- 28.05.1896 Gegründet
- 1897 Bau einer Seilbahn zum Transport der Schlacke auf die am Berghang befindliche Schlackenhalde.
- 1898 Bau des zweiten Kamins auf dem Berg Pankert
- 1899 Umfirmierung in "Blei- und Silberhütte Braubach A.G." mit Sitz in Frankfurt/M. Die Hütte entwickelt sich nun zum Industriebetrieb.
- 1902 Die Nassauische Kleinbahn eröffnet den Betrieb zwischen Miehlen und Braubach Kleinbahnhof. Er wird in folgenden Jahr zur Staatsbahn und zum Hafen am Rhein mit Dreischienengleis erweitert.
- 1904 Bau von Wohnhäusern für die Beschäftigten
- 19.08.1905 Baubeginn einer Dampfmaschine durch Kuhn/Maschinenfabrik Esslingen.
- 1906 Bau eines Übernachtungsgebäudes
- 1910 Bau des dritten Kamins auf dem Berg Pankert
- 1920 (fiktiv) Nach den ergiebigen Funden von Erzen im Mühlbachtal bei Marienfels schließt die Blei- und Silberhütte einen Vertrag mit der Grubengesellschaft und der Kleinbahn. Die geförderten Blei-, Silber-, Kupfer- und Zinnerze sollen von ihr verhüttet werden. Die Kleinbahn ist für den Transport verantwortlich. Dies führt zu einer Belebung der gesamten Strecke zwischen Braubach Rhein und Nastätten. Die Zukunft der Blei- und Silberhütte ist gesichert.

Bahnhof Braubach
Zum Bahnhof Braubach möchte ich zur Vollständigkeit halber den Gleisplan aus dem Jahr 1962 schematisch einstellen.


Schematischer Gleisbahn vom Bahnhof Braubach im Jahr 1962

So, damit schließe ich den zweiten Teil zur Nassauischen Kleinbahn AG. Ich hoffe das ganze ist Euch nicht langweilig, aber wie gesagt ich wollte erst Wissen welche Transportaufgaben die Bahn hat, um dann in die konkrete Planung einzusteigen.
Der nächste Teil wird die Strecke in Richtung Zollhaus näher betrachten. Dies wird aber etwas dauern, um das zusammen zu bringen.

Viele Grüße
Frank

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04.02.2024 20:59
#4 Chapeau!!
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Schuur Frank,
schuur ihr Jonge,

was für eine wunderbare "Rahmengeschichte" zur NKAG! Realität und Fiktion fein verwoben zu einem schlüssigen Ganzen. Dafür meinen vollsten Respekt!

Ich bin gerne mit auf die Reise in die Geschichte Deiner "NKAG" gegangen. In der Tat, so hätte es sein können.

Auf die Umladebahnhhöfe Braubach, St. Goarshausen und Zollhaus kann man sicher verzichten und diese im "OFF" ansiedeln. Bei genug Platz ist insbesondere Braubach sicherlich sehr reizvoll.

Grüße vom Exilsiegerländer aus Butzbach in der Wetterau

Hartmut

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04.02.2024 21:15 (zuletzt bearbeitet: 25.02.2024 20:19)
avatar  Gilpin
#5 RE: Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 2
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Hi Frank,

das ist wirklich irre, was Du hier (erneut) lieferst!

Ich habe noch nicht alles verdaut und erlebe mir nur eine einzige Nachfrage: Was heißt bzw. hieß Sinaro? Das erinnert mich an Sinalco, Kurzform von Sin Alco...

Den Rommenhöller-Wagen gab's als Modell. Ich wäre aber überhaupt nicht überrascht, wenn Du den schon hättest!

Ich freue mich auf weitere Ausarbeitungen und werde mir schon mal den Wolff 'reinziehen,
Bis dahin,
Reiner


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04.02.2024 21:32
avatar  Frank
#6 RE: Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 2
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Hallo Reiner,
warum die reale Marke Sinaro hieß weiß ich in der Tat nicht. Da hat die ganze Recherche auch nichts weiteres hervorgebracht. Da müsste man mal 100 Jahre in die Vergangenheit reisen und den englischen Geschäftsmann fragen.
Den Wagen habe ich tatsächlich noch nicht, aber der müßte im Modell noch die passende Aufschrift bekommen. Aber dazu wird bei diesem Projekt noch viel Zeit sein. Da gehöre ich zu den Leuten mit sehr viel Ausdauer.
Noch einen schönen Abend.

Grüße Frank


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05.02.2024 08:15
avatar  Frank
#7 RE: Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 2
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P.S. Noch eine kleine Korrektur.
Zwischen Dachsenhausen und Braubach liegt natürlich Becheln und nicht Bogel. Das ist auf der Strecke nach Sankt Goarshausen. Da hatte ich mich verschrieben.

Grüße Frank


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05.02.2024 12:20
#8 RE: Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 2
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Hallo, die drei Silberbergwerk-Schornsteine auf dem Braubacher Berg Pankert sind heute noch da:
Braubach_0222.JPG ("da wird der Berg geheizt").
Das Bild wurde vom Schiff aus gemacht, rechts ist die Marksburg zu sehen.

Mit Hp1-Gruß - Helmut


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05.02.2024 12:55 (zuletzt bearbeitet: 05.02.2024 15:24)
#9 RE: Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 2
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Moin,

die drei Essen gehören zur Hütte und nicht zur Grube. Ich meine mich zu erinnern, dass im Südlahn-Revier das Silber mineralogisch am Bleiglanz hing. D.h. aus den Bleikonzentraten hat man zunächst Werkblei erschmolzen und im nächsten Arbeitsgang das Silber abgezogen - der berühmte Silberblick. Das entsilberte Blei war dann verkaufsfähiges Hüttenblei. Ergo hätte man die Hütte in Deiner Erzählung gar nicht umbauen brauchen. Anders sieht es bei Kupfer und Zink aus; fast alle Westdeutschen Metallerzgruben haben ihre Zink- und Kupferkonzentrate an die großen Hüttenwerke in Datteln, Oker später Nordenham verkauft.

Die Hütte in Braubach hat übrigens wie die Harzer Metallhütten schon früh auf Auslands-Erze und später Recycling umgestellt, nur so konnte der Betrieb bis heute überleben.

Grüße

Jörn


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25.02.2024 18:54 (zuletzt bearbeitet: 25.02.2024 18:56)
avatar  Frank
#10 RE: Konzeption zur Nastätter Kleinbahn AG – NKAG / Teil 3
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Hallo,

und weiter zur Nastätter Kleinbahn AG als Protoype Freelance Projekt auf Basis der Nassauischen Kleinbahn AG. Im Folgenden soll der mögliche Streckenzweig von Nastätten nach Zollhaus im Aartal beschrieben werden.

Kleinbahn Strecke von Nastätten nach Zollhaus
Der Streckenzweig von Nastätten nach Zollhaus wird in der folgenden Karte noch einmal dargestellt.


Streckenverlauf der Kleinbahn zwischen Nastätten und Zollhaus

Von Nastätten geht es steil bergauf zu dem Haltepunkt Martenroth, der abgelegen von den umliegenden Dörfern Martenroth und Grebenroth lag und zeitweise gar nicht bedient wurde, da vermutlich das Verkehrsaufkommen zu gering war. Mir scheint daher die Darstellung auf der Anlage nicht notwendig, um Platz zu sparen.
Die nächste Station ist der Bahnhof Holzhausen. Er soll zwei bis drei Gleise besessen haben. Leider habe ich dazu keinen Gleisplan. Der Bahnhof hatte für die Reisenden nur eine Wellblechhütte und ein nahe gelegener Restaurationsbetrieb war als Agenturgebäude für die Bahn aktiv. Am Ort gab es meines Wissens keine kleineren oder größeren Firmen, die den Ladungsverkehr belebt hätten. Bisher hatte ich nur von der auch früher schon genannten Molkerei gehört. Ich denke, dass auf eine Darstellung für den Modellbetrieb verzichtet werden kann.
Weiter auf der Strecke folgte der Haltepunkt Römerkastell. Dieser diente den Reisenden (angrenzend ein Römerkastell) als Ausgangspunkt. Das wäre betrieblich für einen Personenzug interessant, vielleicht auch zeitweise ein Sonderzug an Wochenenden oder Feiertagen.
Eine Alternative zur Kompression sehe ich aber die folgende Haltestelle Berndroth-Rettert. Hier gab es wieder eine Wellblechhütte und angrenzend das Gasthaus Waldeslust. Die Station besaß ein kurzes Ladegleis mit Rampe (Stammholzverladung). Das könnte als Zwischenstation auf diesem Streckenzweig dienen. Aus verschiedenen Bildern habe ich einen möglichen Gleisplan skizziert.


Entwurf der Station Berndroth-Rettert

Mit ähnlichem Umfang folgte die Station Mittelfischbach, die dann aber schon relativ nahe bei Katzenelnbogen lag.

Porphyr Steinbruch – Katzenelnbogen
Auf topographischen Karten von 1936 ist nordöstlich von Allendorf am Stein-Kopf ein Steinbruch zu sehen. Dieser ist auch heute noch in Betrieb (Basalt-Union GmbH). In einer geologischen Karte von 1886 ist das Porphyr Vorkommen dargestellt (bräunlich-rötlich). Dieses reicht bis südwestlich von Katzenelnbogen. In einer topografischen Karte von 1936 konnte ich auch südwestlich des Ortes Katzenelnbogen einen Steinbruch finden, der ganz in der Nähe der Kleinbahn lag. Daher soll dort ein fiktiver Gleisanschluss an die Kleinbahn erfolgen, der vom Bahnhof Katzenelnbogen aus bedient wird. Der Porphyr des Steinbruchs wird als Baumaterial versendet. Ich konnte sogar Bilder des ehemaligen Steinbruches auf einer alten Postkarte finden.

• Gestein: Lahn Porphyr
• Schlagzertrümmerungswert: ~ 21,5
• Rohdichte: ~ 2,55 g/cm³
• Produkte: Edelsplitt, Sande, Gesteinskörnungsgemisch




Karte von Katzenelnbogen mit Steinbruch am westlichen Ortsrand


Ausschnitt einer Ansichtskarte mit Steinbruch südwestlich von Katzenelnbogen (ca. 1920)

Bahnhof Katzenelnbogen

Den Bahnhof Katzenelnbogen würde ich gerne im Modell nachbauen. Dazu habe ich einen Rekonstruktionsversuch des Gleisplanes mit den mir vorliegenden Informationen gemacht. Inzwischen bin ich auch auf der Seite von Horst Wilhelm Bauer gestoßen, mit dem Original Gleisplan und tollen Zeichnungen zum Bahnhofsgebäude https://einszufuenfundvierzig.blogspot.com/p/nkag.html.
Das Bahnhofsgebäude ist im folgenden Bild dargestellt, das aus einer Postkarte stammt. Ein Schuppengleis, ein Lade-/Abstellgleis und ein weiteres Ladegleis mit Rampe und in späteren Jahren eine Lagerhalle ist auf dem Bahnhofsgelände vorhanden.


Bahnhof Katzenelnbogen, links Weiche zum Gleis 5, rechts Weiche zum Gleis 2 und 3


Rekonstruktion des Bahnhof Katzenelnbogen der NKAG


In Bildmitte unten der Gleisbogen zum Bahnhof Katzenelnbogen; rechts davon der Lagerschuppen

Ich möchte im Modell den Bahnhof noch mit einem zusätzlichen Anschlussgleis zu einer kleinen Fabrik oder der Mühle im Süden (Neumühle) erweitern und außerdem eine Brauerei im Süden ansiedeln.


Bahnhof Katzenelnbogen mit seinen fiktiven Anschlüssen

Lagerschuppen / Raiffeisenlager - Katzenelnbogen
Der auf den Bildern des Bahnhofs Katzenelnbogen erkennbare kleine Lagerschuppen bzw. die Lagerhalle am nördlichen Ladegleis, soll als Basis für ein Raiffeisenlager mit Kohlenhandlung dienen. Ob dies an dieser Stelle tatsächlich so war konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Es gibt aber an dieser Stelle noch heute einen solchen Markt mit Tankstelle. Als Inhaber wird im Modell ein gewisser Heinrich Göller in Erscheinung treten, dessen Name ich in einem Adressbuch von Bogel aus dem Jahr 1926 als Betreiber des dortigen Raiffeisenlagers gefunden habe. Also ein typischer Name in der Gegend.


Auszug aus dem Adressbuch für Bogel von 1926

Taunussprudel / Mineralbrunnen - Katzenelnbogen
Südöstlich von Katzenelnbogen im Dörsbachtal findet man den Brunnenbetrieb Taunussprudel. Dieser wurde 1912 von Karl und Erich Schmidt gegründet. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde dort Mineralwasser abgefüllt und ausgeliefert. Dabei waren bis zu 20 Personen beschäftigt. Im Modell soll ein Versand des Wassers über den Kleinbahnhof in Katzenelnbogen mit dem Stückgutverkehr erfolgen. Ob dies jemals in der Realität erfolgte oder nur örtlich begrenzt über LKW konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Messing Gusswaren Fabrik – Katzenelnbogen
Geschichtlich betrachtet wurde lange Zeit insbesondere östlich von Katzenelnbogen Eisenerz gewonnen. Anfang des 20. Jh. waren die letzten Abbaufelder erschöpft. Ein länger andauernder Abbau erfolgte weiter östlich zwischen Allendorf und Mudershausen in der Grube Zollhaus bis Ende des Jahres 1960. Aus der früheren Zeit des Eisenerzabbaus und einer Mühle soll am Dörsbach eine kleine Schmiede entstanden sein, die später sich zu einer Messing Gusswaren Fabrik entwickelt hat. Diese soll einen kurzen Gleisanschluss vom Süden des Bahnhofs haben.


Werbung der Messing-Gusswarenfarbik Friedrich Sauer

Brauerei – Katzenelnbogen
In Katzenelnbogen möchte ich eine fiktive Brauerei entstehen lassen. Diese soll aus den Kibri Gebäudebausätzen der Feldschlösschen Brauerei in Rheinfelden entstehen.
In meiner Geschichte dazu ist die Linie der Grafen von Katzenelnbogen im 15 Jahrhundert nicht ausgestorben. So entstand schließlich auch die größere Brauerei Ende des 19. Jahrhunderts. Die Geschichte der einflussreichen Grafen kann hier nachgelesen werden https://www.regionalgeschichte.net/bibli...enelnbogen.html.


Wappen der Grafen von Katzenelnbogen

Geschichte der „Catzenelnbogen Grafen Bräu – Actiengesellschaft“
Da die Grafen von Catzenelnbogen schon immer dem Bier angetan waren, wurde am Stammsitz im Schloss Katzenelnbogen schon im Mittelalter Bier gebraut. Das Grafengeschlecht stand dabei für gutes Bier und deren spätere Geschäftstätigkeiten führte auch zur Gründung des Brauereiunternehmens.
Dieses wurde 1858 vom Katzenelnbogener Grafen Eberhard d.J. gegründet. Durch Tatendrang und Kreativität entwickelte sich die Brauerei in Katzenelnbogen sehr gut. Nachdem die Kleinbahn in Katzenelnbogen Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet wurde, sah der Sohn des Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen die Chance zum weiteren Wachstum. Die Brauerei wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandel und firmierte von nun an unter Catzenelnbogen Grafen Bräu – Actiengesellschaft.
Zur Vergrößerung und Modernisierung wurde die Brauerei durch umfangreiche Baumaßnahmen südlich des Katzenelnbogener Bahnhofs am Dörsbach im Jahr 1903 neu gebaut. Die heutige Brauerei entstand. Da die Brauerei von Anfang an auf den Transport der Erzeugnisse mit der Kleinbahn setzte, wurde auch ein eigener Gleisanschluss zum Bahnhof geplant der 1905 in Betrieb ging.
Weil für den Bedarf der Brauerei große Mengen an Brauwasser nötig sind, wurde ein eigener Brunnen gebohrt. Da dieser in der Nähe des bekannten Taunus Sprudel Mineralbrunnens liegt zeigte sich auch hier eine erstklassige Wasserqualität.
Relativ früh wurden auch Normalspurige Güterwagen auf Rollwagen/Rollböcken beladen, um den einfachen Versand mit Bier-Wagons zu ermöglichen.


Catzenelnbogen Grafen Bräu – Actiengesellschaft


Brauereiwagen der Catzenelnbogen Grafen Bräu – Actiengesellschaft

Weitere Strecke zwischen Katzenelnbogen und Zollhaus
Nach Katzenelnbogen folgt die kleine Station Allendorf mit Ausweichgleis, Ladegleis und einem Wellblech Wartehäuschen.
Auf der folgenden Strecke reihten sich nun verschiedene Erzverladestellen aneinander, wie Taberg, Maiblumenlai, Dachskaute. Alle diese Stellen dienten zur Eisenerzverladung.
Darauf folgte die Station Hohlenfels mit einem Anschlussgleis an den Kalksteinbruch Hibernia. Von da ging es weiter nach Mudershausen, der als Bahnhof für den Anschluss ins Lahngrabental (1,2 km) und der dortigen Eisenererzverladung diente und der Abfuhr von Eisenerz aus der Grube Zollhaus (Barbara Stollen; Infos auch in Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Grube_Zollhaus ).
Im Folgenden Übersichtskarten.


Auszug aus der topografischen Karte um die Abbaufelder in Zollhaus (1927?)


Erzverladestellen um Allendorf, Maiblumenlai und Dachskaute (1906)


Schematische Darstellung des Gleisplan Mudershausen; Quelle Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Glei..._-_TopoMap2.jpg)


Auf den ersten Blick ergeben sich sicherlich interessante Vorbilder für die Modellbahn einschließlich dem Bahnhof Zollhaus, der aber viel Platz benötigen würde.
Nach näherer Überlegung bin ich aber zum Schluss gekommen diesen Streckenabschnitt und den Bahnhof Zollhaus nicht darstellen zu wollen. Es macht in meinen Augen mehr Sinn ab Katzenelnbogen die Strecke in einem Fiddle Yard enden zu lassen.
Dazu ein paar Hintergründe der realen Kleinbahn in Kurzform, da das Thema rund um Zollhaus Seiten füllen könnte.
Die Nassauische Kleinbahn hatte immer mit der Konkurrenz der Staatsbahn in Zollhaus zu kämpfen, da die Entfernung der Gruben gering war. Schon früh wurde am Barbara Stollen eine Transport Seilbahn nach Zollhaus gebaut (Anfang 20.Jhr. auf der Karte oben auch zu sehen). So konnten erhebliche Mengen an Eisenerz direkt zum Bahnhof Zollhaus transportiert und verladen werden. Daneben gab es auch noch Anfang des 20 Jahrhunderts das Gewerbe des Transport mit Fuhrwerken.
Die Kleinbahn hatte damit immer eine Konkurrenz für den Transport. Es wurde immer wieder versucht, das Eisenerz auch über Nastätten an den Rhein nach Sankt Goarshausen zu bringen, was aber an den hohen Transportkosten den die Kleinbahn nehmen wollte, scheiterte. So wurden letztendlich die Erze nur auf relativ kurzer Strecke von Mudershausen zum Bahnhof Zollhaus gefahren. Dort wurde auch erst recht spät ein Schüttgerüst durch die Kleinbahn gebaut.
Anfangs gab es auch noch einen Gleisanschluss mit Kreuzung der Staatsbahn zum Zementwerk Gewerkschaft Mirke in Zollhaus, das aus diesem Gebiet mit Kalksteinen beliefert wurde. Mitte der 1925 Jahre wurde auch hier eine Seilbahn zum Steinbruch Hibernia gebaut. Allerdings wurde das Zementwerk im Februar 1926 durch Dyckerhoff und Schwenk übernommen bevor die Seilbahn in Betrieb ging, wegen Unrentabilität geschlossen und 1930/31 liquidiert. (Wohl aus marktpolitischen Gründen, da zu dieser Zeit ein ruinöser Wettbewerb tobte.)
Kalksteine wurden aber weiterhin noch aus dem Steinbruch Hibernia nach Zollhaus zum Weitertransport gebracht und auch an den Rheinhafen von Sankt Goarshausen.


Zementwerk Mirke in Zollhaus; die Kleinbahntrasse führt unten links über die Staatsbahn auf das Betriebsgelände; Blick aus nordwestlicher Richtung

Für den Warenverkehr auf der Anlage interessant wären die Kalksteinzüge über Nastätten nach Sankt Goarshausen an den Rheinhafen und die Kalksteinfrachten nach Braubach zur Blei- und Silberhütte.
Dies würde auch gut aus dem Fiddle Yard Zollhaus heraus funktionieren.
Da mein Fokus mehr auf den Bahnhof Nastätten und dem drum herum liegt, kann ich so auf den Bahnhof Zollhaus gut verzichten und deren zahlreichen Anschlüssen zu Steinbrüchen und Gruben.
Bei einer Modellbahn, die das Aartal im Fokus hat wäre dies sicherlich aber ein interessantes Objekt.

Damit wäre der Streckenzweig von Nastätten nach Zollhaus weiter beschrieben und welche Anschlüsse zum Betrieb der Kleinbahn entstehen könnten.
Der kommende Teil wird dann den Streckenabschnitt Nastätten Sankt Goarshausen betrachten.

Viele Grüße

Frank


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